Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1930
- Issue
- 19/20 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- Seite 18 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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den Sinn des Sabbats erfassen, ihn mit L'cho daudi und Kid» dusch begrüßen und mit Hawdolo verabschieden. Wird sie darüber hinaus zum „Gottesdienst", zum Beten kommen? Sie wird es in dem Augenblick, wo der einzelne zu Gott „Du" sagt. Welche Formen diese ihre „Awaudo" nehmen wird, möchte ich hier nicht entscheiden. Sie wird sicher nicht der alte orthodoxe Gottesdienst sein; denn damit würde die Jugend von der „Hindung in Freiheit" aus hinter die bindungslose Freiheit zurückgehen, dorthin, wo das Individum nichts gilt. Sie wird sicher vieles, was die Reform Strich, stehenlassen, da das 20. Jahrhundert einen starken Blick für Geschichte hat. Aber sie wird nicht einfach zurückkönnen. Und dieser Gottesdienst wird auch kaum der heutige liberale sein. Seine Reformen werden in manchem radikaler, in man» ehern anders sein müssen. Orgel und deutsche Gebete werden kaum noch die zentrale Differenz zur Orthodoxie bilden. Aber er wird liberal sein im besten Sinneines Liberalismus, der auch in eigenen Angelegenheiten nicht konservativ ist. Wandlung des Menschen. Von Werne r Rotenttock. ..... Weif wir vmherzogen und ntokt deiner Jachttn. feilschten und nickt heteten. beteten mit schneller Zunge und allem Wort, ohrtt Hers . . ." Arnold Zweig ..Die Sendung Semaels" Wenn währen 1 eines Scdcrabends unschuldig gefangene, des Kitualmord beschuldigte Juden in dieses Sündenbekenntnis ausbrec hen, so soll dies auch uns zur Rechenschaft über unsere eigene Lage fuhren. Denn das Fest der Befreiung, das wir jetzt feiern, soll ja auch uns wieder frei machen von den Schlacken, mit denen unser Judentum behaftet ist, es soll uns tief in uns hineinhören lassen, um zu prüfen zwischen echt und unecht Die Wandlung, die Israel in seiner Gesamtheit durch den Auszug aus Aegypten in sich vollzogen hat, muß mi Ii auch in jedem Juden der Gegenwart wieder vollziehen. Auch wir sind unfrei in unserm Judentum, nicht etwa weil wir uns mit anderen Kulturen bereichert haben und zur BereU cherung anderer Kulturen beitragen, sondern weil die tieferen Bindungen an das Judentum verschüttet, weil die Formen zu Inhalten geworden waren. So kam es. daß viele junge Mensehen sich abseits von dem stellten, was man heute jüdisches Leben nennt. Ks galt zunächst innerlich frei zu werden. Wen es aber überkam, wer sich gewahr wurde, daß er Glied einer unendlichen Kefte von Generationen ist. die es fortzusetzen gilt, der fand über die Befreiung hinaus wieder den Weg zu neuen Rindungsn an das Judentum. Fr fand sein in