Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1930
- Issue
- 19/20 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- Seite 13 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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und der Seele. Was ehedem nur ein.- Teilaufgabe der Religion war. jene Aufgabe, die sich ganz auf das diesseitige Leben V0' zog. die soziale Aufgabe, sie erfüllt den heutigen Menschen als höchstes Gut seiner Kultur. Sie tritt ganz an die Stelle «1er Religion; ihre Notwendigkeit erscheint als zwingend gegen' über der Frage nach der Existenz Gottes. Diese Wertordnung ist seit langem vorbereitet und von der neuen Jugend aufgestellt. Ihr Lebenssinn, wie der der Erwach* senen, liegt in der Arbeit, in Beruf oder Schule, und im Ge> nießen der Freizeit. Beruf oder Schule bringen die Jugend mit religiösen Werten kaum in Berührung. (Die Religions. lehrer an öffentlichen Schulen wissen, wie im gesamten Schul« plan die Religionsstunde weit zurücktritt hinter all die anderen Fächer und immer zuerst „ausfallen" darf i. Die Freizeit soll nach der Arbeit die Zerstreuung bringen. Ein großer Teil der Jugend sieht in der Freizeit nichts als das Freisein von „Pflich« ten" und die ersehnte Möglichkeit, den eigenen. Neigungen nachzugehen. Diese Neigungen können wertvolle Inhalte haben; aber selten ist diese Jugend bereit oder fähig, sich Aufgaben der Allgemeinheit zu widmen und persönliche Opfer zu bringen. Das „Leben" ist ihnen Wert an sich; sie „durchleben" es so intensiv wie möglich und finden darüber keine Zeit und haben auch nicht das Bedürfnis, nach seinem Ursprung, — man kann es auch das „höhere" Leben nennen, — zu fragen. Kein Wort des Urteils, der Wertung über diese JugendI Wir wissen, die Mehrheit steht dort, und wir wissen nicht, ob nicht in einer allgemeinen „Umwertung aller Werte" die Mensch' heit überhaupt zu dieser Einstellung zur Religion gelingen wird. Es gibt noch eine andere, moderne Jugend, — kleiner an Zahl, — die bei aller Ucbcreinstimmung in der Gesamthai« tung durch ein Wesentliches von der übrigen Jugend unterschieden ist: Sie kann den Sinn des Lebens nicht allein im biologischen Dasein finden, sie sucht es jenseits des Lebens, sie bedarf einer religiösen Sinngebung. Diese Jugend bat es schwer, und sie wird vorerst nicht fertig im Ringen um die Zwiespältigkeit zwischen Leben und Religion. Die Religion der älteren Generation will sie nicht Übernehmen, weil sie vor der Differenziertheit des modernen Kulturlebens steht Line Er« neuerung der Formen kann sie nicht befriedigen, weil die geistigen Grundlagen damit nicht angetastet, für sie doch aber gänzlich erschüttert sind. Sie weiß ganz gut, daß keine Religion der Symbole und Formen entbehren kann, sie versucht aurh immer wieder, im Gottesdienst, in der häuslichen Feier das religiöse Erlebnis zu finden, und kommt doch immer wieder ernüchtert daraus zurück Am ehesten findet sie es. wenn sie unter sich bleibt; wenn eine Gruppe sich selbst «-ine Feier ge> staltete, dann waren noch immer alle davon bereichert. Und doch, — sie fürchtet sich vor der Häufigkeit, der Abnutzung dieses Gefühls, (wie selten werden in allen Gruppen der Ju« ia