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Die Gegenwart · 1867-01-11 · 2 (11.1.1867) · p. Seite 11

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
2 (11.1.1867)
Date
1867-01-11
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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I Berliner Wochenschrift für Jüdische L»g ei egen heilen. 11 letztere Namens 213 Vorständen preußischer Synagogengemeinden, betreffend die endliche Verwirklichung de« Artikel 4 nnd 12 der Verfassung»-Urkunde, (Gleichstellung aller Eonfessionen.) Der Bericht nimmt Bezug auf drei vom Justiz», CultuS- und Mni» sterium deS Innern in der Commission abgegebenen Erklärungen, nckennt die deletzteren als eine dein RechtSzustande völlig entsprechende an, und schlägt, den beiden ersteren entgegentretend, eine Resolution vor, in der sie die'in den Petitionen angeregten Uebel« stände der Kdnigl. StaatSregierung wiederholt zur Abbülfe über» weist. Wir behalten unS vor. Näheredarüber zu bringen.' * Dortmund, 3. Januar. Für die hiesige Synagoge wird eine Verbesserung der gottesdienstlichen Institutionen nach dem > Vorbilde der in cher Berliner neuen -Synagoge eingeführten. Reformen beabsichtigt. Der hiesige Vorstand hat sich deshalb an die dortige Gemeindeverwaltung gewendet, um sich über die gottesdienstlichen Einrichtungen der dortigen neuen Synagoge zu., in» . formtreu. . Aus dem Rordwesteu Deutschlands. Es ist nicht ganz 1 leicht/ über da» jüdisch-religiöse Leben upd die Verhältnisse kleiner Gemeinden Bericht zu erstatten für ein Blatt, daS zunächst seinen Leserkreis und feinen Mittelpunkt in Berlin sucht und haben wird, daS sichln großartigen Dimensionen bewegt und bewegen muß, um Interesse zu gewinnen. Wer will Eulen nach Athen tragen? WaS will der Zwerg bedeuten neben dem Riesen? Und doch scheint mir, ist cS, wenn ein Blatt die Gestaltung deS JudenthumS in der Gegenwart umfassen will und dessen Erscheinung darstellen, von Wichtigkeit, daß eS auf die LebeizSlaute desselben auch in kleineren Kreisen lausche. Gerade in solchen kleineren Kreisen muß die Probe abgelegt werden, ob Perv und Lebenskeim genug da ist, ob Kraft des Fortbestehens und der Entwicklung, während die große Gemeinde dein Schwerpunkt ihres Bestands nie ganz verlieren kann, und nur ein Mehr oder Minder in'der Schwebe ist. Mein Bericht kommt aus dem Nordwesten Deutschlands, aus einer Gegend, in welcher die Juden von der Bildungsgewalt des Jahrhunderts spät geweckt und aufgerüttelt worden sind und auch jetzt noch zum Theil die Nachzügler in der Umformung und Neubelebung der Gemeinden. Da ist im Westen Ostfrießland, jetzt preußisch, früher ein Theil Hannovers. Die Abgeschiedenheit dieses Marsch- und Moorlandes vom übrigen Deutschland in Verbindung mit einem schroffen ParticularismuS zeigt ihre verknöchernde Einwirkung auch auf die zahlreichen jüdischen Gemeinden desselben, worunter einige größerx, z. B. in Emden und Aurich.! Obgleich eine staatliche und gesetzliche Regulirung der jüdischen i Gemeindeverhältnisse im früher» Königreich Hannover viel GuleS bietet, dem chaotischen Gegirre deS früher» Zustandes ein Ende ) gemacht, die Errichtung von Schulen, die Anstellung der Lehrer, ' die Führung des GemeindehauShaltS, die 'Verpflichtung zum Beittage so ziemlich geordnet hat, ist doch in vielen Gemeinden daö \ religiöse Leben primitiv und antediluvianisch, besonders waS den Gottesdienst und dessen Ordnung oder Unordnung betrifft, und hat überhaupt die Bildung und Gesittung noch nicht durchgeschlagen . und festen Boden gefaßt. Die Entpuppung nach, langem Winterschlafe, pie frische und freie Regung und Bewegung de» Geistes und geistigen Worte-, dafreie' Hervortteten einer höhern Auffassung unserer Lehre und unserer religiösen Institutionen, hat in diesen Gemeinden noch keine rechte Stätte; wenigstens fehlen die kräftigen, in die Ferne .everkündigenden Lebenszeichen und wird so viel wie möglich der Schein destrengsten Eonservati»- muS gewahrt. Freilich täuscht auch da der Schein, ist die Gesinnung im Stillen doch ganz ander» geworden, deun wie läßt sich der Einfluß der Außenwelt ohne chinesische Mauer ganz abhalten? Aber die kräftigen Lebenszeichen, wie gesagt, fehkeu, werden zurückgedrängt, werden, wo sie ja einmal sich ganz offen zeigen, geschmäht, verketzert und so bleibt denn Alle» beim Alten. Möglich, daß die Umwandlung dieser Provinz in eine preußische auch auf die jüdischen Gemeinden belebend wirft, denn wie im 1 Hannöverischen im Allgemeinen, so war bi» jetzt auch bei den Juden die geistliche und zwar die hyperortodor-geistliche Richtung und Gewalt sehr stark, weil von oben begünstigt. Da» wird hoffentlich nicht weiter der Fall sein. ES sei auch noch, einer in der Bildung erst begriffenen Gemeinde im Südosten erwähnt, der Gemeinde in Bremen. Bekannttich hat diese berühmte Stadt des Welthandels die Juden früherhin nichts weniger al» weltmännisch und human behandelt, sondern hat sie fast excludirt. Bis zum Jahre 1848 waren daher nur wenige jüdische Familien dort ansässig. Bon da ab wurde die Exclusion immer mehr aufgehoben und e» befinden sich jetzt etwa 30 Familien dort, und ist die Gemeinde im raschen Anwüchse begriffen. Daß einer solchen jugendlichen Gemeinde noch daS feste Band der Einheit, noch die volle Entwicklung und zeitgemäße Einrichtung abgeht, ist erklärlich. Eine Religionsschule hat sie mit Lehrer nnd Eantor. Aber eS fehlt ihr bis jetzt das eigene Gotteshaus; in sich isolirt und isolirt bleiben wollend, fehlen ihr auch bis jetzt die Führer und Antreiber zur Entfaltung und geistigen Aufschwung. WaS den Gottesdienst anbelangt, so spielen da die MischeberachS und, wenn ich nicht irre, der öffentliche Verkauf der Mi;« woth noch eine Rolle. — Zu rühmen aber ist an dieser Gemeinde der wackere, jüdische WohlthätigkeitSsinn. Ohne Zweifel wird der Zuzug gebildeter und wohlhabender Genossen die vorhandenen Mängel in nicht ferner Zeit beseitigen. Die Gemeinde ia Bremen hat sicher eine Zukunft, wenn nur nicht daS Bor« walten deS inerkanti'lischen und genußbegierigen Elementes, welches bis jetzt dort sehr stark ist, die Stagnation des religiösen Lebens bewirkt nnd überhaupt den Sinn für höhere geistige Interessen beengt. , Ultimo 1866. W. Rakel, 4. Jan. Auf das Gesuch der Stadtverordneten- Versammlung um Hinzuziehung des Rabbiners I)r. Cohn in die städtische Echuldeputation ist vor einigen Tagen ein abschlägiger Bescheid von d^r königlichen Regierung eingegangen. Als Grund wird angegeben, daß eö de» Geschäftsgang erschweren würde, wenn eine größere Anzahl von Mitgliedern in der Schuldeputation sich befänden. Es handle sich in diesem Falle auch nicht um die Vertretung der EnltuSgemeinde, und daS Interesse de» jüdischen TheileS der Schulgemeinde sei durch den Buchhändler und Stadtverordneten Kallmann vollständig vertreten. Die Stadtverordneten« Versammlung ist in ihrer letzten Sitzung nochmals dagegen bei der königlichen Regierung vorstellig geworden, indem sie in dieser Entscheidung eine Erledigung ihre» Gesuchenicht erblicken konnte. Da die Geistlichen der evangelischen und katholischen Confession in die Schuldeputcktion berufen werden, so sei daS Recht der jüdischen Mitbürger durch die Nichtberufuug ihre- Rabbiners bcein» ttächtigt. Bei der Wahl de» Buchhändler» Kallmann in die Schuldeputatton wäre es gar nicht itr Bettacht gekommen, daß er Jude sei, vielmehr sei der Grund allein maßgebend gewesen, daß er für geeignet gehalten worden sei, die Interessen der Schule im Sinne der Stadt wahrzunehmen, und da der jüdische Religionsunterricht ein obligatorischer sei, so sei er als Laie nicht com« petent, die Interessen des jüdischen Theil» der Schulgemeinde zu 2»

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