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Die Gemeinschaft · 1933-01-01 · 1933 · p. Seite 25

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1933
Issue
1933
Article
Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
Date
1933-01-01
Page
Seite 25 (sequence 23)
Language
German
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wird, und wir wollen hierbei daran denken, daß die jugendlichen Vorläufer der Propheten sich durch Musik wecken ließen. Ks muß nicht immer der Klang der Harmonie.'es kann auch die Dissonanz des Schmerzes sein. Wenn der Prediger vor eine Aufgabe von Größe gestellt wird und sich mit der Materie im Stillen beschäftigt, dann braucht er oft viele Stunden und wiederum manchmal nur eine Minute, um seiner Seele den wundersamen Born und die .Fälle entcpiillcn zu lassen, die die richtige und einzige Losung des ihm aulerlegten Themas oder Gegenstandes gewähren. War es dann ganz gut. dann war es nicht sein Gut, dann stammten die Ideen und Hingebungen und ihr Gewand nicht allein aus seinem Selbst, sondern die Intuition, der Ruach war daran beteiligt. Da her kommt es auch, daß die wirklichen Prediger mit Scheu und Bangen, die bis zum (irade der V erzagtheit gehen, aber nicht mit dem selbstbewußten Besitz des absolut Fertigen und Präparierten auf die Kanzel treten, daß ihre Leistung sie außerordentlich erschöpft, aber daß zu ihrer Genugtuung ein Teil dwseelischen Hingabe auf die Gemeinde übergeht. So weit das Wesen der modernen Predigt; von ihrem Wege bleibt noch hinzuzufügen, daß sie sich getrost immer weitere Gebiete des gesamten Lebens binzugesellen darf. Je lebensei Itter, je lebensnäher sie ist. desto besser wird sie sein. Je theoretischer sie sich verhält, je mehr Philosophie oder Sophistik. verbunden mit abwiegender Berechnung ihr anhalten, desto ferner steht sie der Fassungskraft und dem Niveau der Gebildeten und der Naiven. Nur darf die Predigt nicht der Versuchung unterliegen, zur Niedrigkeit oder zur Sensation zu schreiten und den Fragen des Tages oder gar der Politik den Hauptplatz einzuräumen Was sie verantwortlich betrachtet oder nur berührt, das muß sub specie aeternitatis gedacht und gesagt sein. Dann wird die jüdische Predigt der Gegenwart sich nicht in Maniriertheit oder Gesuchtheit bewegen und keine Trümpfe herausholen wollen, die. wenn man es recht erkennt. Jonglieren oder Seiltänzerei sind, sondern der Kinfachheit und Überzeugung dienen wollen, weil diese höchste Kunst der Wahrheit am nächsten steht. Dem Prediger darf es nicht darauf ankommen, den Fanatismus zu begünstigen oder die Tränen derjenigen hervorzurufen, die sie immer leicht zur Verfügung haben: „Kr wisse immer, vor wem er steht!" dann bleibt ihm Anmaßung und Falschheit Inn Kr besitzt noch immer ein großes Recht und ein hämmerndes Muß: Das ungeheuer drängende Element in ihm. das er mit seiner Seele eingesogen, und das aus höherer Sphäre stammt und ihn aus aller Nüchternheit heraushebt, ihn von Verstandeskühle und der Kiscskältc frieren machender Oberlogik befreit, bleibt sein Im- Ciuls. Auf diesem Weg entsteht das Wesenhalte der jüdischen 'redigt und bleibt bestehen, weil eine solche Art im wahrsten Sinne überliefert wurde und traditionell bleiben midi. Martin Saloinonski. 25

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