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Die Gemeinschaft · 1933-01-01 · 1933 · p. Seite 10

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1933
Issue
1933
Article
Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
Date
1933-01-01
Page
Seite 10 (sequence 8)
Language
German
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die Lehre zu empfangen, sprach der Heilige, gelobt sei Er zu ihnen, ich gebe sie euch nicht, ehe ihr mir sichere Bürgen stellt, daß ihr sie treu bewahren werdet. Sprachen sie: bessere Bürgen als die Erzvater kann es doch nicht geben. Da antwortete der Heilige g. s. F..: gegen die Väter hatte ich mancherlei Klagen, ihre Bürgschaft genügt mir nicht, stellt mir bessere Bürgen. Da sprach Israel: so sollen die Propheten, die einst erstehen werden, für uns bürgen. Antwortete Gott: ich habe Unmut über sie; sie werden auch ihre Augenblicke der Schwachheit haben, stellt mir tauglichere Bürgen. Da sprach Israel so sollen unsere Kinder für uns einstehen. Jetzt antwortete der Heilige g. s. E.: Das ist eine gute Bürgschaft, auf diese Bürgen gebe ich euch die Tora." Sinn beider Legenden: Gemeinschaft ist da, ehe die Willensentschließung des einzelnen beginnt: auch wenn der Wille ein Letztes, Entscheidendes bleibt, v <> r ihm schon ist Gemeinschaft da, die formt und Richtung weist. Zu diesen alten jüdischen Gedanken findet man nun zurück; nicht nur deshalb, weil Gemeinschaft als biologische Gegebenheit uns von außen her auferlegt wird, und nicht nur in biologischen Sinne, sondern in dem Sinne der unentrinnbaren Teilnahme an einer geistigen Aufgabe, in dem Sinne des Beglücktseins und Geslärktscins durch diese Teilnahme. Wie aber muß sich das in den /irkein des religiös-liberalen Judentums auswirken/ Darin, daß itligiöser Liberalismus nicht nur eine Angelegenheit der Synagoge und der Gestaltung der Brauche wird, sondern daß er ein ganz bestimmter, so gearteter und so erfüllter l.ebensrhythmus wird. Kr war zu lange nur Kampf gegen gewisse Ubersteigerung des Brauchtums, zirkelte um Gebet und Zeremonie, und er ließ das Leben als Ganzes draußen. Nun aber muß er ein volles Leben in der Gemeinschaft und durch die Gemeinschaft werden, ein Rhythmus des gesainten Lehens in allen seinen Äußerungen. Und wo er in Svnagoge und Gehet sich kundtut, muß jene veränderte und eigentlich alte Erkenntnis vom Sinn der Geineinschaft ihn duich- Btrömch. Es bleiben die Forderungen nach Verständlichkeit und Kürze, nach Geschlossenheit und Beseeltheit des Gottesdienstes, und man muß dabei wissen, daß jüdisches Gebet nicht nur individuelle Frömmigkeit ist und Ergießen des eigenen Herzens, auf das es allein ankäme, sondern Bekundung der Gemeinschaft und Erziehung zu ihr. Ausdruck ihrer Nöte und ihrer Hoffnungen, ihrer Verfehlungen und ihrer neu erkannten Verpflichtungen. Was dieses Gefühl zum Bewußtsein bringt, muß so gestaltet werden, und alles muß so gestaltet werden, daß es diese Gefühle stärkt und unterstreicht. Denn nur auf dem Grunde einer deutlich cmplundencn Gemeinschaft und in dem Geborgensten in ihr erblüht, was gleichfalls unentbehrlich bleibt, die persönliche, individuelle Frömmigkeit, die dem Gebet in der Gemeinde dann die persönliche Note des eigenen Gebetes verleiht, ohne die es kein Max Dienemann. 10

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