Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1930
- Issue
- 19/20 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- Seite 19 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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eigenes Rinken widergespiegelt in dem Leben der Juden, die vor ihm waren, er erlebte, daß die Gemeinschaft, der er angehörte, wahrhaft eine Gemeinschaft eigner Art ist. Dali sie nicht ohne ständige Auseinandersetzung mit den höchsten und heiligsten Fragen dos menschlichen Daseins, ohne Kampf mit dem Göttlichen — .Jisroel" — denkbar ist, und daß auf der andern Seite die unendliche, jüdische Geistesmasse ohne jüdische Menschen keinen Sinn hat. „Wir sind eüi Volk. — aber nicht wie andere Völker, und wir sind eine Religionsgemeinschaft, aber nicht wie andere Religionsgemeinschaften". Aeußert Franz Rosen« zweig einmal. Aus der Verbundenheit mit dem Judentum erwächst der Wunsch, dessen Werte kennenzulernen. Dadurch erfährt das Lernen wieder eine neue Sinngebung, die über die bloße Aufnahme von Wissenschaft hinausgeht. Ks entsteht aber auch der Drang, sichtbare Ausdrucksformen der gemeinsamen Ver» bundenheit zu finden. Von diesem Gesichtspunkt aus gesehen knüpfen sich wieder neue Bindungen an den Gottesdienst. Wille zur Gemeinsamkeit, und Wille zur Verbundenheit mit dem Un aussprechlichen fließen zusammen und werden zur Sinngebung des jüdischen Gottesdienstes. Wer dem jüdischen Gottesdienst mit dieser inneren Ein« Stellung gegenübersteht, für den haben die Fragen der Ausge staltung. im einzelnen eine völlig untergeordnete Bedeutung. Denn daß es nicht darauf ankommt, was man macht, sondern wie man es macht, zeigte besonders die Atmosphäre, die im letzt» jährigen Jugendgottesdienst der Liberalen Synagoge Norden herrschte. Es muß einmal mit aller Offenheit gesagt werden, daß für die junge Generation die Einstellung zum Ritus gar nicht mehr mit solcher Problematik belastet ist wie für die ältere Für die ältere Generation stellte der Ritus gewissermaßen die Hausordnung dar, nach der man sich zu richten hatte und die als unantastbar galt. Die Jugend hingegen hat die Unantastbarkeit des Ritus gar nicht erst empfinden gelernt und entscheidet aus eigener Verantwortung, welche Formen sie übernimmt, und welche sie ablehnt. Vor allem aber kann sich das heutige deutsche Juden - tum nicht den Luxus leisten, diese Fragen in den Vordergrund zu stellen, weil deren Lösung nicht die Lösung der jüdischen Not bringen kann. Denn die Not der jüdischen Gesamtheit, d. h. die objektive jüdische Not, liegt im Sozialen und im Politischen, die Not des einzelnen Juden aber, die subjektive Judennot, liegt in der Verschüttung der Jüdischen Verbundenheit. Unter Betonung der untergeordneten Bedeutung sei nur ein Problem der Gottesdicnstgestaltung herausgegriffen: die Rolle des Hebräischen. Man begegnet hierbei häufig dem Gedanken gang, daß das Hebräische mehr in den Hintergrund treten müsse, da die Mehrzahl der Andächtigen nicht Hebräisch könne. Dadurch wird die Bequemlichkeit zum Prinzip erhoben. Denn die Unkenntnis des Hebräischen ist keine gottgegebene Tatsache. Man müßte vielmehr aus dem bestehenden Zustand n