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Die Gemeinschaft · 1933-01-01 · 1933 · p. Seite 19

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1933
Issue
1933
Article
Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
Date
1933-01-01
Page
Seite 19 (sequence 17)
Language
German
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sprechen, weder beim altüberlieferten nuch beim religiös-liberalen Gottesdienst. Der altüberlieferte Gottesdienst hat den ungeheuren Vorteil, ein wirklicher Gcmcinschaftsgottcsdienst zu sein. Oer überwäligendc Ivndruck der betenden Gemeinde und des Gcineinschaftscrlebnis ist so stark, daß er selbst den widerstrebenden Verstand während des Gottesdienstes und eine Zeitlang nachher in seinen Bann schlägt. Ks muß mit aller Klarheit ausgesprochen werden, daß unser liberaler Gottesdienst vielfach diese Urcigcnschaft des jüdischen Gottesdienste* vernachlässigt hat. Vom Standpunkt des rein Ästhetischen muß in der Tat das Durcheinandersummen eines konservativen Gottesdienstes befremdlieh wirken, befremdlich doch aber nur für die. die fremd sind. Bei jedem, der das Hebräische und den Aufbau unseres Gottesdienstes kennt, wird dieses ästhetische Befremden verschlungen von der Krgriffenhcit. die das Bewußtsein, der betenden Gemeinde anzugehören, gewährt. Allererste Forderung also ist die Rückkehr vom übermäßigen Ästhetisieren sowohl in musikalischer wie in textlicher Beziehung zu einem Gemeinschaftsgottesdienst. Ks ist gar nicht genug zu bedauern, daß z.B. selbst hei dem Gottesdienst der hohen Feiertage die spärlichen Ansätze von Responsen. die noch im liberalen Gebetbuch geblieben sind, auf ein Nichts ztr immengeschrumpft sind. Der Grund ist ein doppelter: Ks verschwinden immer mehr diejenigen, welche die Responsen noch verstehen — aber das läßt sich nachholen und wird sich bei der heuen jüdichen Krziehung der heutigen Zeit sicherlich sehr schnell nachholen lassen —; noch mehr aber ist es das Bestreben von Kantor und Chordirigent, die Gemeinde auf das Zuhören zurückzudrängen, statt ihr aktive Teilnahme am Gottesdienst zu gewähren. Demgegenüber muß niit aller Kntschicdenheit ausgesprochen werden, daß der Kantor und der Chor Diener und nicht Herren des Gottesdienstes sind. Herr des Gottesdienstes ist die Gemeinde. Auf ihre Bedürfnisse kommt es an und nicht auf den vielleicht begreiflichen, aber nebensächlichen Wunsch von Kantor und Chordirigent, mit irgendeiner schönen „Piece" zu glänzen. Gerade die größten Kantoren haben mit Recht mindestens so großen Wert auf das einfache „Dawnen" gelegt Sic wollten Sch'liach Zibbur sein und nicht Solisten und Opernsänger. Die Größe und die Kunst eines Kantors zeigt sich (das gute Singen versteht sich heute von selbst) nicht in dem Vortrag der immer wiederkehrenden Kunstgesänge (Ausheben und Kcduscha). sondern darin, daß sie der Gemeinde die etwas ferner liegenden Gebettexte, insbesondere die, die nur einmal im Jahre gebetet werden, näher bringen. Die^Wiedereinführung des- Morgengebetes in den Sabbat-Gottesdienst geht nicht zum mindestens auf die Tätigkeit der Liberalen Synagoge, deren Fest wir heute feiern, zurück. Ks muß aber leider gesagt werden, daß die Kantoren dem Bestreben, dieses wundervolle Gebet lebendig zu machen, passiven Widerstand entgegensetzen. Hier sulltcn sie ihr Bestes geben und nicht nur Anfang und Schluß herunterrasseln und dazwischen so wenig Zeit gel<»

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