Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1933
- Issue
- 1933
- Article
- Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 30)
- Language
- German
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Glieder einer sich bewußt gewordenen Gemeinschaft: auch das war etwas Neues, war eine schöpferische Tat. Denn es kommt in der Reformation geistiger Objekte nicht bloß auf das an. was man sagt und lehrt, sondern wie man es sagt, auf den persönlichen Charakter voller Zielbewufitheil und Energie, der jedes Wort durchdringt und seine Mitarbeiter mit derselben leidenschaftlichen Kraft erfüllt. Dabei genügt es nicht, daß man vorschreibt, wie die Dinge geschehen sollen und umzugestalten sind: man muß selbst Hand ans Werk legen und tun, was man sagt. Das tatenlose Worte bewegt die Dinge nicht von der Stelle. (Vgl. Kuno Fischer, Lessing als Reformator der deutschen Dichtung.) So gesehen war Hermann Falkenberg von Anfang an Schopfer und Träger der religiös-liberalen Bewegung, soweit sie sich in unserer Gemeinschaft manifestierte. Die Wesensart dieses Mannes verbietet |edes lobende Wort. Aber ein gewissenhafter Chronist muß in ihm die tragende Säule des zehnjährigen Baues leiern. Jeder Einsichtige, der mit jüdischen Dingen vertraut ist und mit ihnen /u tun hat. weiß, wie groß das Heer der Schwierigkeiten gewesen sein muß. das in solcher Situation zu besiegen war. ehe in dem steinigen Hoden des Nordens gepflanzt werden konnte. Fulkcnbcrg ist ein Eifriger und ein Eifernder. Einem so ckaiukterlich Fundierten erwuchsen auch Hemmungen in nicht geringer Zahf, und es war einem fanatisch an seine Sendung Glaubenden zuweilen nicht immer leicht, gewisse Vorurteile zu unterdrücken und die befreiende Synthese zu linden. Virtuosität und Einseitigkeit bedingen einander. Schließlich jedoch siegte bei diesem in jedem Betracht, Erprobten eine ideal-selbstlose Hingabe und echte Herzensfrömmigkeit über alle persönlichen und sachlichen Widerstände. Als Herz- und Kernstück des neuen Ritus sollte ciiv Laienpredigt dienen. Sehr bald stellte sich jedoch heraus, daß — bei aller \\ Ürdigung der Leistungen der selbstlos diesem schönen Ziel dienenden Mitglieder — die Predigten nicht immer befriedigten und «l;is Weiterbestehen dieser Einrichtung zu einer schweren inneren Krise hätte führen müssen. (VfJ. Heft I i!4.) Da führte die Berufung des Heim Rabbiner Dr. Salomonski nach Berlin und seine Gewinnung für unsere Sache eine glückliche Wendung herbei. Mehr noch: Herr Dr. Salomonski gewann sehr bald uns und sc hul eist den li sten Stamm der jungen Gemeinschaft. Durch hingebungsvollen Fleiß, durch klui;e Umsicht wirkte er von Anfang an anregend, anfeuernd und belebend. Als er nac h wenigen Jahren als v'-emeinderabbiner in einen wesentlich erweiterten Wirkungskreis gestellt winde, stand seine wertvolle Kraft uns leider nur noch selten zur Verfügung. Doch blieb er der Freund unserer Sache, für die ei unbestritten Entscheidendes geleistet hat. Seine Nachfolger waten eine Reihe junger Kandidaten, die in löblichem Eiter und tüchtigen Leistungen die ihnen gebotene Lehrkanzel zu fortschreitender Vervollkommnung benutzten. Die Herren Dr. Andorn und