Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 4 (25.1.1867)
- Date
- 1867-01-25
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Die Stgemvart. V Diese Opferwilligkeit für BildungSiustitnte gereicht der Gemeinde > gewiß zur Ehre und jeden« Menschenfreunde zur Freude, zumal diese Opfer im engsten Sinne de« Worte« freiwillige sind, denn juridisch ist die Gemeinde, bi« auf die Religion-schule, vielleicht dazu nicht verpflichtet. Um' so berechtigter ist darum aber auch die Forderung, Au-führlichepe« darüber zu erfahren. Wle viel Klaffen und Schüler zählen hie Schulen? Die Knabenschule giebt allerdings in ihrem letzten Programme darüber Auskunft, von diesem Programme erhielt aber nur ein Theil der Gemeinde Kennt« niß, ebenso von dem der Religionsschule. Welche Norm besteht für daS Schulgeld, und wie viel Schüler zählt jede Stufe desselben? Haben alle Ansprüche und Aufnahmen befriedigt werden können? Erst nackr Beantwortung dieser Fragen ist ein Uriheil möglich, ob diese Institute allen Anforderungen genügen, oder ob > vielleicht im Gegentheil ihre Ausdehnung beschränkt werden kann, | oder doch durch eine berechtigte Steigerung des Schulgeldes der j höheren Stufen die Gemeindelast etrvaS erleichtert, oder Da« Ein-! kominen der fungirenden Lehrer erhöht werden kann.! > Ein anderer «vesentlicher Theil der Gemeindeverwaltung ist 1 das Ariiienwescn. I Neben freiwilligen Beiträgen von 1844 Thlr. und Geschenken | und Legaten von 2385 Thlr. beträgt der Gemeindezuschuß 9972 Thlr., die Ausgaben 16248 Thlr. Auch dieser Theil der Geineindeverwaltung wird wohl ein befriedigendes Gefühl ernten. WohlthätigkeilSsinn, Mitgefühl für den Hülfsbedürftigen, ist ein altes Erb« theil unserer Gemeinden. Und dennoch müssen wir unS unbefriedigt erklären. Bor Allem drängt sich unS die Frage auf: ist jerer dringenden Noth auch abgeholfen worden? .Beantwortet könnte sie nur werden, wenn zu ersehen wäre, wieviel Ansprüche gemacht worden sind und wie vielen hat entsprochen werden können. Ferner: wie hoch belaufen sich die Uuterstützungen, an Einzelne und an Familien? Eine solche Aufklärung würde bei dem Geiste unserer Gemeinde von den segenreichsten Folgen sein. Die Ar« men-Kommission hat vor einigen Jahren ciijc Aufforderung an die Gemeinde erlassen, ihre Bemühungen durch kräftige Unterstützung fördern zu wolle». Wie weit dein entsprochen wurde, ist nicht bekannt; dcß sind wir aber gewiß, ein ausführlicher Bericht, der etwa nachwiese, daß manche Ansprüche gar nicht, oder mit Rücksicht auf die zu Gebote stehenden. Mittel nur unvollkoinmen befriedigt werden konnten, der Arinen-Coinmiffion bereitwillige Hilfe zusührrn würde. Zu ähnlichen Beinerkungen fordert unS S. 9. Beilage LI.: „die Alter-BersorgungSanstalt" auf. Die Ausgaben belaufe«« sich auf 6347 Thlr., ivozu aus der Gemcindekaffe 2000 Thlr. zufließen. Wieviel Hospitaliten zählt aber daS Institut? Wieviel sind iin Jahre, aufgcnoininen und wieviel habe» zurückgelviesen werden müsse»? Auch hier sind wir von der Ueberzcugung durchdrungen, eine klare Einsicht in daS Bedürf- '»iß würde zahlreiche Freistellen schaffen und dem Institute eine erweiterte Wirksamkeit zuweisen. .. Am ausführlichsten ist S. 9 in Anlage M. die Kranken« Berpflcgungö-Anstalt behandelt, sie gewährt einen recht befriedigenden Ueberblick. Auf die weiteren Theile der Verwaltung will ich nicht wei« ter eingehen, ich würde bei den meisten derselben Ausstellungen erheben müffen und dadurch ermüden. Das Gesagte genügt wohl um den Wunsch gerechtfertigt zu finden, den Bericht des Jahre« 1866 in einer ausführlichen Gestalt erscheinen zu sehen; in, Interesse der Gemeinde hoffen wir e«. Picht selten wird über Gleichgültigkest gegen Gemeindeangelegenheiten und Theiluahmlosigkeit für dieselben Klage geführt. Wie soll aber die Theilnahme erblühen, wenn ihr die ganze Wirsamkeit derselben fast ein verschlcffene« Buch ist! Sage immer nur der Borstand, wa« geleistet wird und was noch immer zu leisten bleibt, und er wird nicht ferner über Mangel an Jntereffe zu Nagen haben. Mau könnte frellich allen unseren Bemerkungen den Einwmf entgegenstellen: Eure Vertreter, die Männer enreS Vertrauen«, prüfm ja Alles und beschließen erst nach reiflicher Erwägung, da« darf auch doH wohl dafür bürgen, daß Alles in der gerade entsprechenvsten Weise geordnet wird, wozu also noch eine Selbstprüfung? Darauf haben wir eine bestimmte Antwort. Allerdings haben wir zur Ehrenhaftigkeit und Redlichkeit unserer Gemeindevertretung das unbedingteste Vertrauen, sie verdient es im vollsten Maße; ihre Anschauungen in den Gemeindeangelegenheiten dagegen sind unS vollständig unbekannt; der gänzliche Mangel an Oeffentlichkeit entzieht unS jede Kenntniß derselben. Außerdem ist cS üun einmal eine Eigenheit unserer Zeit, Alles selbst prüfen zu wollen, wir wählen unsere Vertreter stet«, für unS zu sprechen, ab4r »icht zugleich für uns zu denken; diese« Vor« recht müffen wir unS selbst schon Vorbehalten und können nie darauf verzichten. ' f ■ \ K. Luxemburg. Die hier erscheinende Zeitung „daS Land^ berichtet Folgende«: „Ain 22. Deceinber'war da« Dorf Straßen Zeuge einer Begebenheit, die wir in unserm Lande für unmöglich gehalten hätten. Die in Straßen wohnende Wittwe Louis Lcvh hat ein Töchterchen von 14 Jahren, welches die dortige Schule besucht. -Nun.ist die kleine Henriette Levh israelitischer Confession und die Straßener Schule wird durch Ordensschwestern geführt. Die Schwestern konnten, wie eS scheint, dem ftoinmen Wunsche, dem lieben Herrgott ein Weihnachtsgeschenk mit einer getauften israelitischen Seele zu machen, nicht widerstehen, und zettelten mit dem Pastor und sonstigen frommen Seelen ein Com« plott gegen die religiösen 'Ueberzeugungen der kleinen Henriette, und gegen die heiligen Rechte ihrer Mutter auf die Unmündige an, das am 22. dadurch glücklich zu Ende geführt wurde, daß das Mädchen in der Kirche, iin Beisein zweier Gemeinderaths- Mitglieder und mit Assistenz eine» andern Geistlichen durch den' Pastor getauft wurde. Die durch da« ungewohnt lange Ausbleiben des Kinde« besorgte Mutter suchte e« allenthalben, und erfuhr endlich, daß ihr Kind in der katholischen Kirche sei. Entsetzt läuft sie hin, aber zu spät, die Taufe ist vollzogen. Kaum ist da« Kind in das elterliche Ha««S zurückgekehrt, als auch die beiden abwesenden Brüder hrimkehren, und »icht zu früh, denn einige fanatische Bauern wollten die neue Ehristi» mit Gewalt entführe». E« wurde sogar de« Nachts noch eine Leiter an ein Hinterfenster de« Hause« angelegt. Der Entführungsversuch mißlang. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde hat die Sache «n die Hand genominen und bei den betreffenden Behörden anhängig gemacht. Durch eine unter den Israeliten gemachte Collecte ist die erforderliche Summe zusainmengebracht, um die kleine, über ihren Schritt reuige Israelitin nach einem Institut nach Frankreich zu bringen. Man wird schwerlich eines gewählt haben, das durch Ordensschwestern geführt wird. Wir könne» eS nicht über uns bringen, unsere Gefühle über daS Borgefallene zu verbergen, sollte daS „Wort" uns auch steinigen lassen. Wir tadeln und verabscheuen die Handlung de« Pastor« von Straßen, denn er hat mit frevelnder Hand die heiligen Rechte der Eltern auf ihre unmündigen Kinder angegriffen. Er hat unsere israelitischen Mitbürger tief beleidigt. Dieser Theil