Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1933
- Issue
- 1933
- Article
- Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 27)
- Language
- German
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unser jüdisches Zusammenleben Gemeinschaft und nicht nur Zweckvereinigung sein, so leistet die Religion den wichtigsten Beitrag zu unserem Leben, wenn sie dieser Gemeinschaft ein Gesicht, eigentümliche, sprechende Züge zu geben vermag. Die Mehrzahl der Menschen hat außerdem nicht die Kraft zu profetischem Goücfcerlcbnis, zu gewaltiger Schau und den Willen zur Begegnung. Die meisten kommen erst durch die Religion zur Religiosität, d. h. die in der Kindheit gesehene und geübte Form ließ zuerst die unbekannte Saite klingen, die dann immer weiter tönte. Junge Menschen aber brauchen vor allem Symbole, um ein Erleben daran zu knüpfen. Und so olt gilt ihr Nein nicht etwa der Form als Form, sondern nur ihrer Ausschließlichkeit ohne die schwere Fülle der Bedeutung. Junge Menschen protestieren so häufig im Namen des besser verstandenen Judentums. Sie gehen den Weg, auf dem ihnen alle folgen, denen es ernst ist: Vom Synagogentuni zum Judentum. Zwei Stadien zeigt hier die Entwicklung jugendlicher Haltung zur Form in den letzten fünfzehn Jahren. Georg Sitnmcl sieht als geistiges Merkmal der Zeit nach «lein Kriege den Kamp! gegen die Form schlechthin. Nur «las Leben und Erleben stand im Mittelpunkt der Weltbetrachtung. Aus dieser Einstellung heraus sagte man. daß die Forirr die Religiosität ersticke, denn Religiosil it sei innere Haltung und brauc he keine Form. Vor .diesem rein individualistischen Standpunkt bewahrt die Gemeinschaft, die heute die Losung der Jugend ist Buber, so olt ErWecker und Spieeher der neuen jüdischen Jugend, protestiert mit Reiht gegen das ..Gottschwätzertum". das aus dem Göttlichen nur ein „Erlebnis" machen will, aber keine aus innerstem Zwanyc gelebte Wirklichkeit. Doch diese Verneinung der Form wandelte sich Durch die erschöpfte Geistigkeit nach dein Kriege entwickelte sich die Sachlichkeit als Vorläufer einer neuen Formgesinnung. Sie bedeutete mit ihrem Halt an das Reale das Suchen nach einer neuen testen Grundlage. Durch das Anfangenwollen kam man aul die erste Tatsache menschlichen Seins, das Blut, l'nd schon hier zeigt sich, daß es ein gläubiger Realismus war» wie Ii II ich es formuliert hat. keine tote Sachgesinnung, wie es literatenhaftem Unverstand erscheinen konnte. Das Gefühl w-,r durchaus beteiligt, wenn man curückgrifl auf die Unterordnung der Person unter die Sache, wie sie nur dem Mittelalter zuvor so selbstverständlich gewesen ist. F.s ist romantische Wiederbelebung vergangener Werte, aber zugleich das immer jugendliche Dienen-wollen einer ganzen Generation, die sich betont |unendlich fühlt, wie es in den charakteristischen Typen unserer Zeit sich darstellt, im Sports mann, im politischen Gruppenmensch, im Wissenschaftler, l'nd es geht nicht nur um die Sache, sondern vor allem um die form. Denn alles ist in dieser neuen Betrachtungsweise Form: Der Gcncrationswandel ist ein Formenwandel, weil das Wesen einer Gene ration ihre Form ist. Die Form einer Seele ist wichtiger als ihr Inhalt. Deshalb ist Haltung ein so oft gebrauchtes Wort. ..Kultur 2B