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Die Gemeinschaft · 1933-01-01 · 1933 · p. Seite 5

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1933
Issue
1933
Article
Beilage zu Heft Nr. 21/22 Jahrg. 1933
Date
1933-01-01
Page
Seite 5 (sequence 3)
Language
German
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war, daß er zu einer Zeit in die Welt trat, da die Religion allgemein aueh außerhalb des Judentunis durch den Einlluß der säkularisierenden Tendenzen des 19. Jahrhunderts in ihrem metaphysischen Gehalt und ihrer, das Leben normierenden Kraft zersetzt war. So verbarg sich hinter dem Schild des vermeintlich Religiösen oft bewußt oder unbewußt politischer Liberalismus, eine unglückselige Vermischung, die viele wertvolle jüdische Kräfte dem wahren, religiösen Liberalismus gegenüber skeptisch machte und sie darüber hinaus oft von jüdischer Religion überhaupt fernhielt. Es hat erst eines so starken Angriffs auf den politischen Liberalismus bedurft, wie wir ihn in der Gegenwart erleben, um die ..Vereinigung für das liberale Judentum" endlich zu bewegen, wie wir es stets forderten, ihr eigentliches Aufgabengebiet auch in ihrem Namen auszudrücken und sich klar und unmißverständlich ..Vereinigung für r e I i g i ö s - 1 i b e r a I e S Judentum" zu neu nen. Wenn das mehr als eine Sache der Konjunktur und ein Sieh - fügen unter den Zeitgeist ist. so wird dem nunmehr eine neue theologische, geistig-geschichtliche und jüdische Orientierung"des Liberalismus zu folgen haben. Der zweite Fehler des bisherigen Liberalismus war die Zcrsetzung des religiösen Gehalts durch einen übersteigerten Rationalismus. Hermann Cohens „Religion der Vernunft aus den' Quellen des Judentums" ist nicht bei aller inneren Größe dieseI einzigartigen Schöpfung das wahre Judentum, sondern ein mit Kantischen Augen gesehenes, Der „Ewige" ist nicht nur das ..Postulat der Praktischen Vernunft" und der „Garant der Sittlichkeit", er ist auch der Gott Abrahams. Isaaks und Jakobs, der Gott der Geschichte, er ist der „Heilige", in dessen jenseits alles Rationalen liegenden nttminosen Gehalt uns Rudoll Otto in seinem Werk ..Das Heilige" einen tieleren Blick hat tun lassen. Die Umbiegung und Verflüchtigung ursprünglich metaphysi scher Begriffe (Offenbarung, Messias) in allgemein wellliche ratiotialiiierU:.-ltle.cu.iit.aUjc4i»atip4..<4rH- ■ Gv4rtbf--di.^--H*«-le«u'i+-Liberalismus, die aus der jüdischen Religion eine allgemeine Ethik im Anschluß an Kantischc Ideen mac hte, die geradezu als geläutertes Judentum erschienen. Nachdem eine dem Metaphysischen abgewandte Zeit zu Ende ist, wird es die große, theologische Aufgabe des liberalen Judentums sein, die Grundbegriffe jüdischer Religion wicd?r in ihrer ganzen ewigen, metaphysischen fiele zu verstehen, den Aus g I e i c h zwischen einein berec htigten R a t i ö n a I i s in u s u n d [ r r a t i o n a 1 i s m u s zu sc hallen, und so ein tieleres Verstand nis für die Besonderheit jüdischer Religion vorzubereiten. Nicht anders liegt es mit dem I n cl i v i d u a I i s in US, ge^en dessen Auswirkungen auf geistigem, politischem und wirtschaftlichem Gebiet heute mit Recht gekämpft wird, durch dessen Ungehemmtheit und Uferlosigkcit der jüdische Liberalismus nie

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