Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1933
- Issue
- 1933
- Article
- Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 32)
- Language
- German
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Die zehnjährige Tätigkeit der liberalen Synagoge Berlin I.Grundlage und Aufgaben. Unsere gottesdienstlichen Veranstaltungen wollen nichts anderes darstellen als einen Versuch, Bedürfnisse, Wünsche und Anregungen religiös interessierter Laien liberaler Dichtung, an denen mar. bishrr aciitlos vorüber gegangen ist, zu verwirklichen und Kleinarbeit für die Weckung und Fortpflanzung religiösen Geistes zu leisten. Im Kreise dieser Laien war seit Jahren bewußt oder unbewußt die Erkenntnis immer starker geworden, daß die Erneuerung des religiösen Lebens nicht so' sehr durch rcligions-wissenschaftliche Abhandlungen erfolgen könne als vielmehr durch Neu- und Andersgestaltung des öffentlichen und häuslichen Gottesdienstes. Unsere Arbeit wollte die praktischen Wege weisen und erproben, auf denen das gottesdienstliche Leben vom stereotypen Schema zu Ireier Gestaltung fortschreiten könne. Der Gottesdienst bleibt bewußt in der Richtung der historischen Linie. Er knüpft an Abraham Geigers Ideen an und sucht dort fortzufahren, wo nach seinem Tode die Entwicklung scheinbar zum Stillstand gekommen war. Er will eine Synthese des Gewordenen und des Werdenden schaffen, will aus beiden Quellen schöpfen, die unsere Religion nähren, aus dem rationellen und dem irrationalen Element. So will er die Seele des zumeist verstandesmäßig eingestellten modernen Menschen mit der kindlichen Gläubigkeit und dem mystischen Verbundensein unserer Alten zu erfüllen versuchen. Daher schaltet er alles aus, was vor unserem Gegenwartsbewußtsein nicht mehr bestehen kann, sucht aber altes religiöses Gut, das vordem im liberalen Gottesdienst wirkungslos blieb, wieder zu beleben. Das Hebräische — das „statische und irrationale" Element des Gottesdienstes — nimmt besonders dort, wo es im Musikalischen den seinem Inhalt adäquaten symbolischen Ausdruck lindet, weiter einen erheblichen Kaum cm. Es bleibt eine immer sich erneuernde Aufgabe, zwischen dem hebräischen und deutschen Geb-1 das rechte Verhältnis zu finden. Ebenso wenig fest ist das Verhältnis der Gemeinde zur geistigen Führung, des Laien zu Prediger und Predigt. Dem Laien soll ein möglichst weiter Kaum zur Betätigung gewährt sein. Fredigt ist das kurze, „undogmatische Wort" in der Muttersprache, durch das der Prediger in jedem Gottesdienste aufs neue die Brücke zu Geist und Gemüt seiner Gemeinde schlägt. Der Prediger hat die Freiheit, an die Stelle des freien Predigtwortes auch eine der Situation oder der Idee des Tages entsprechende Lesung irgendwelcher Art zu setzen. Seine Aufgabe ist umfassender und schwerer als sonst; aber er kann hier auch, unbeschwert von Vorurteilen, frei von jeder Schranke seine Kräfte der Bewegung M