Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1933
- Issue
- 1933
- Article
- Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 28)
- Language
- German
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ist innere Form" schreibt ein Wortführer der jungen Generation, man denke nur an moderne Plastik, wo auch die beherrschende Form ganz das Detail verdrängt, an die Vorliebe für Musik. Selbst am Philosophen lockt die Reinheit der gedanklichen Form, der klare Aufbau seines Systems. Das bestimmt denn auch die Hallung zur Religion. Was man an ihr bewundert, ist nicht mehr das rein Gedanklich-Inhaltliche (Ethik!), sondern auch wieder Ausdruck und Form, die Bräuche und Dome. Diese Formfreude scheint eine neue Epoche der Kirchlichkeit zu begründen. Schon hinge war nicht so viel äußeres Leben in den Religionen, so viel „Betrieb" und „Aktualität", vor der der protestantische Theologe Harth kürzlich in seiner kleinen Schrift „Theologische Existenz heute" so dringend warnte. Kein Zufall, wenn gerade in dieser Zeit der psychotherapeutisch geschulte Seelsorger auftritt, wenn Plakat, propagandistischer Pressedienst und Vcrsammlungsorganisation in den Dienst des Glaubens gestellt werden. Hrer zeigt sich aber auch die andere Seite dieser neuen Kirchlichkeit. Denn unsere Zeit hat auch außerhalb des rein religiösen Lebens einen neuen Stil der Massenfeiern gefunden. Die säkularisierte Religion ist tatsächlich kein Buchprodukt, sondern Wahrheit in den Massenversammlungen, die wie neue Gottesdienste wirken, mit Festrede als Predigt, mit Liedern, die andachtsvoll gesungen werden wie Choräle. Die Aufgabe religiösen Judentums in dieser Zeit ist, diese Lage zu kennen und ihre Forderung zu verstehen. Das alte Judentum hatte seine lebendige Form in dem Gesetz, das allem Leben Inhalt und Gestalt gab. Neben dem unmittelbaren Gotteserleben des Profeten stand von Anfang an der Priester und der Gesetzeslehrer. Heute wird von jüdischer Religion die Form erwartet, in die sich so viel heimatlose Religiosität gießen will. Gerade von der Jugend kommt heute dieser Ruf aus doppeltem Bedürfnis. Allerdings kann es sich nur um Formen handeln, die schön und sinnvoll sind. Sie sind ja in Menge vorhanden. Aber religiöse Formen sind ja die festesten und bestehen fort, nachdem sie schon längst ihren ursprünglichen Sinn oft verloren haben. Selbst dann sind sie noch manchem Freude und Glück. Wenn sie aber sinnleer geworden sind, oder wenn für neue Bedürfnisse nichts vorhanden ist, dann müssen Formen organisch, d. h. aus allgemeinem Erleben heraus weiterentwickelt oder neu geschaffen werden. Um die Aktivität des Einzelnen wieder möglich zu machen, wurde die (schon bewährte) neue Form des Gottesdienstes der Jugend geschaffen. Wenn allerdings zuweilen behauptet wird, solche neugeschaffene Form, aus einmaligem Erleben geboren, könne nicht wiederholt werden, so zeugt dieser individualistische Standpunkt ' von einen» völligen Verkennen des Sinnes der religiösen Formen, die gerade um der Gemeinschaft und der Wieder begegnung mit dem Göttlichen willen da sind. Auf manches Wertvolle aus altem Besitz kann mit Erfolg zurückgegriffen werden, wie der Selichotgottesdienst in neuer Gestalt in der Liberalen Synagoge .*>