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Die Gegenwart · 1867-02-08 · 6 (8.2.1867) · p. Seite 42

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
6 (8.2.1867)
Date
1867-02-08
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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/ 4 2 Di« Äegemvart. Reformm vornahm, und sich nicht an dm Buchstaben hiev. Nur an dem einen Punkte hielt und hält die Staatsregierung, insbesondere der Kultusminister unabänderlich fest, daran nämlich, daß die Schulen --»yrsentlich christlich confessionellen Charakter hätten. Sehen wir doch zu, wie «S sich iu dieser Hinsicht mit der Christ- , lichkeit von Gymnasien und Schulen überhaupt erhält. DaS Oberkonsistorium zu Berlin fordert im Jahre 1799 zur „Bekämpfung deS nur zu sehr verbreiteten VorurtheilS" auf, „als ob die Schule» zunächst eine Sache einzelner RcligionSparteien wären und sein müßten;" und bezeichnet eS als „unleugbar, daß die Schulen als Institute des Staates und nicht als Anstalten einzelner Confessionen zu betrachten seien." Als im Jahre 1848 (Mai) am Hirschberger Gymnasium durch die Pensionirung des damaligen Rectors eine Bacanz eintrat, und dem SchulamtScandidaten Or. Freund die Vertretung in allen vom Direktor ertheilten Gegenständen in' Aussicht gestellt wurde, erklärte das evangelische Kirchen- und Schulcollegium zu Hirschbcrg unter dem 25. Mai folgendermaßen: DaS evangelische Kirchen- und Schulcollegium zu Hirschberg hat die von ihm als Patrocinio des dasigen Gymnasiums erforderte Erklärung, ob dasselbe gegen eine Vertretung der Lectioneu deS pensionirten Or. lLange in den oberen Klassen durch den SchulamtScandidaten Or. Freund ex puncto relißiovis Etwas einzuwenden haben würde, auf Grund eines dlirch Stimmenmehrheit abgefaßten Beschlusses unter dem 8. h. dahin, abgegeben, daß es die beabsichtigte Uebertragung für wünschenSwerth halte u. s. w. Der verstorbene Consistorial- und Schulrath für Schlesien Carl Adolph Menzel rieth in dem oben erwähnten Falle dem interimistischen Lehrer, seine feste Anstellung nachzusuchen, weil er bestimnit glaubte, daß daö Ministerium die voraussichtlich vom Prov. Schulcollegium dringend befürwortete Anstellung genehmigen würde. Und als der betr. Lehrer seine Zweifel darüber aussprach, antwortete Menzel in seiner ehrlichen Weise: DaS glaube ich nicht, daS wäre ja inconsequent und kleinlich zugleich; er wird Sic doch nicht wie Josua die Äibeoniten lebenslänglich zum Holzhauer und Wasserträger verdammen wollen? Aus diesen angeführten Urtheilen ist das doch zum mindesten ersichtlich, daß die Ansicht von der spccifischen Christlichkeit der Schulen weder allein gültig, noch allein seligmachend ist. Wie will man denn überhaupt die Christlichkeit der Schulen als normal hinstelle», wenn man einen Unterschied statuirt zwischen Volksschulen, Gymnasien» Universitäten. Entweder sind sie allsammt christlich oder sie sind allsammt „nichtconfessionell." Sei man zum wenigsten conscquent. Aber daS ist eS ja eben — man kann eigentlich nicht mehr conscquent sein, die Macht der Zeit war stärker als das starrsinnige Princip; man mußte um nicht lächerlich zu werden, auf der einen Seite Concessionen machen, andererseits dagegen, da man sich, nun schlechterdings nicht für überwunden hinstellen wollte, die subtilsten dialectischen Künste anwenden, um nur »och so viel Boden zu behalten, daß man mit knapper Roth stehen bleiben konnte. Mit den beiden Einwänden, die man von ministerieller Seite gegen die Anstellung jüdischer Candivajen an öffentlichen Schulen immer bereit hat, daß nämlich die bestehenden Bestimmungen der „Stiftungen", sowie der christliche Charakter der Schulen inSgesammt, auch dem besten Willen deS bett. RessortSministerS unüberwindliche Schwierigkeiten entgegensetzen, mit diesen Einwänden hat es eben gute Wege. — Ein geistvoller Schriftsteller hat einmal gesagt: Die Heuchelei ist der Tribut, de» daS Laster der Tugend bringt; man könnte mit demselben Rechte behaupte^ die dialectische Spitzfindigkeit^ mit der ein hinfällig gewordene« Eystem verkheidigt wird, ist der Tribut, den eine neue Idee den Vertretern der alten abringt! / Berlin, den 6. Febr. In Bezug auf unsere Berichte in Nr. 5. der Gegenwart über die skandalösen Vorgänge in der neuen Synagoge erhalten wir eine Erklärung des Hrn. Or. Landsberger, in welcher er jede Solidarität mit den Bestrebungen Änd Unternehmungen des Hrn. A. BehrenS, insbesondere mit der Zustutzung, Veröffentlichung und Colportage seiner. Festrede zurückweist. lieber die Beziehung, in der er zu der vielerwähnten Stiftung stand, giebt er nachfolgende Erklärung ab: „ES war am 24. Januar 1864 als ich von dem hiesigen Synagogen-Vorstände, in der Person des Hrn. Beschütz, in meiner Wohnung ersucht worden bin, am Tage darauf den damals schwer erkrankten, jetzt in Gott seeligen Or. Sachs bei einer pattiotischen Feier, als welche mir die Trauung der aus der Victoria-Stiftung auögestatteten Brautpaare bezeichnet wurde, zu vertreten und die Festpredigt zu übernehmen. — Ich kannte bis dahin weher diese Stiftung noch ihren Gründer und konnte in beiden, da ich von einem Berliner Synagogen «Vorstände den Auftrag empfing, nichts anderes, als etwas Würdiges vermuthen. Ich übernahm daher bereitwilligst den Auftrag und führte ihn am 2b. Januar mit herzlicher Theilnahme für Lie Sache in der hiesigen Haupt-Synagoge aus. Ein Jahr später besucht mich Herr BehrenS und trägt mir Folgendes vor. Am 22. März, am Geburtstage des Königs, fände im Saale der hiesigen Stadtverordneten ciye Feierlichkeit seiner Stiftung statt, zu welcher, weil seit 6 Jahren stets christliche Prediger bei dieser Feier die Festrede hielten, diesmal^ auf höheres Begehren solches von einem Rabbiner geschehen möchte. Da nun die hiesige Gemeinde dessen zur Zeit noch entbehre, so.gehe er mich im Interesse der Sache an, mich dieses Amtes, natürlich honoris causa, unentgeldlich, zu unterziehen. Zwar nicht mehr so bereitwillig, als auf daS Ersuchen deS Synagogen-Vorstandes, kam ich doch der Bitte nach und sprach vor jener Versammlung. WaS ich sprach, werde ich zu jeder Zeit vcraMworten können und selbst der in Ihrem Blatte citirten Stellen werde ich mich nimmer schämen, wenn daS daraus gestrichen wird, was ich nicht gesagt habe. — Und da«, WaS ich nicht gesagt habe^daS sind grade die meisten der in den Citaten gesperrt gedruckten Worte. Wohl habe ich auf. ein Gesuch nichts dagegen gehabt, daß das Kuratorium meine Rede zum besten der Stiftung, von der ich, ich gestehe eS, schon um deS Namens willen, den sie trägt, eine hohe Meinung hatte, drucken lasse, aber daS, was BehrenS aus ihr gemacht, konnte mich nur mit Indignation erfüllen." Or. Julius Landsberger. Nach dieser Erklärung, die allerdings geeignet ist, Herrn Or. Landsberger jwn den ihm gemachten Vorwurfe zum großen Theil zu befreien, stellt sich also heraus, daß kein Anderer dem Hrn. „Präsidenten," dem „wackern Säemann Hrn. Hoflieferanten A. BehrenS" u. s. w. Lob und Weihrauch gespendet hat, als daS „Kuratorium" d. h. als Hr. A. BehrenS selbst. DaS scheint unS denn doch eine unter Umständen gewagte Ausführung de« Princip« der Selbsthilfe zu fein! Wir meinen übrigens, daß diese häßliche Angelegenheit zur Genüge von un« erörtert ist. Jedenfalls hat sie zu der Erkennt« > niß führen können, daß durch prachtvolle Einrichtung und durch 'großen Geldaufwand weder ein Mann, noch ein Gotteshaus vor

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