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Die Gemeinschaft · 1933-01-01 · 1933 · p. Seite 14

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1933
Issue
1933
Article
Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
Date
1933-01-01
Page
Seite 14 (sequence 12)
Language
German
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nach, das einigende Band, das sie alle zusammenhielt. Es haben keineswegs alle Juden die hebräischen Gebete durchweg verstanden, man hat sehr früh fremdsprachliche Wiedergaben «der Übertragungen den Gebettexten beigefügt, aber die Kraft der Überlieferung war stark genug, die Gemeinden fügten sich dieser ohne Widerspruch, die Menschen des Mittelalters verstanden es, ihr Andachtsbedürfnis dabei zu befriedigen. Aber die Zeiten änderten sich, die Menschen wurden differenzierter, empfanden das Bedürfnis, ihr Gebet auch wirklich zu verstehen, stärker. Insbesondere kam seit dem Ende des IS. Jahrhunderts das weibliche Geschlecht mehr zur Geltung, dessen religiöse Ausbildung bis dahin arg vernachlässigt und fast ausschließlich dem häuslichen Einfluß überlassen worden war. In den Kreisen der Berliner Aulklärung entstanden zuerst Übersetzungen der (lebete in der hochdeutschen Sprache der damaligen Gebildeten, David Fricdlaender widmete seine „Gebete der Juden auf das ganze Jahr", die 17N<» in hebräischen Lettern erschienen, „seiner ehrwürdigen Mutter und seiner verehrenswerten Schwiegermutter." Was ihn leitete, war das dringende Verlangen, denjenigen, die nach dem Herkommen beteten, den Inhalt des Gebetes verständlich zu machen und so ihr religiöses Empfinden zu beleben. Diesen Gedanken vertrat er auch mit Entschiedenheit, als seine Übersetzung von rabbinischer Seite verketzert und er genötigt wurde, sein Tun zu rechtfertigen. Dieser religiöse Gedanke, das Verständnis für den Wortlaut des Gebets zu heben und zu verbreiten, gewann bei den Gebildeten der Zeit immer mehr Anhänger. Das 19. Jahrhundert ist für die Juden das Jahrhundert der Übersetzungen geworden, fast in allen Ländern, in denen Juden wohnten, sind Übersetzungen der Gebete und der Bibel in die Landessprache entstanden. In diesem Bestreben waren alle Richtungen, Orthodoxe und Fortschrittliche, einig. Sehr früh aber trat zu diesem Bestreben das weitere, die Umgangssprache auch im öffentlichen Gottesdienst zur Geltung zu bringen. Als Napoleon I. die Notabein in Paris versammelt hatte, wurden hinter den Kulissen allerlei Reformvorschläge, u. a. auch die Einführung der Landessprache für die Tefilla, besprochen. Offen trat Joseph Bamberger aus Hachenburg (im Westerwald^ im August 1807 in seinem Sendschreiben an das Große Sanhedrin tr. Paris „Ein Wort zu seiner Zeit" mit einem solchen Vorschlag hervor. In seinem blinden Haß gegen die Rabbiner wirft er ihnen auch dies vor. daß sie hindern, „daß wir verstehen dürfen, was wir beten"; selbst die Bibclvorlcsung will er nur in der Landessprache hören. Klingt bereits hier ein politischer* Ton mit, so wird dieser ganz und gar maßgebend bei David Fricdlaender, der wenige Wochen nach dem preußischen Edikt über die Gleichberechtigung der Juden (vom II. März 1812) mit einer Schrift hervortrat „über die durch die neue Organisation der Judenschaf ten in den preußischen Staaten notwendig gewordene Umbildung: 14

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