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Die Gemeinschaft · 1933-01-01 · 1933 · p. Seite 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1933
Issue
1933
Article
Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
Date
1933-01-01
Page
Seite 26 (sequence 24)
Language
German
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Sondergottesdienste Warum suchen wir nach besonderen Gelegenheiten, um unsere Mitglieder in die Synagoge zu bringen? Man kann sich der Tatsache nicht verschließen, daß die Teilnahme am Gottesdienste eine so äußerliche geworden war, daß dabei von einem Dienste an einer heiligen Sache nicht mehr die Rede sein konnte. Man ging zum Gottesdienste nicht aus einer inneren Stimmung heraus, sondern rein gewohnheitsmäßig, kalendermäßig und erwartete alles von dein bloßen Hingehen, von der bloßen Anwesenheit im Gotteshausc. Man kam aus einer religionsfernen, um nicht zu sagen religionsfeindlichcn Umgebung und glaubte im Handumdrehen zurück finden zu können in etwas, was man längst verloren hatte, eine unbestimmte Sehnsucht zu stillen, deren Ziel man nicht mehr kannte, und die deshalb unmöglich befriedigt werden konnte. Denn der. den man berufen hatte, diese Aufgabe zu lösen, der Prediger, erfaßte die Seelen nicht, weil er ihren unter sich so grundverschiedenen Lcbcnsgcwohnhciten so fern stand, um ihnen in wenigen Minuten zu einer Befriedigung ihrer Sehnsucht zu verhelfen, der er sein, ihnen vielleicht recht fremdes Ziel aufdrängen mußte. Und die Gebete waren noch weniger imstande, der Sehnsucht zu genügen: denn ihre Sprache verstanden sie nicht. Nur die alten Melodien vielleicht weckten noch bisweilen Erinnerungen und Gefühle, die man als religiös ansprechen konnte, die aber zu vage waren, um bleibende Werte in der Seele zu schaffen, die Taten auszulösen imstande gewesen wären (vgl. Heft .5 Seite 8 f.). Unsere Aufgabe sollte also sein, durch besondere Veranstaltungen die Menschen empfänglicher zu machen für den heiligen Inhalt dessen, was das Gotteshaus zu bieten vermag. Wenn wir auch auf dem Standpunkte stehen, daß wir den hebräischen Urtixt der Bibel und die hebräischen Gebete als den gleichsam siegelhaften, einmaligen, nur zu erläuternden, aber nicht einwandfrei wiederzugebenden Ausdruck unserer Religion nicht entbehren können, so brauchen doch unsere heutigen Juden, die man die Sprache der Väter in ausreichendem Maße nicht mehr gelehrt hat, einen deutlichen und klaren ständigen Wegweiser, damit sie linden, was sie suchen (vgl. Heft 6 Seite S ff.). Sie brauchen vor allen Festen eine Vorbereitung über die geschichtliche und religiöse Bedeutung, sie müssen gerufen werden zu Gedenktagen, deren Sinn ihnen abhanden gekommen ist, sie sollen überhaupt Gelegenheit linden, verlorene Werte wieder in sich zu entdecken und neue Wege zu bahnen zur Betätigung in Haus und Gemeinde (vgl. Heft 7 Seite (> ff.). Ein solcher Vorbereitungsdienst hat seinen Platz vor allem am I. Nissan für Pessarh und am I. Selichot-Tagc für die Hcrbstfeiertage. Als Gedenktage in dem angedeuteten Sinne kommen in Betracht: der 9. Ab, Chanuka und Purin). 2«.

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