Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1930
- Issue
- 19/20 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- Seite 12 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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kommen diese immer zu Worte. Als Kührer in der Jugendbcwe* gung. durc h ihre starke Bindung an die jüngere Generation und durch den inneren Abstand, den sie von einer schon durch' lebten Phase der Entwicklung hal>en. sind sie vielleicht allein dazu fähig, die Seelenhaltung dieser Jüngeren zu erkennen und zu deuten. l'nter „Religion", soll hier nicht die traditionelle und pflic htmäßig übernommene, sondern in selbstständigem Ringen erworbene Religion verstanden werden. (Die konservative Ju« gend schaltet darum für unsere Betrachtung aus, obwohl auch hier die Dinge nicht so einfach liegen, wie es im Vorangehenden klingen mag). Warum setzen wir dann nicht für das Wort „Religion" einfach „Liberalismus"? Weil ein großer Teil der Jugend von einer negativen Stellung wohl gerade noch zu einer unbestimmt'bejahendcn. kaum aber zu einer wirklich positiven Stellung zur Religion gelangt. Ueber die äußeren Schwierigkeiten, die den Großstadt» juden an der Ausübung religiöser Pflichten hindern, ist Vieles gesagt worden; manches ist in letzter Zeit getan worden, um sie zu beheben. Man hat erfahren müssen, daß zwar ein großer Teil der älteren Generation es freudig begrüßte, daß aber wenig Jugendliche daran teilnehmen, l'nd so oft fragen da die „Alten", die in heißem Bemühen um die Bedürfnisse und Forderungen der Jugend neue Formen schafften: Warum nur bleibt Ihr auch jetzt noch fern, oder, wenn Ihr du seid, warum nehmt Ihr nicht mit Begeisterung auf. was für Euch und um Euretwillen geschaffen wurde? Die Fragestellung geht von der gleichen, falschen Vor« aussetzung aus. wie die Jugend selbst. Sie sagt: wenn Ihr diese für uns nicht mehr tragbare alte Form umschafft, dann werden wir wieder aktiv sein in Eurer religiösen Gemeinschaft. Sie sagt es wohl, allein im Grunde weiß sie. daß sie durch eine Umwandlung der Formen nicht mehr zu gewinnen ist. Sie weiß vielmehr, daß ihre gesamte geistige Fxistenz ge« genüber derjenigen früherer Generationen eine Veränderung erfahren hat. die ihr eine, ganz neue Einstellung auch zur Religion gebracht bat. Die geistige Atmosphäre der modernen Kultur, in der die Jugend aufwächst, ist nicht nur der Aus» Übung religiöser Formen, sie ist auch der Religion feindlich, sie will sie „draußen" lassen. „Juden sind überall zu finden, aber die jüdisc he- Religion steht im Winkel", schrieb kürzlich Rahh. Dr. Wilde im Gemeindeblatt. Aber die jüdische Religion steht nicht allein im Winkel, die anderen Religionen Stehen neben ihr. Mehr und mehr hat der Mensch von heute den Sinn für Werte, die außerhalb der Wirklichkeit liegen, verloren; mehr und mehr sind die Ziele und Aufgaben, die er sich stellt, auf die Werte des Diesseits gerichtet. Zu sehr auf Fr» leichterung und Geordnetheit des wirklichen Lebens bedacht, erscheint ihm Religion mit ihren unkontrollierbaren Wahr» heiten und Grundsätzen eine uberflüssige Belastung des Geistes 12