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Die Gegenwart · 1867-01-25 · 4 (25.1.1867) · p. Seite 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
4 (25.1.1867)
Date
1867-01-25
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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_v Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. 27 unserer Bevölkerung, der dm andern Luxemburgern an PatriotiS« um-. Freiheit-liebe, Gehorsam vor dem Gesetze und in der Erfüllung aller Bürger« und Menschen-Pflichtep in nicht-»achsleht, hat unsere ganze Achtung und Sympathie, und wir glaubm im Namen aller Ehrenmänner de- Landezu sprechen, wmn wir der Entrüstung Ausdruck geben, die bei Anhörung der Straßener Mortara-Geschichte allgemein empfundm wurde. Padua. ES ist beschlofsm worden, daß dacollegium rabbinicum, welchem der verstorbene S. D. Luzzasto einen großen ThÄl seiner Thätigkeit widmete, höchstennoch ein Jahr bestehen soll. Am 19. November 1866 wurde der diesjährige CursuS mit nur 2 Schülern eröffnet, die jedoch nur mit dem Vorbehalt ausgenommen wurden, daß sie selbst für ihren Unterhalt sorgen müffen. (N. I. SB.) Jerusalem. Wie wir aus einer Notiz der „Arch. iSr." ersehen, hat sich in Jernsalem ein Verein gebildet, der sich „Juda und Israel" nennt und dessen Zweck es ist, den Ursachen deS Proletariats unter den Juden in Palästina nachzuforschen und die Wege zur Abhilfe aufzusuchen. E« ist vor der Hand ein Circus lar in hebräischer Sprache erlassen worden, das zur Theilnehmerschüft auffordert und von sehr geachteten Namen der jüdischen Einwohnerschaft Jerusalems unterzeichnet ist. Wir halten dieses Unternehmen, das in gesunder rationeller Weise seinen Zweck verfolgt, für ebenso verdienstvoll als wir die bisher nach Palästina reichlich geflossenm Spenden jüdischer Mildlhätigkeit für verfehlt erachten, da diese, statt die Erwerbsfähigkeit der dortigen Juden zu fördern, nur trägem Bettelwesen, das sich darauf verläßt, von den Gaben gutherziger Glaubensgenossen genährt werden, Vorschub leisten. Kl.. n. — Ucber die iSr. Handwerksschule zu Jerusalem, die von Herrn Franchetti in Turin gegründet worden, enthält der „UniverS JSraelite," folgenden Bericht. Diese Anstalt, an der ein recht gründlicher Religionsunterricht ertheilt wird, zählt gegenwärtig M Schüler im Alter von 12 bis 17 Jahren; 29 derselben sind aus Jerusalem, einer aus Hebron, drei aus der Türkei, einer aus Griechenland, einer aus Rußland, einer aus Oesterreich, einer auS Algier und zwei aus Marokko. Bon diesen sind 16 Schuhmacher, 8 Goldarbeiter, 6 Blechschmiede, 5 Schneider, 2 Apotheker, 1 Schlosser, 1 Buchbinder. Die Namen der Lehrer scheinen uns sämmtlich jüdische zu sein. Der Inspektor des Instituts ist der ehrenwerthe Hr. HauSdorff. 1500 Francs sind, von Hrn. Franchetti wiederum neuerdings bestimmt worden, um der Anstalt eine größere Entwickelung zu verschaffen. Der würdige Baron macht sich durch seltene Wohlthätigkeit sehr um daS Judenthum Palästinas verdient. Heinrich Heine und das Iudenthum. (Fortsetzung zu S. 22.) Der Hellenismus Heine's verträgt sich nicht nur mit einer so ernsten Weltanschauung, wie die pantheistische ist, sondern er ist selbst auS der pantheistischen Anschauungsweise hervorgegangen. Ist etwa jene Begeisterung für den Fortschritt der Menschheit althellenisch? Ist sie nicht vielmehr der entschiedene Gegensatz gegen die herrschende Meinung des klassischen AlterthumS, daß die Zeitalter vom goldenen zum ehernen herabgesunken sind, daß die Welt schlechter werde? Ist der Gedanke von einem Fortschritt der Menschheit überhaupt in einer Zeit und einer Literatur möglich, die keine humanistische Vorstellung von der.Menschheit hat, der „da- Menschengeschlecht" ein naturgefchichtlicher Begriff ist? 'Oder ist etwa der Glaube an die gleiche Berechtigung aller Menschen zu allen irdischen Genüssen und Freuden ein griechischer? Der griechische Philosoph Aristoteles hat in seiner „Politik" da- Sklavenwesen durch die naturgemäße Einrichtung de« menschlichen Hau-Haltzu begründen gesucht. Der „hellenische" Glaube an einm gleich hohen Beruf aller Menschen scheint also bei ihm sehr schwach gewesen zu sein. Nun steht zwar der Stagirit Aristoteles am Au-gange de- HellenenthumS und kann nicht als der geborene Sprecher degriechischen Dolkegclten. Wo treffen wir aber denn sonst in der gesammten Liter ratur der Griechen, bei Philosophen oder Dichtern, eine Ahnung von jenem heiligen Glauben, daß der Stempel der ganzen vollen Menschenwürde jeder Menschenstirn aufgedrückt sei? Wo zeigt sich in der ganzen Geschichte der Griechen eine Spur von der Humanitären Gedankenrichtung, die der neueren Zeit ihre Bahn vorgeschrieben? Wenn die unteren Stände in Athen gegen die Aristokratie sich erheben und zeitweilig die Herrschaft an sich reißen, so berufen sie sich nicht auf angeborene Menschenrechte, sondern Macht kämpft gegen Macht, Gewalt gegen Gewalt. Unsere Sympathie mit den unterdrückten Ständen giebt erst diesen politischen Bewegungen einm humanitären Charakter. Die äußere Aehnlichkeit jener Kämpfe, in denen sich daS niederr Volk mit Einem nach Alleinherrschaft Strebenden gegen die Herrschaft Weniger verband, mit den Bestrebungen der neueren Geschichte, giebt jenen die moderne Stimmung, die aber auS ganz anderer Quelle geflossen ist. Am meisten könnte es scheinen, daß der Gedanke von der Ebenwürdigkeit der Materie hellenischen Ursprungs sei. Unsere Dichter haben uns daran gewöhnt, daS griechische Zeitalter als das paradiesische aufzufaffen, da dir Götter noch die schöne Welt regieret „an der Freude leichtem Gängelband selige Geschlechter noch gcführct", während jetzt, wie die Braut von Corinth klagt, „Opfer falle» hier, weder Lamm noch Stier, aber Menschenopfer unerhört." < Aber jene schöne Auffassung deS mythologischen Wcltalter ist dennoch selbst nur eine mythologische. Der Geist des modernen Leben« wird.der alten Welt eingchaucht. DaS ist ächt dichterisch, ganz mythologisch. Vor der wissenschaftlichen Klärung müssen aber endlich alle diese poetischen Bcrklänmgen schwinden. Man soll endlich einsehen lernen, daß der griechische Himmel nicht aller Orten und nicht zu allen Zeiten blau gewesen, und daß selbst wo der Himmel blau ist, die Menschen deshalb nicht treu sein und einander lieben müffen, wie sich Brüder lieben sollen. . ES ist wahr, der schauerliche Zwiespalt zwischen Geist und Materie ist erst aus der Asche der antiken Welt aufgeglonune», bis er sowohl in den wissenschaftlichen d. i. theologisch-kirchlichen, . als den politischen Kämpfen deS- Mittelalters zu einem Feuerbrande emporgelodert ist, der bis zum hcuttgen Tage nicht ganz verlöscht ist. Aber weil jener Dualismus in seiner^tiefspaltigen Kluft dem Alterthum ftcmd war, fehlt damit der griechischen Welt zugleich da« Bewußtsein von dem-Dasein einer Materie? Fühlt der Grieche wirklich so gar keine Spaltung i» seinem sittlichen, seinem wissenschaftlichen Gewissen? Ist es nicht ein Grieche gewesen, der den Körper den Kerker der Seele genannt hat? Haben nicht auch in dem Herzen des Griechen die Schlangen gezischelt, wenn sie auch damals nur einen mehr persönlichen Conflikt anfachten, während heutzutage der sittliche Conflikt volksgeschichtliche, allgemein menschliche Dimensionen an- «*

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