Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 4 (25.1.1867)
- Date
- 1867-01-25
- Page
- Seite 25 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mit Recht rügen Sie das verspätete Erscheinen des Berichts, um so mehr als bis jetzt noch kein Iah re s b erich t^oen statutarisch festgesetzten Termin innegehalten hat. Ich stimme Ihrem „entweder — oder" vollkommen bei : eine solche fortdauernde Nichtbeachtung der selbstgezogenen Schranke' zeigt immer von einer etwas mangelhaften Rücksicht Äuf die Gemeinde. — Ziehen wir aber nunmehr die Arbeit selbst in Betracht. Entspricht sie den Anforderungen, die wir an <i»en Jahresbericht der hiesigen Gemeinde gerechter und nothwendiger Weise machen müffen? Zu meinem Bedauern muß ich mit einem entschiedenen Rein antworten. Der Jahresbericht einer jeden Gesellschaft soll einen vollkommenen Einblick in daS innere Leben derselben verschaffeck, ihr Wirken und ihre Entwicklung soll den Mitgliedern klad vor die Augen treten, durch den Bericht müssen sie zur Wahrnehmung gelangen, ob und in wie weit die Erreichung des vorschwebenden Zieles bereits gelungen, oder welche Anstrengungen und Berbefferungen noch erforderlich sind, um dahin zu gelangen. Die Wichtigkeit des Berichtes wächst natürlich mit dem Umfange und der größeren Bedeutung einer Gesellschaft, und wird um so größer sein, je weniger im Laufe des Jahres Gelegenheit geboten wird, sich mit dem Wirken einer Gesellschaft und mitden Resultaten dieses Wirkens bekannt zu machen. Ist diese« richtig — und Niemand wird wohl ernstlich Widerspruch dagegen erheben können —, dann hat unsere Gemeinde den gerechteste» Anspruch auf einen recht eingehende«; Jahresbericht. Sie zählt mehr als 24,000 Seelen, hat wichtige und bedeutungsvolle VerwaltungSzweige, hat bei einer d i r e k t e n S t e u e r von 66,000 Thlr. ein Budget von 172,000 Thlr. Einnahme, gegen 168,000 Thlr. Ausgabe, Beträge, die dem Haushalte größerer Provinzial-Städte entsprechen, dabei keine öffentliche Repräsentantcn-Sitzung, keine anderweiten Mittheilungcn im Laufe des JahreS und natürlich auch keine fNeneral-Versammlung; der Jahresbericht soll und muß Alles ersetzen! Ausführlichkeit war wohl hier ganz am geeigneten Platze, statt besten begegnen wir konsequent einer lakonischen Kürze. Der Bericht bringt als Einleitung die im Vorjahre gefaß. ten Gemeindebeschlüsse; e« sind deren 9; wer aber nicht daS nackte WaS, sondern auch daS Warum und Wie weit zu erfahren wünscht, der sucht vergebens nach den Motiven und dem Umfange der Beschlüsse: sie stehen gleichsam da als Neberschriften, zu denen die entsprechenden Kapitel fehlen. Bei der Uebersicht selbst geht eS mir wie dem armen Faust, ich stocke fast schon bei dem ersten Satze. 1 Da steht unter der Rubrik „Laufende Einnahmen" 1. Beiträge (incl. Rückstände) 66,302 Thlr.!26 Sgr. Wer hat diese recht artige Summe ge- ' zahlt und in welchen Raten ist sie entrichtet worden? Nothwendiger Weise durfte die Zahl der Gemcindeinitglieder nicht fehlen und eben so wenig die Steuerstufen; selbst die Anzahl der Mitglieder in jeder Stufe zu erfahren, ist keine ungerechtfertigte Forderung. Rubrik 0: Einnahmen zu bestimmten Zwecken: I. Rachaschgebührcn bei Trauungen 1106 Thlr. 15 Sgr. Au« wieviel Trauungen ist diese Einnahme erzielt? Diese statistische Angabe sollte doch gewiß nicht fehlen, und eben so wenig die Angabe, wieviel Personen zu jeder. Klaffe dieser Steuer gehörten. Auch die Uebersicht der geschloffenen Ehen gicbt bekanntlich ein lebendiges Bild der Entwicklung. Daselbst 5. Einzahlung auf Stände der neuen Svnagoge 39763 Thlr. 10 Sgr. Wieviel Sitze sind denn verkauft woy^n, und zu welchem Preise? Scho» im Berichte von 1864 fintwt sich der Posten: Einzahlung auf Stände, aber auch dort fehlt die beregto Angabe. Welchen Grund hat dieses Verschweigen? Seite 4. Ausgaben zu bestimmten Zwecken. No. 3. Zahlung an die Svnagogen-Baukasse 82.793 Thlr. 22 Sgr. 6 Pf. Dieser Shnagogenbau ist ein wahres Bild der verschleierten Göttin zu SaiS. Seit mehreren Jahren erscheint diese Rubrik und dennoch weiß Niemand recht eigentlich, wa« denn die Synagoge kostet. Es ist dies keine bloße Neugierde, jedes Mitglied der Gemeinde ist dabei ganz persönlich betheiligt, denn erst nach Kennt« niß der Bausumme läßt sich crmeffen, ob die hohen Miethspreise der Sitze gerechtfertigt sind. Allerdings war im Jahre 1865 der Bau noch nicht ganz vollendet, allein abgesehen davon, daß doch nur noch verbältnißchäßig wenig daran fehlte, hättr da« Verfahren deS hiesigen Magistrat« bei dem RathhauSbqu zum Borbilde dienen sollen. Obgleich. dieser Bau erst zur Hälfte vollendet ist, so hat der Magistrat in einer Vorlage an die. Stadtverordneten doch ganz genau angegeben, wa« der Bau bis jetzt gekostet hat. Eine Hauptrubrik bilden Einnahmen und Ausgaben der Schulen. Wir erfahren S. 7., in der Specialanlage, daß die Knabenschule bei einer Einnahme an Schulgeld von 3373 Thlr. einen Gemeindeznschluß von 5762 Thlr. die Mädchenschule bei 1466 Thlr. Einnahme einen Zuschuß von 3884 Thlr. und die Religionsschule bei 1475 Thlr. Einnahme, einen Zuschuß au« der Gemeinddkaffe von 712 Thlr. erfordert hat. Diese Gemeindeninstitute kosten der Gemeinde also 10359 Thlr., d. h. etwa 15°/, der gesammten diresten Gemeindesteuer.