Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1933
- Issue
- 1933
- Article
- Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 18)
- Language
- German
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wahren, daß selbst der. der das Gebet auswendig kennt, nicht Zeit hat mitzukommen. Dies führt zu einer der allcrwesentlichsten :Fragcn. die schon den Obergang zum individuellen Gebet enthalten. Das ist die Frage der Millen Gebete. Mir behalt der englische Rcformeottesdienst nicht in allen Punkten; in einem aber ist er vorbildlich, in dem Kaum, den er dem stillen Gebet gibt. Auch hier finden wir wieder eine bedauerliche Obstruktion der gottesdienstlichcri Funktionäre. Selbst bei <len hohen Feiertagen, in denen lür alle ausgiebige Zeit lür den Gottesdienst vorhanden sein sollte, wird selbst bei der stillen Mussaf-Tclilla kaum soviel Zeit gelassen, daß man zur Besinnung, geschweige denn zum intensiven Beten kommt. Es ist aber tausendmal richtiger, daß hier ein KUhepunkl und eine f'berlegung ermöglicht wird, als daß nachher Vorbctcr und Chor Zeit linden, um die Musikstücke mit der rötiget)' musikalischen Ausdehnung vorzutragen. Gerade wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, selbst ausgebildeter Sänger und seit über vierzig Jahren aktiver Musiker ist. empfindet den Unterschied zwischen Konzert und Gottesdienst und will ihn fühlen. Wenn er im Konzertsaal ist. will er nicht beten, und wenn er in dir Synagoge ist. soll die Musik nur untermalen, aber nicht Selbstzweck sein Wie mai hen wir also aus dem liberalen Gottesdienst wenigstens wieder zum Teil einen Gemeindegottesdienst? Die Schaffung deutscher Gcmcindcgesängc wäre ein großer (ilückswurf, mit dem man aber nicht rechnen kann. Der Versuch des liberalen (Cultusauschusses des Preußischen Landesverbandes, wirklich populäre leicht singbare und doch nicht Ijivialc deutsche Lieder zu schaffen) scheiterte sowohl an den I exten wie an den Kompositionen. Nur ganz verschwindend wenig wertvolle Teste sind vorhanden, und von den Kompositionen sind die musikalisch wertvollen Kunstgesänge, die die Gemeinde nicht singen kann, und die populären Gesänge sind vielfach uisi.il. Und-dennoch müßte der Versuch gemacht werden, .iiih hier mehr zu schaffen. Diese deutschen Gcmcindcgcsänge können aber stets nur Ersatz sein. Fs muß Aulgabc gerade der kleineren liberalen Gemeinden sein. ihre. Mitglieder zu gemeinsamem Beten zu erziehen. Dazu gehört zweierlei, das nicht leicht zu erzielen, aber nicht unmöglich ist: Fine Kenntnis des Inhalts der Gesänge, selbst wenn nicht jedes Wort übersetzt weiden kann, und die praktische Übung im gemeinsamen Singen. Hier sollte energische Reform einsetzen Die Synagogenvercine sollten Gcn.einsi haltskuisilür ihre Mitglieder einric hten, und die Synagogemlii igenten sollten taten und hellen. Dann würde auch der äußere Kontakt mit der Gemeinde sich in einen inneren verwandeln. __ Bm ii h im vorstehenden vom konservativen Gottesdienst ausgegangen, dem man sich, natürlich mit den nötigen Einschränkungen, w ieder annähern sollte, so ist andererseits an der äußeren .1)