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Die Gemeinschaft · 1933-01-01 · 1933 · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1933
Issue
1933
Article
Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
Date
1933-01-01
Page
Seite 24 (sequence 22)
Language
German
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und echter seien, als eine mit wahren Farben handgezierte Wand. S<> dürfte es der Predigt nicht ergehen! Die Illusion — selbst beim Theater und heim Film — muß doch darin gipfeln, daß die Imitation oder Reproduktion Wirklichkeit sei. Und wie viel mehr gilt die Förderung nach Echtheit und Ursprünglichkeit von der Predigt! Weit wichtiger als ein Entwurf, der manchmal von unendlichem Heiß zeugt und sogar echte seelische Einführung vertaten kann, ist «las Diktat von oben. Ihm muß gehorcht werden, und im (ielühl. im Übcrzcugtscin, tlaß er ein Werkzeug ist. hat der Prediger vor seine Gemeinde zu treten. Wir kennen und hören die bequemen und sogar verächtlichen Zurufe und Einwürfe, daß die Flüchtigkeit, daß die banale und liachc Art aul diesem Wege begünstigt würden. Kann sein, muß muß aber nicht sein' Sicherlich gibt es Prediger, die in der Vcr- Icgenheit und der Erregung des Kanzelbannes entgleisen und verllachen. Wer aber der Wahrheit folgend bei sich selbst anfragt, welche Rede von vielen ihm je am besten gelungen ist. der wird sagen: Ks war die Ireie. improvisierte! Zum (llück gibt es einen Zwang, der den jüdischen Prediger davor behütet, unvorbereitet vor seine Gemeinde zu treten und der ihn doch, wenn er ein Mann der Rede ist — und diese Gabe kann nicht erlernt werden — zu seiner Gemeinde und für sie und aus ihr heraus sprechen laßt. F.r durchforsche in Ehrfurcht und eifrig das Wort der Schrift, weil sie überall in ihrer Klarheit und Reinheit, in ihrer Heiligkeit, in ihrer Vielseitigkeit, in einem Satz, in einem Wort i;nd sogar in e i n c m Buchstaben das beste Thema und die klarste Disposition lür seine Rede gewährt. Wenn der Prediger das Schriftwort zur Grundläge seiner Ausführungen nimmt, dann Hießt ihm im Schwünge seiner Rede ein lebendiger Strom von Anregungen, eine feurige Glut .von Wendungen zu. die am Schreibtisch nie konzipiert und nicht geboren werden können. Wie ist denn die Situation des Predigers in unseren Tagen? F.r tritt einer erwartungsvollen, mit Weh und Sehnsucht beladenen Gemeinde gegenüber, die seinen Worten lauschen will und an seinen Tippen hangt. Ihr kann er entweder sehr viel geben oder noch mehr nehmen. Dieses Bewußtsein, diese Verantwortung, der Anblick der ernsten und feierlich gestimmten Gemeinde erregen und packen ihn machtvoll und gewaltig und können eine Leistung erzeugen, durch die er als Diener einer höheren Macht wirkt und vollbringt, was aul dem Wege der Übung und der Vorbereitung undenkbar scheint. Man glaube aber nicht, daß das Packen der Menge von der Stimmstärke abhängt und daß das Organ oder die Erregung ausschließliche Erfolgsfaktoren sind. Das biblische Zitat: „Nicht im Feuer ist der F.wige. sondern nach dem Feuer, in der zarten und sanften Stimme!" gehört hierher. Wir kommen bei einer solchen Betrachtung jenem geheimnisvollen Begriff näher, der in der Schrift der Ruach genannt _M

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