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Die Gegenwart · 1867-01-04 · 1 (4.1.1867) · p. Seite 3

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
1 (4.1.1867)
Date
1867-01-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Berliner Wochenschrift str -wisch« Angeiegknheücn. t: ftytf beschiedeu. Aufrütteln soll er die von dem betäubenden Dost der SelbstberLucherung und mm dem tönenden Phrafenge^ Ningel eingelullten Seelen zum Wachen, Denken und Arbeiten. erstSren soll er die Gebilde de» Wahn«, daß die religiöse Ertniß, als höchste« geistige« Gut, nicht durch eigneernste« gen von Jedem selbst erworben werden müsse, sondern daß fie wie einen geistihea Malzextrakt von Wunderdoktoren in ginalflaschen für/Geld und guten Glaubm erhandeln könne. :mt werden ihm aber auch die Pfeile de« Hohne« und der dächtigung au« allen Winkeln nicht erspart sein, und er wird U Hände voll zu thun haben, um sich seiner Haut zu wehren. — ch darum möge er nur getrosten MutheS seinen Ausflug in Welt antreten. „Biel Feind, viel Ehr'". — Hier bei un« kann dem Ankömmling eine herzliche, warme Aufnahme Vorhersagen, d hier wird er auch eine klare heitere Atmosphäre finden, die »ssem Wesen ganz gemäß ist. Nicht umsonst haben wir hier, ^uger al« zwanzig Jahre, so recht im innersten Centrum der eifrigen Bewegung de« Judenthumö gestanden, wo die eminenteste der treibenden KÜfte in der rastlosen Arbeit der gedankenmäßigen 'Entwicklung der religiösen Reform ihren Wirkungskreis hatte. ^Die bedeutsamen Einrichtungen in Kultus und Schule, welche von er, unter langen und schweren Kämpfen hier liebevoll gepflanzt wurden, sind al« lebenskräftige Organismen erblüht, die in sich selbst schon die Bedingungen ihrer Fortdauer tragen. Sie werden von der Gemeinde als Palladium gehegt und heilig ge« halten, und auch der Nachfolger Geiger« im Amt, vr. Joel, wirkt mit unsäglicher Hingebung unh ohne Geltendmachung im «Einzelnen vielleicht abweichender persönlicher Anschauungen, im I Geist und Sinne jener Schöpfungen. — Wenn jemals, so hat sich 'diese- Berhältniß, welches in der That als das ehrendste Zeuginiß für daS Nachhaltige der Geiger'fchen Wirksamkeit gelten muß, bei den so eben vollzogenen Repräsentantenwahlen aufS Glänzendste bewährt. Die freisinnige Partei hat mit einer überwiegenden Majorität bei einer ungewöhnlich starken Betbeiligung von40pCt. der Wahlberechtigen (von 2400 Wählern haben 960 gestimmt) einen fast vollständigen Wahlsieg errungen. Denn sie hat sämmt« liche 7 zu wählende Repräsentanten mit mehr als s/s Majorität, und Don den 8 Stellvertretern 5 mit Majorität dvrchgebracht. Bon den noch übrigen, gewählten 3 Stellvertretern gehören 2»dem bisherigen Collegium an, und'obwohl dem juste-milieu ergeben, habest dieselben jederzeit in wichtigen Fragen mit der freisinnigen Richtung votirt. Nu?einen Kandidatin und zwar mij der geringsten Stimmenzahl hat die konservative Partei durchgesetzt. — Daß dieses Crgebniß nicht xin Werk des Zufalles sei, wie eS bei vorherrschendem JndifferentiSmu» sich wohl ereignen kann, beweist i der Wahlaufruf, welcher als Manifest der freisinnigen Partei die iLoosung der diesmaligen Wahlen genau bezeichnet: Die Err«altnng und Fortbildung der von Geiger geschaffenen ' Institutionen. > Die Synagogenangelegenheit steht mit Recht im Mittelpunkt . he» Gemeindeinteresses. Sie hat thatsächlich die Gemeinde auf die voll« Höhe ihrer Aufgabe im Innern und nach außen hin, ÄS Borort der religiösen Entwicklung der provinziellen Schwestergeweinde, erhoben. Daß eine so große, intelligente, und verhältvißmäßig vich wohlhabende Grinde mehr als ein ganzes Jahrhundert (ihr« Grsic.dung ist keinesfalls vor 1750 zu fetzen) ohne eigene Synag,g« bestehen konnte, ist eine in ihrer Art einzig dastehende CrschSnung hr de> Geschichte jüdischer Gemeinden. Die Gründe derselbe, sind in Urkunde angedeutet, welche bei der [' am 3l. Oktober *>. I. staMfundenen Grundsteinfeierlichkeit von den Gemeindebrhördeu vollzogen und in das Fundament de« Neubaues verschlossen worden ist. Auch in diese« amtlichen Aktenstück ist e« nicht unterlassen worden, die besondern Verdienste ausdrücklich hervvrzuheben, welche vr. Geiger während feine« Rabbinat« sich um die nuumehr verwirklichte Idee einer Gemeindefynagoge erworben hat. Man kann sagen, daß er diese Idee nicht bloß angeregt hat, sondern mit unermüdlichem Eifer bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund stellte und so in den G?müthern zur Reife brachte. Der Bau diese« monumentalen Werkenach der genialen Conception de« Baurath« Oppler schreitet rüstig vorwärts, wiewohl die Calamitäten de« letzten Sommermanche Verzögerungen verursacht haben. — Auf anderen Gebieten ist dagegen ein in den äußern Berhältniffea nicht begründeter Stillstand bemerkbar. Z. B. in der früher so regsamen Wirksamkeit de« „Vereinfür Verbreitung der Wissenschaft de- Judenthum«." Wiewohl dieser Verein ursprünglich in konservativem Terrain wurzelte, und sich theilweise mit Elementen de» jüdisch-theologischen Seminar» amalgamirte, so bemühte er sich doch, gleichsam ein neutrale- Gebiet für objektiv wissenschaftliche Bestrebungen abzugeben. Hierin wurde er nun vorzugsweise von den Vertretern der freisinnigen Richtung gefördert. In frühem.Jahren hielten vr. Geiger, Dr. Joel, Prof. M. A. 8evy zuweilen Boiträge, vr. Frankel und vr. Grätz haben sich niemals betheiligt, wie e« heißt, nicht au» principiellen Gründen. In diesem Jahre liegt der Verein brach und wir haben auch nicht» davon gehört, daß am 4. Januar die sonst übliche Mendelssohnfeier begangen werden wird. — , r. Hannover, 12. Dccember. Vor Kurzem hat sich der Landrabbiner vr. Meyer Hierselbst unter Berufung sowohl auf den allgemeinen Grundsatz der Gleichberechtigung, al» auch auf da« bisherige hannoversche Militärgesetz, welches ausdrücklich die jüdischen Seminaristen, Lehrer und Theologen vom Militärdienste befreit, an dahiesige Königl. preußische General-Gouvernement gewendet, um für die jüdischen Lehrer und Theologen in uuserm ehemaligen Königreiche diejenigen Erleichterungen in dem erwähnten Dienste zu erlangen, welche nach den in Preußen geltenden allgemeinen Vorschriften über die Militärpflicht den christlichen Lehrern und Theologen bewilligt sind. Erfreulicher Weise ist nun vom General-Gouvernement verfügt worden, daß die in § 4 der Bekanntmachung der Militär-Ersatz-Commission für den Bezirk de- ÄO. Armee-Corps enthaltene Begünstigung, nach welcher dienstpflichtige Candidaten des Elementarschulamtes, welche in Seminarien ausgebildet sind, ihrer Militärpflicht durch sechswöchige Dienstzeit bei einem Jnfanterie-Rcgimente genügen, im Allgemeinen, auch auf die jüdischen SchulamtScandidaten und Lehrer, welche in den vom Staate anerkannten jüdischen Seminarien und im Besonderen auch auf die, welche in^der hiesigen Bildungsanstalt für jüdische Lehrer ihre Ausbildung »halten haben, Anwendung finden soll. Auch sind die betreffenden Behörden mit der erforderlichen Anweisung beryj^ö versehen. Das hiesige jüdische Seminar ist demnach zu dem Range einer von dem Staate anerkannten Bildungsanstalt erhoben worden. Auf specicllen Antrag ist gleichzeitig verfügt', daß die nicht unerhebliche Anzahl jüdischer Seminaristen aus Kurhessen, welche hie hiesige Anstalt besuchen oder im Lqnde angestellt sind, auch hier ihrer Militärpflicht genügen können. Dqgegen ist eine Befreiung jüdischer Theologen vom Militärdienste für jetzt noch abgelehnt, weil eine solche in den alten Provinzen des preußischen Staatenicht stattfindrt und würde deshalb eintretenden Falleeine Verfolgung dieser Angelegenheit bef.dem Staatsministerium nothwendig sein. Indessen ist doch dem bisher auf dem jüdisch-theologischen Seminare zu r ' ' "

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