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Die Gegenwart · 1867-01-11 · 2 (11.1.1867) · p. Seite 12

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
2 (11.1.1867)
Date
1867-01-11
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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Die Srganvart. ־׳/ 12 vertreten, und sie bätm wiederholt um Hinzuziehung de« Rabbiner» zur städtischen Schuldeputation. Man hofft, daß nunmehr dem Wunsche der Stadt genügt werden wird, da nur dann die Schule in gewünschter Weise sich entwickeln könnte, wenn alle Betheiligten ihr Recht an derselben gewahrt sehen. (Ostdtsch Ztg) . Pesth. Wir stehen nun Gott sei Dank unserem Ziele nahe, und der größte Theil der Landtagsmitglieder ist für die vollständige Emancipation der ungarische Juden günstig gestimmt. Selbst diejenige Herren, welche anfangs sich entschieden gegen eine voll«' ständige Emancipation *auSsprachen, scheinen sich eine» Besieren besonnen zu haben, zumal da sie oft in den Reden unseres größten Patrioten Deak'S eine warme Theilnahme an unseren noch immer mißlichen Verhältnissen wahrnahmen. Deak ist der wackere Mann welcher stets das Princip der Gleichheit Aller ohne Unterschied der Religion mit der großen Gewandheit seiner Rede den RäthSherrcn klar zu machen versteht. Wir haben indcß noch viele Gegner, und müsien der göttlichen Vorsehung danken, daß dieselben zumeist nicht zu den hervorragenden Persönlichkritcn im Lande gehören. DK Landessprache (die magyarische) wird allenthalben jetzt' bei den Israeliten Ungarns gepflegt, und sowohl in den'Häusern als in Schulen als Muttersprache betrachtet. Hier bestehet sogar ein israelitisch-ungarischer Verein, welche alle Kräfte für Hege und Pflege der vaterlän« dischc» Sprache aufbietet. Es werden in demselben oft populäre Vorträge in ungarischer Sprache gehalten, wobei es auch an christ« lichen Zuhörern aus den gebildeten Klaffen nicht fehlt. Wir. hoffen dem freundlichen Leser der Gegenwart bald die frohe Kunde von unserer vollständige» Gleichberechtigung mitlheilen zu'können.' » R. S. K. Padua. Die Freimaurer-Loge ״Vovoro Diiitto" hat folgendes Preisausschreiben erlassen: . ״Da die Religion gleiche Freiheit wie Kunst und Wiffenschaft erfordert, da der Gläubiger/der Künstler und der Gelehrte nur von ihrer individuellen moralischen Ueberzeugung abhängen, von der sie ihrem Gewissen und ihrer Vernunft allein Rechenschaft ablegen niüssen, Da jede Einmischung der Autorität und der Gewalt in ReligionSangelegcnhettcn unrecht und thrüunisch ist, 'da die Regierung weder in Pflicht noch in Recht ist, irgend welchen Kultus einem anderen vorzuziehen oder ihn aufzudrängen, Da eS nothwendig ist, den Völker» die innigste Ueberzeugung dieser Wahrheiten beizubringen, weil sie, indem sic einerseits viele Hinderniffc zum Fortschritte der Menschheit Hinwegräumen, andererseits eine aufrichtige Einigung der Familien und Völker befördern: . so ladet dem Schlüsse des 27. e. gemäß die Loge sämmtliche Gelehrten, erzogen in der Schule deS Fortschritte« und der Freiheit, ohne Unterschied des Geschlechtes und der Nationalität ein, ihre Gedanken über die GewissenSfteiheit in. ihrer Mutter« spräche niedcrzuschreibru. Eine von dieser Loge ernannte Com« Mission ist beauftragt, die Arbeiten, die bis zum 30. April 1867 eingehcn, zu prüfen und zu erkläre», welche am besten der Größe deS Gegenstandes entsprochen haben wird. Diese Arbeit erhält* den Preis von 1000 Fr. Auch die nicht gewinnenden Arbeiten sollen gedruckt und derbreitet werden. Periodische Schriften, die zu? Verbreitung mitwirken, erhalten einen bedeutenden Preis. ׳Die Handschriften sind einzusenden a la libreria e Cartoleria via Palestra 4. Pisa. ' > Paul de MicheliS Meister vom Stuhl Secret. Orest Salvestrelli 3. Redner Ferdin. Gagliardi 15. Rew-Aork. (Fonfttzmig.) ״Da. lagerte die verswßrne, immer zur ״Schlachtbank bereit stehende Heerde, den Drängern zurufend: winket ״immerhin unser Blqt — wir Winken nimmer eure trüben Wasser^, ״sondem unstt lebendige- Wasser aus dem Urquell! Da» Gebetwort ״war den Meisten verständlich und selbst für.dm. Unkundigen ein ״Gefäß heiliger, glühender Empfindungen, kein leerer Lippendienst, ״sondern עבודה בלב ein Dienst »mit allen Fasern des Geiste- ״und Gemüthe». Und so" auch da» vemommene Thorahwort, ״wenn auch vielfach verrenkt und mißdeutet.. In der Tiefe blieb ״die Strömung immer gesund obgleich die Oberfläche Staub und ״Gerölle zeigte und'oft schoffen aus dieser Tiefe Strahlen empor, ,die da» messianische Iudenthüm säugten und groß zogen. Wa» ״sind aber gegenwärtig unsre Synagogen im Allgeineinen? Schöner, ״geschmack- und prachtvoller sind sie, über keine HeilSguellm mehr, ״sondern dicht verschloffene Brunnen, auf deren Mündung der ״schwere Stein rer Gedankenlosigkeit und einer tobten Sprache ״lastet. Wozu nützen uns die reichen Schätze weltumschließender ״Gedanken, die der alte CultuS umschließt? Sie sind dem Volke ״tief vergraben unter verstorbenen Hüllen, unter riesigen Thür« ״men ... . Und nicht ander« ist es mit dem Inhalte beschaffen. ״Auch da begegnen uns längst verblichene Anschauungen, Hoff« ״nungen und Wünsche, längst verklungene גלות - Klagen, längst ״entschwundene LcbenSverhältniffe, die das Labende und Erfrischende ״gewaltig umdämmen ^nd ihm die Bebauung-- und BefruchtungS- ״kraft entziehen .... Thorah und Propheten werden wohl ver« ^״lesen, aber die drei Heerden «)121 אנשים ונשים die daraus trin« ״ken wollen und sollen, müssen ebenso von dannen ziehen wie sie ״gekommen .... Die heimisch gewordene Predigt hat allerdinßö ״die Bestimmung, Gottes Lehre zu erläutern, allein wie selten ״erfüllt sie diese Bestimmung! Wie oft will sie bloö durch ״Flitter« ״schmuck blenden — anstatt die Augen zu öffnen, das Kranke zu ״heilen, das Lechzende zu tränken!" .... Im zweiten Theile klagt der Redner über die Mangelhaftigkeit des Religionsunterrichts und weist auf die Nothwendigkeit der Begründung von Anstalten hin, welche das Berständ« niß der heiligen Urkunden pflegen, die Jugend mit der weltgeschichtlichen Sendung, der weltumgestaltenden Kraft der mosaischen Prinzipien vertraut machen und die im Hinblick auf die zukünftigen Geschlechter ein solider Unterbau für ein zu begründendes theologischeS Seminar sein sollen. ״Warum" — ruft er — ״sehen ״wjr Tausende von Israeliten einerseits dem Iudenthume den ״Rucken zuwenden oder auch in dumpfer Gleichgültigkeit gegen ״alles^ Religiöse versunken, Andererseits gegen jeden religiösen ״Fortswritt mit fanatischer Wuth in die Schranken treten? Weil ,-.sie erstorbene Gebräuche für גופי התודה * für die Grundpfeiler ״unserer k^eligion halten, weil sie von der unvergleichlichen Hoheit ״unsrer GpisteSkämpfe nach Innen und Außen wie von der Ge- ״schichte des Gotteskämpfers Israel selber — keine Ahnung ״haben .... , In diesem Sinne fährt der begeistere Redner fort und schließt bann mit dem Wunsche und der Hoffnung, daß in dem neuen Tempel da« Wort. Gytte» stets im Geiste und in der Wahrheit verkündet, daß Licht und Finsterniß, Reine» und Unreine», Lebendige» und TodteS streng geschieden werden möge, um die Herzen für da» Indenthum zu gewinnen, das im gotterfüllten Menschen'wurzelt und in der gotterfüllten Menschheit gipfelt.

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