Mannheim
Compact Memory

Die Gemeinschaft · 1933-01-01 · 1933 · p. Seite 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1933
Issue
1933
Article
Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
Date
1933-01-01
Page
Seite 21 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal additional
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4889559-5436043-5436073--336-4889873
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gestaltung des Gottesdienstes als Ganzes und den vielen Einzel- Gcbeten noch genügend Arbeit für wirkliche „systematische" Reform". Gerade wer wie ich unbedingt dafür eintritt, daß der Gottesdienst in seiner grundsätzlichen traditionellen Gestaltung aufrechtzuerhalten ist. und wer das Hebräische als Kernsprache des Gottesdienstes beizubehalten wünscht, hat noch auf dieser Grundlage viele W ünsche, die dazu führen sollen, auch den Einzelnen in ein mehr inneres Verhältnis zum Gottesdienst zu bringen. Ich will hier für vieles andere nur dreierlei besprechen: 1. Die Vermeidung von Wiederholungen! Ks ist unmöglich, daß dasselbe Gehet — Wenige Zeilen des Bekenntnisses vielleicht, ausgenommen — in einem Zeitraum von wenigen Stunden mehr als einmal mit Andacht gesprochen werden kann (z. U. die Tcfilla nur einmal, etwa im Mussal-Gebet). Ganz besonders gilt dies aber für die Hauptfeiertage. Die häufigen Wiederholungen selbst der innigsten und tiefsinnigsten Gebete am Neujahrs- und Vcrsühnungstag müssen ausgemerzt werden. Der Schatz unseres Gebetbuches ist so gewaltig, daß dafür genügend Ersatz geschaffen werden kann. Das Sündcnhckcnntnis. das wundervolle ki anu amcha, die I i Midot und viele andere dürfen nicht ofl wiederholt werden. Hier muß und kann ohne große Schwierigkeiten eine Neu Ordnung eintreten. 2. Der nächste Punkt betrifft die Krage des deutschen Teils des Gottesdienstes. Hier hat die Orgel-Synagoge den Anl.tn:: gemacht, aber nach meinem Dal in halten an fälschet Stelle. Wenn z. B. in dem kurzen Abendgebet der Leiter zweimal den Kluß des Gebetes Unterbricht, so ist damit nichts gcWonnen. Ebenso war es ganz verfehlt, das einzige Rcsponsen-Gebcl am Freitagabend zugunsten einer bloßen Übersetzung zurückzudrängen, die der Rabbiner spricht und die nichts bedeutet, sowie die freien Gebete des Leiters des Gottesdienstes zu Beginn des Sabbats und dci Feste. Völlig zurückgetreten in unsernt gottesdienstlichen Gebet sind die Psalmen. Gerade sie eignen sich, wie wenige, zum deutschen Vortrag, aber wirklich zum Vortrag, nicht.hlos zum Herunterlesen. In jedem Morgengehet am Sahbat und an den festlagen sollte mindestens ein Psalm Vorgetragen weiden. Stall der unendlichen Wiederholungen am Ycrsohnuni.'st.i',' sollten die beiden großartigsten Psalmen. 103 und 104, auc h deutsch, vorgetragen werden. Derartige nute Vorträge erheben nicht nur augenblicklieh, sondern zeigen denen, die nullt genügend mit der Bibel Vertraut sind, einen Wey zu den tiefsten (Juc.llcn des Judentums 3. Endlich ein Letztes, mein „Gctcrum ccitsco', die Tora- Vorlesung. Keine Orgel-Synagoge hat sich bishci wirklich zu dem Grundsatz durchgerungen, der nach meinem Dafürhalten oberstes Gesetz jeder gottesdienstlichen Wahrheit sein sollte: „Was nicht deutsch vorgetragen werden könnte, darl auch nicht hebräisch vorgetragen werden." Es ist unmöglich, heute noch das ganze Dritte Buc h Moses mit den unzähligen Wiederholungen der Opfergesetze vorzutrauen. Es geschieht dies zweifellos sowohl in 21

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.