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Die Gemeinschaft · 1933-01-01 · 1933 · p. Seite 28

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1933
Issue
1933
Article
Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
Date
1933-01-01
Page
Seite 28 (sequence 26)
Language
German
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so ist im eigentlichen die Jugend gemeint. Die jungen Menschen sind Suchende ihrem Wesen nach und sind dadurch heute Sinnbilder des Juden überhaupt. Dies Judescin empfinden sie alle unter dem Druck einer harten Wirklichkeit. Aber sie empfinden nur das Eine, Vordringlichste daran: Sic sind nur politisch, nur wegen ihrer Abstammung bewußte Juden. Und hier liegt die große (iefahr einer Wcscnsfälschung jüdischen Erlebens, die jeden religiösen Juden anseht. Aber trotz des äußeren Anscheins ist der (»rund hierfür nicht eine Krise der Religiosität. Alle Elemente religiösen Lebens sind auch beute vorbanden, wenn auch nicht in altgewohnter Gestalt. Wenn Religion, wie Bacck einmal formulierte, Sinn für das Geheimnis ist. so lebt der Gott gerade in dieser Zeit, die dem Irrationalen. Mythos und Mystik wieder nahe gekommen ist. Der im Gewühl der großen Städte vereinsamte Mensch drängt aus tiefstem. Verlangen zu Anschluß und Gemeinschaft. Denn, Herr, die großen Städte sind Verlorene und Aufgelöste . . . (Rilke). Zu all dem kommt nur folgerichtig der neue Anhetungswille.;>us Ideal des Heroismus. Ks liegt also keine Krise der Religiosität vor, sondern eine Krise der Form, des Kultes. Gerade heute hört man olt das Wort über die Religionen als Feind der Religion. Bei der Jugend sind die Gründe für diese Einstellung zunächst die eigentlich jugendlichen Phänomene. Der anerzogene Kindlu'itsglaube bricht zusammen, wenn der junge Mensch selbst eine neue Einstellung zum Religiösen sucht, dessen Stimme er in sich vernimmt. Ferner die Scheu, dem Innersten Ausdruck zu geben. Alles Kultische, alle Form aber ist Ausdruck und wird darum verworfen. Freilich spricht noch das Besondere des Augenblicks mit, Denn es sind gerade die Abseitigen, deren Seele leichter und tiefer zu schwingen vermag, wenn ein Neues sie anrührt. Sic erleben den inneren Wandel zuerst, aber die Stillen im Lande predigen nicht. Ihnen bleibt die Form sekundär. Ks gibt solche I ielreligiöse, die die Form entbehren können, so wie es träge Unreligiöse gibt, die trotzdem die Form bewahren. Aber das sind l.inzelne. nie die^ Mehrheit, die Masse. Die jüdische Kultlorni verkörpert zwei Grundgedanken in (lebet und Gottesdienst: Gott und Gemeinschalt. Dies zeigt sich in seiner unlöslichen El lebnisverhundenheit in dem so geläufigen ..Gott unserer Väter". Diese beiden Gedanken haben unmitteL bare Lebenswichtigkeil lür das jüdische Schicksal. Wurden sie Verneint, so bedeutete d.is immer wirklic he Gefahr. Durch Götzendienst ging der erste Tempel zugrunde, durch Zwietracht der zweite. Der wesentliche Wert aller religiösen Form licg^darin, daß sie die Sicherheil für die immer mögliche Begegnung mit dem Göttlichen gibt. Religiosität ohne Form lührt lerner nie zur Gemeinschaft, denn diese braucht Formen. Und hier liegt die aktuelle Bedeutung religiöser Form im heutigen Judentum: Soll 28 .'• .

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