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Die Gemeinschaft · 1933-01-01 · 1933 · p. Seite 23

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1933
Issue
1933
Article
Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
Date
1933-01-01
Page
Seite 23 (sequence 21)
Language
German
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Wesen und Weg der modernen Predigt Wer überzeugt ist, daß es auch in geistigen Dingen eine Entwicklung gibt, der wird der religiösen Rede Möglichkeit und Notwendigkeit der Veränderung zugestehen. Es gibt Zeiten von langer Dauer, in denen Stabilität und Gleichmaß aller Erscheinungsformen des Lebens gelten, aber diese werden urplötzlich durch Wandlungen abgelöst, die neue Ideale. Wünsche und eine abweichende Praxis auch im Glaubensleben verlangen und durchsetzen. Eine solche Epoche hat mit dem Weltkriege begonnen, und wenn auch neunzehn Jahre für den vorgezeichneten, aber noch nicht zu überblickenden Weg der Menschheit wenig sagen, so kann doch schon eine wesentliche Umgestaltung im seelischen Verehr und darum auch in der modernen Predigt festgestellt weraen. Früher lag ihr im allgemeinen und auch im jüdischen Kreise die ausgearbeitete und getreue, zum Vortrag gebrachte Rede zugrunde, die den Schriftgedanken auslegt. Dali der Text der Schrift den Ausgangspunkt, den Mittelpunkt und das Ziel der Predigt bis zum Grade der Beherrschung auch jetzt und fürder darstellt, soll auch hier deutlich betont werden. Verändert hat sich jedoch der Inhaltsbczirk. der früher sehr begrenzt war; geschwunden ist die Absolutheit des religiösen Stoffes. Wohl hat es zu allen Zeiten Prediger gegeben, die dieses Ge.- biet erweiterten, Art und Inhalt zu verweltlichen suchten, vielleicht sogar darin zu weit gingen. Aber erst seit dem Kriege sind diese Ausnahmen zu einer Forderung geworden, die in Berlin durch Hermann Falkenberg in der von ihm gegründeten Liberalen Synagoge Norden entwickelt wurde. In seinem Gottesdienst der Beweglichkeit und der aktiven Anteilnahme mußte auch die Predigt dazu übergehen, ein lebendiges Erzeugnis zu sein und in das Fluidum einzudringen, welches die Gemeinde und ihre Psyche und der im Augenblick geschaffene Kontakt gewähren. Wenn die Predigt freier wird, dann ist es um so nötiger zu beachten, daß ihr der Wohllaut präparierter Rede nicht veikleinen sei oder gar fehle. Wer sich in Bescheidenheit und Demut besinnt, daß die ersten jüdischen Prediger unsere Propheten waren und daß bei allem Abstand von diesen großen Meistern ein Hauch ihres Wesens in uns wiederkehren soll, dem erscheint allerdings die Vorstellung undenkbar: Die Propheten könnten ihr Konzept vortragen, und der Prediger müsse am Schreibtisch Festgelegtes und wohl Einstudiertes wiedergeben. Das ist so, wie mit den Papiertapeten an den Zimmerwänden. Ursprünglich bat man diese von Künstlerhand bemalen lassen, und die Muster, Blätter. Blüten waren Fastnatur. Als dann ein solcher Schmuck modern wurde, hat man bedruckte Rollen auf den Mörtel geklebt und damit den Eindruck der Malerei vorgetäuscht. Schließlich glaubt man heute, daß bedruckte Stoffe, ob aus Seide oder Papier, besser Z»

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