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Die Gegenwart · 1867-01-11 · 2 (11.1.1867) · p. Seite 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
2 (11.1.1867)
Date
1867-01-11
Page
Seite 14 (sequence 6)
Language
German
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Die Degentvart. A4 al» alle Ursachen der Dinge und Schicksale, die wir ^erklären können. Nicht anderging es mit der Borstellung ״Gott". Im Dunkel de- Bewußtseins wird sie geboren, darum ist sie wi^ alles Erhabene dunkel. C Im Traume deS Gesicht-, sagt Hiob, in der Nacht, wenn der Schlaf auf den Menschen fällt, da kam mich Furcht und Zittern an und alle meine Gebeine erschraken. Unh da der Geist vor mir über ging, fanden mir die Haare zu Berge an meinem Leibe. Da stand ein Bild vor meinen Augen und ich kannte seine Gestalt Glicht, eS war stille und ich hörte eine Stimme: Wie mag ein Mensch gerechter sein als Gott? Die Gelt, die Menschen und die Baume sah man beständig mit und vor Augen, man erkannte ihre Gestalt, man sah sie kommen und gehen, wachsen und welken; Gott abe^hat Niemand gesehen, da.er lebte. Die Vorstellung ״Gott", dunkel wie sic war und blieb, mit verworrenem Inhalt, bekam dennoch die Form eines Höheren, Mächtigeren, Ursprünglichen; die Welt, die sinnliche, wahrnehmbare, zum Theil sogar handliche, galt als ein Späteres, Gewordenes: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. So entstand im Monotheismus die Lehre von der Schöpfung. Die Erde blieb aber nicht iimner wüst und leer. Die Menschen, die auf ihr wohnten und arbeiteten, nahmen zu an Erkenntniß de« Geistes und an geschickter Kraft der Hände. Sie herrschten nicht nur über alles Wild de- Feldes und alles Geflügel des Himmels, sie unterjochten die ganze Natur durch das Werk ihrer Finger. Da bildete sich menschlicher Wohlstand und ineyschliche Weisheit. Man hörte auf, die Natur nur zu be« wundern, und man sing an, die Natur zu begreifen. Das Bewußlsciil der Menschen blieb nicht allein erfüllt von der religiösen Vorstellung VeS Einen Gottes, sondern es drängte sich die andere, im Menschen entstandene, wissenschaftliche Vorstellung von der großen, wie eö'iu der italienischen Naturphilosophie heißt, wunderbaren Mutter Natur, mit der verdoppelten Gewalt eines lange Zeit zurückgedämmten Triebes, in das Bewußtsein der Menschen ein. Jetzt nimmt die Vorstellung der Einen Natur den ersten Platz im Bewußtsein ein, sie steht in der vordersten Reihe. Dicht hinter ihr aber wohnt noch die alte Vorstellung Gott. DaS Gedachtniß der Völker ist zähe. Es giebt nicht auf, waS es einmal besessen. Wenn aber die Natur so groß ist und so unendlich, wenn sie, wie Spinoza sagt, die unendliche Ausdehnung und das unendliche Denken ist, wo ist da Raum für den zurückgesetzten d. i. im Bewußtsein zurückgetretenen Gott? Nun gilt von der Natur, was der Sänger von Gott sagt: Erreiche ich den Himmel, dort bist du, und bette ich mich in der Unterwelt, auch da bist du. DerHimmeldesDenkenS, wie die untereWelt derAuSd e h n u n g bilden in unfaßbarer Unendlichkeit die Eine Natur. Wenn anders demimch Gott ist, so ist er die unendliche Au-dehnüng und das unendliche Denken, so'ist er die unendliche Natur selbst. So wird der monotheistische Gott, der die Natur geschaffen, als pantheistischer der Natur eingebildet. Der Gott de- All'S wird Gott daö All. ES wachsen also diese beiden Bäume der jüdischen Erkenntniß auS demselben Stamme. Denn wenn auch schon früher bei den griechischen Philosophen dunkle Ahnungen von einem Allgott sich aufspüren lassen, so hat doch Baruch Spinoza zuerst diese frühen Strahlen in gereister Zeit in einen geschichtlichen Brenn- Punkt gesammelt. Wie die Juden als die Begründer de- Mono« theiSmuS anerkannt sind, obwohl sich bei griechischen Dichtern und Denkern verstreute Spuren dieser Erkenntniß vorfinden, so ist auch Spinoza der Stifter destreng philosophischen Pantheismus, dessen innige Verwandtschaft mit dem mosaischen MonotheiSmuS wir nunmehr anschaulich gemacht/zu haben glaubeu. Nur durch diese Innigkeit der Beziehungen läßt es sich erklären, daß auch innerhalb de- JudenthumS der pautheistische Gedanke eine geheiligte Stätte gefunden, schon lange vor Spinoza, in der Kabbala. Diesem Pantheismus nun fühlte sich Heine innerlich Wahlverwandt, und hier liegt der BerührungSpuntt mit Heine'- Judenthum. / Wir werden später die gleichartige Auffassung kennen lernen, die Heine von! Pantheismus und vom Judenthum hatte: da wir aber sein Gefühl für das Judenthum aus seiner pantheistischen Natur ableiten, so werde vorerst der Pantheismus Heine'S gegenüber leichtfertigen Einwänden nachgewiesen. (Fortsetzung folgt.) —r - , .——TT— Vermischtes. r Italic». Rach dem Educat. iSrael. sind in: Oberitalien.35 jüdische Gemeinden mit 15,500 Seelen, den früheren Großherzogthümern . . 24 dem früheren Kirchenstaat und in Rom 5 Neqpel. 1 Jllhrien.. . 2 ganz Italien .... 67 \ 14,710 6770 350 5200 T 42,530 Diese 67 Gemeinden haben 108 Gotteshäuser und 41 Rab« biner, von denen 11 im Collegio (Seminar) zu Padua sich ausgebildet haben. 18 Gemeinden haben den deutschen, 5 den spanischen, die übrigen den italienischen- Ritus. Von Herrn Schuldirigent Berliner, dem Herausgeber der kritischen Raschi- Ausgabe, geht nnS folgende Mittheilung mit der Bitte um Beröffentlichuug, zur Die freundliche Aufnahme., welche mein nach Handschriften und alten Ausgaben edirteS Räschi-Werk in den verschiedensten Kreisen gefunden, veranlaßt mich, bem an mich vielfach ergänzenen Wunsche wegen Verlängerung des Termins, innerhalb dessen daS Werk ohne Erhöhung des Preises von mir zu beziehen wäre, Folge zu geben. Ich werde daher die kritische Raschi-Ausgabe bis zum 1. April d. I. für den Preis von 1 Vs Thaler abgeben. Buchhändlern und Lehranstalten bei Entnahme, von Partie'« einen angemessenen Rabbat gewähren, und Bestellungen, die der Kürze wegen auch per Post- Anweisung mit Bezugnahme auf das Datum dieser Anzeige gemacht werden können, ungesäumt ausführen. ^Berlin, 3. Januar 1867. Berliner, MnigSgraben 14«. (Wir gedenken später in einer ausführlicheren Besprechung auf diese schätzbare Arbeit zurückzukommen.) j י■ Literarischer Wochenbericht. :ספר המפתח לפתוח בו את שערי היכלי אגדות חדל Auch unter dem deutschen Titel: Ham aste ach oder der Schlüssel zum Labyrinthe der äußerst räthselhaften Sagen unserer Weisen, die seit Jahr« Hunderten in den dunkeln Reden und Erzählungen verschlossen und unauflöslich zu sein schienen. Hier werden die Sinnbilder erklärt, die Räthsel aufgelöst, die ver-׳ blüinten Reden in einfachen Bildern dargestellt, au» ver«

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