Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1930
- Issue
- 19/20 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- Seite 11 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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das orthodoxe wie das zionistische wie das liberale er/eilten, ie rezeptmäßiger sie befolgt werden, um so lächerlichere Kari« kamrct: von .Menschen..... Es gibt nur ein Rezept, das den Menschen zum jüdischen und damit ... zum wahrhaftigeil Men« scher macht: Das Rezept der Kezeptlosigkeit." Das hat wahrlich nichts mit jener verwässerten Neutralität zu tun. die gerade beim Rabbiner sc» oft erwünscht, oft auch verhaßt erscheint. Das ist ein flammender Aufruf, der jungen Theologen tief ins Herz gedrungen ist, den sie, damit unser jüdisches Leben vor all den Parteidogmen nicht ver« dorrt, gerade in unseren Tagen hinausrufen sollten, — und sei es selbst auf die Gefahr eines Gegensatzes hin zu manchem persönlich liebenswerten älteren Kollegen. Mit diesem Bewußtsein hat Rosenzweig uns erfüllt, daß der heutige Jude an einer entscheidenden, verantwortungsvollen Stelle .der jüdischen Entwicklung steht. Das ist es im Grunde ja auch, was heute den Rabbiner, den jüngeren wie den älteren, vor unsagbare Schwierigkeiten stellt, in denen freilich auch wieder ein Reiz von verlockender Gewalt ruht, das ist es, was gar oft den gesamten Beruf als solchen problematisch ersehet* nen läßt: Wir stehen heute an einer Stelle, da sich aus dum Alten erst allmählich ein Neues gebiert, dessen wir sehnsüchtig harren. Bisher bestehende Fragestellungen und scheinbare Ge« gensätze lösen sich so heute für uns oft bei tieferer Einsicht in die jüdische Problematik in einer höheren Einheit auf. Diesen Weg aus der Enge und Kleinlichkeit in die Weite und Freiheit der reinen und großen Gedanken gewiesen zu haben, das ist Rosenzweigs größtes Vermächtnis an uns. Jüdischen Theologen, jungen den Jahren und auch jungen der Gesinnung nach, ist er so Lehrmeister geworden. Mögen darüber hinaus auch unsere jüdische Oeffentlichkeit, unsere jüdischen Parteien sein Wort zu verstehen suchen: ,,Nichts Jüdisches ist mir fremd." So hat er uns gesegnet, bevor er von uns ging. Wir blicken zu ihm auf in Liebe und Dankbarkeit. Moderne Jugend und Religion. Von Betty Marcus. Die beiden Begriffe „moderne Jugend" und ..Religion" l>e« dürfen zunächst einer Klärung und Begrenzung für das, was hier folgen soll. Die „moderne Jugend", das sind unsere Jungen und Mädel bis um das 20. Lebensjahr; sie unterscheidet sich durch den großen Wandel, der unser Großstadtlcben seit den Nachkriegs« jähren erfaßt hat, wesentlich von den jetzt etwa 25jährigen, die ja auch noch zur Jugend gehören. Während die Jüngeren nichts „Bindendes" zu unseren Problemen sagen wollen oder können, II