Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1933
- Issue
- 1933
- Article
- Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 14)
- Language
- German
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und Kürzungen des hebräischen Textes Anlaß gegeben. Eine wirkliche Hilfe haben diese freilich nicht gebracht. Die hebräischen Kenntnisse sind nicht besser geworden, ihre Abnahme hat die Kürzung des Textes noch übertroffen. Die Fremdheit gegenüber dem Gottesdienst ist in den allermeisten Fällen — es gibt sicher auch Ausnahmen — nicht Gegnerschaft gegen die fremde Sprache, sondern Gleichgültigkeit gegen das Judentum und seinen Gottesdienst überhaupt, und der deutsche Teil des Gottesdienstes bleibt nicht minder fremd als der hebräische. Auf der andern Seite wird der häufige Besucher eines Gottesdienstes auch leicht Verständnis lür ihn gewinnen, die Erfahrung der Hohen Feiertage zeigt die Möglichkeit einer regen Beteiligung auch an einem relativ schwierigen Gottesdienst, wenn diese dTTrch ihn regelmäßigen Besuch und das Entgegenkommen des Beters gefordert werden. Der jüdische Gottesdienst ist weit einfacher und verständlicher, als er dem ihm Entfremdeten erscheint. Die Entscheidung, ob er fruchtbar und eindrucksvoll gestaltet werden kann, liegt beim jüdischen Menschen, nicht beim toten Buchslaben. Das G r.u n d.p r o b I c m ist nicht eines d e r Kenntnisse, sondern e i n e s d es Willens! Wo aber ein Wille ist. ist auch ein Weg! I. Elbogen. Unsere Muttersprache im Gottesdienst . W enn sich in der Gegenwart der Ruf nach dem Hebräischen bedeutend verstärkt hat. so könnte es scheinen, als wenn der Streit: hebräisch oder dcutr.'h auch im Gottesdienst immer mehr zugunsten der Anhänger des Hebräischen entschieden werden würde. Aber man könnte auch sagen: wir müßten gerade jetzt verlangen, der deutschen Sprache einen viel breileren Spielraum, als bisher, ZU gewähren; denn gerade so konnten wir auch an heiliger Statte unsere Verbundenheit mit Deutschland bezeugen, gerade so viele, die uns fernstehen, an unseren heiligt n Obungcn teilnehmen lassen. Aber das wäre eine äußere Zweckbegründung und könnte angesichts der Heiligkeit des Gegenstandes — Dienst für Gott — nicht unbedingt ausschlaggebend sein. Und so wird es schon bei den alten entscheidenden Einstellungen bleiben: wer der Ansicht ist. daß gerade in den heiligen Momenten die Muttersprache nötig ist. weil der seelische Widerhall des Wortes nur durch die Mutter- Sprache voll erfolgen kann, wird immer der Muttersprache, über Tradition und Ehrfurcht vor der heiligen Sprache hinweg, den Vorzug geben Wer sich dieser Ansicht nicht anzuschließen vermag und in der hebräischen Sprache das ..starke Band" zwischen ..allen Juden der Erde" sieht, wird diese bevorzugen und nur noch zu fragen haben, wo wird die deutsche Sprache am zweckmäßigsten verwandt. Es geschieht bisher bei einzelnen (iesängen. einzelnen 16