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Die Gegenwart · 1867-01-04 · 1 (4.1.1867) · p. Seite 2

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
1 (4.1.1867)
Date
1867-01-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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/ & Die OkgonMtt tmferer ausgesprochenen Tendenz Genüge geschieht, zurücktzrwiefm werden. So können wir hoffen, daß die „Gegenwart" ein gemeinsame» Arbeitsfeld für alle redlich nach Wahr« heit Strebenden fei» wird. r - Die Redaktion. k * Berlin, im December. Seit einiger Zeit ist an sehr verschiedenen Ecken und Enden unserer Gemeinde stark die Red'e von einem zu gründenden Rabbiner «Seminar, und wie abweichend van einander auch die religiösen und wissenschaftlichen Bedürfnisse sein mögen, auf die sich ein ähnlicher Ausblick richtet, und wie wenig Substanz an irgend einein Punkte von dieser Angelegenheit zur Zeit noch nachzuweisen ist, das Reden davon ist immerhin der voraufgehende Schatten eines künftigen Ereignisses. Die in vielen großen Gemeinden Deutschlandfast gleichzeitig fühlbar gewordenen Folgen vernachlässigter Rabbiner «Bildung lenken mit Recht die Aufmerksamkeit auf Abhülfe. Allein wie soll Abhülfe geschehen; wie soll ein Rabbiner-Seminar-entstehen? Soll es eine schaffende, gestaltende, bildende Instanz sein, oder etwabloß Geschaffenes, hervorgegangen aus einem Conglomerat zufällig in einandergerathener, oft sich! widerstrebender und widersprechender Richtungen und Wünsche?!Jm ersten Falle soll eS eine Herrschaft auSüben durch die Macht des ihm innewohnenden. Geistes; im zweiten Falle soll eS bestimmt werden durch etwas, was nicht in ihm selber ist. WaS ist daS Bessere, daS Gedeihlichere, daS Heilvoll«^? Wer an die Frage herangeht, mag ernsthaft darüber Nachdenken. Die Sache liegt auch heute anders als vor 20 Jahren. Bereits vorhandene derartige Institute geben der Betrachtung Unterlage und Anhaltspunkte. „Breslau", die von Metz nach Paris verlegte Anstalt und Püdua können bei einer solchen Betrachtung nicht ktznorirt werden. -Alles Vorhandene muß eine Lernstufe für Künftiges werden, und so wünschen wir denn jeder redlichen und einsichtigen Bemühung um diese Angelegenheit Glück. — , ~ Auch noch von einem andern .unabweiSlichen Bcdürfniß füp unsere Gemeinde — für jede größere Gemeinde — ist jüngst in einem engern Kreise lebhaft dieRede gewesen: von einer Gemeinde- Bibliothek. „Wer nicht liest, der lebt nicht", sagt Arndt. „Cr ist «sicht in der Welt, und ob er in den Himmel kommt, ist eine Frage." Ein Buch, sagt er ferner, ist eine Brücke, über den Strom der Zeit gebaut, wo wir alle Tage die vor hundert und tausend Jahren Gestorbenen zu uns Lebenden kommen und unter uns Lebenden wandeln sehen, als lebten sie noch. Ein Buch ist ein Band, um Alles, was liest, geschlungen; nnd es stiftet eine Lebensgemeinschaft,^so innig und umfassend zugleich, wie keine andere." / Ja wohl, ein Buch ist eine Brücke; ein Buch ist ein Band! Und wer bedürfte dieser Brücke über die Jahrhunderte, und dieses' Bande» durch alle Räume mehr, als wir Juden, wir, die Genossen aller Zeiten und die Insassen aller Räume? Haben wir — in diesem Sinn und Verständniß — heute noch, oder schon heute, für daS Buch, für daS jüdische Buch, für daS Buch über Judenthum und jüdische Angelegenheiten daS richtige Plätzchen und die richtige Werthschätzung? — Wo ist die Gemeindebibliothek, wo ist der öffentliche Büchertisch, an den jeder Lernlustige, Lernbedürstige herantreten und sich belehren kann? — Und wahrlich, jede große Gemeinde und namentlich die Berliner Gemeinde bietet für sich allein schon den Geist, verschiedener Jahrhunderte und die Eontingente der auSeinandergehendsten Bäu» dar, s« daß schon bi diesem abgegrenzten Uprkreise Buch, die Broschüre, die Schrift Überhaupt die schöne Bestim-jD »ung vollbringen kann, eine Brücke der Verständigung ju fr**!» zwischen Auffassung und Auffaffung und ein Band der Einigu i zwischen Lageo und Lager, wenn andervon allen Seiten gnte^ Wille und gerader, unbefangener Lernsiun an da» Buch herange. bracht wird. Darum möge bald eine wohlgeordnete, stattlic Gemeinde-Bibliothek in unserer Mitte erstehen und sie wird wal lich nicht die geringste-Ziude demonumentales Bauwerkes-sei . dadie Opferwilligkeit der Gemeinde aufgeführt, den fortdav« den Geistessegen ungerechnet. ’» - Möge die hier berührte Angelegenheit recht bald eine I t redtere Fürsprache finden, als ihr in der obigen kürzen Bem^' geworden. ' -\ 1 —p Berlin, 18. December. Die von verschiedenen Bl'/ ßt gebrachte Mtttheilung. daß der Vorstand der hiesigen }' .*• Gemeinde wegen Abänderung der für die Eidesleistung der in Preußen bestehenden Formen bei det Königlichen StaatSregi,- u vorstellig geworden fei, beruht auf einem Jrrthum. Wie wir gut unterrichteter Seite erfahren, sind eS die Art. 4 und 12 fr Verfassungsurkunde, welche den Gegenstand der an das Sto ,'j Ministerium gerichteten Vorstellung bilden, und ist dieselbe ledigl dahin gerichtet, daß der verfassungsmäßig feststehenden Gleich berechtigung aller Confefsionen in Preußen auch praktische Geltung verschafft und den jüdischen Preußen der ihnen bisher faftifd noch verschlossene Zugang zu den richterlichen, administrativen unl Lehrämtern endlich geöffnet werden möge. Eine Petition wegen Abänderung der Eidesformen soll : dem Vorgänge im Jahre 1860 deshalb nicht beliebt worden feint V weil in den damaligen Verhandlungen des Herrenhauses, vo^ 1 welchem der von der Königlichen EtaatSregierung eingebrach und von dem Abgeordnetenhause angenommene Gesetzentwurf abge! lehnt wurde, auf die bevorstehende Berathung einer neuen Proceß ordnung mit dem Bemerken hingewiesen worden ist, daß bei Gegenstand jedenfalls bis dahin zu vertagen sei. Diesem Einwurfl gegenüber soll eS für gerathen erachtet worden fein, zur Zeit di EideSfrage noch auf sich beruhen zu lassen und zunächst die woh in nicht ferner Aussicht stehenden Verhandlungen über den Ent Wurf einer neuen Prozeßordnung abzuwarten, der schon vo längerer Zeit von dem Justizministerium sämmtlichen Gericht! behörden zur Begutachtung vorgelegt worden ist und daher z legislativen Behandlung baldigst reif sein dürfte. ' So wäre eS denn wirllich 7' BreSlau, 19. December. wahr, daß in der großen „Sandwüste" jüdischer Intelligenz, wsi noch jüngst die erhitzte Phantasie der Gläubigen in farbenpräch^ tigen Luftspiegelungen da» neue Jerusalem sich erheben sah, er frischer Quell sichtbar lebendigen Wasser» zu sprudeln beginnt? Saf#ä der Sohn der vertriebenen GlaubenSmagd Vernunft, de. religiöse Gedanke, nicht eisisant verschmachten, sondern eine Oasi finden, wo et sich anbankn kann und dem von Engelszungen ih geweiffagten Beruf, jene „Wüste" einstens ganz zu beherrschen, sich widmen kann? Ja, eS ist dem so! Und ich bringe dem Kna> ben für seinen ersten Streifzug Pfeil und Bogen, sein künftige» Waffenzeug, zum Weihegesck'nk; und wi^ich seine klaren, feurigka, aber nicht schwärmerisch zerflossenen Augensterne, da» Erbtheil! seiner Mutter, betrachte, wiederhole ich den alten Segensspruch als Devise für seinen schweren LebenSgang: „Deine Hand wider Jedermann, und Jedermanns Händ, wider Dich"! — Denn ei' n heben des Kampfe», nicht träger «.uhe, sehe ich für ihn voran.» wenn er sich der Aufgabe gewachsen zeigen soll, die ihm da» G . ■«»

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