Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1930
- Issue
- 19/20 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- Seite 8 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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... Denn mag einer „alles" Tubarc tun wollen, so wird er mit diesem gewollten Tun das Gesetz mit nichten erfül« len, es nicht so erfüllen, daß es ihm zum Gebot wird; ... Ks kommt also letzhin nicht auf unseren Willen dabei an, sondern auch hier auf unser Können. Auch hier geschieht das Kntscheidende erst in der Auswahl, die aus der Fülle des Tubaren, willenlos das Können vornimmt. Diese Wahl kann, eben weil sie nicht dem Willen auferlegt ist, sondern dem Können, nicht anders als ganz..individuell sein; denn zwar an den Willen kann sich ein allgemeines Gesetz for« dernd wenden, aber das Können trä^t sein eigenes Gesetz in sich; es gibt nur mein, dein, sein und auf ihnen aufjje« baut, nicht aller, sondern unser Können. Ob also viel oder " wellig getan wird, ja, ob überhaupt etwas getan wird, ist unerheblich gegenüber der einen unumgehbaren Forderung, daß nur aus der Kraft getan wird. Wie das Wissen alles Wißbaren noch keine Weisheit ist, so das Tun alles Tu« baren noch keine Tat. Die Tat entspringt ... erst an der Grenze des bloß Tubaren, da, wo die Stimme des Gebots augenblickshaft den Funken von „Ich muß" zu „Ich kann" überspringen läßt. Aus solchen Geboten und nur aus sol« chch erbaut sich das Gesetz." Es ist hier nicht der Ort, auszuführen, worin das Neuartige dieser Stellung zum Gesetz liegt. N\ir angedeutet mag werden, daß ebenso wenig wie das Muß der Orthodoxie das jüdische Gesetz zur lebendigen Gegenwart macht, so wenig genügt Ro« senzweig die übliche, liberale Einstellung, nach der unser be« wußte Wille die entscheidende Instanz dafür ist, ob ein Gebot der Ueberlieferung von uns noch gehalten, ein Brauch noch weitergetragen werden soll. Die entscheidende Instanz ist unser unvörherberechenbares Können, das ist jene „Kraft des Herzens", die für unsere Lebenshaltung überhaupt bestimmend wirkt. Wie weit dieses, unser Können reicht, wird nur an Lebens* laufen zu ermessen sein. Es gibt für uns nur das Eine, — und auch darauf weist Rosenzweig, — unserm Instinkt zu ver« trauen, um romantischer Schwärmerei, ja Heuchelei zu ent« gehen. Unserm Instinkt, der zu scheiden weiß zwischen dem, was an Totem und Lebendigem im Fluß der Ueberlieferung mit« schwimmt. Brief. Sehr geehrter Herr F., ich habe versucht, über das Leben Franz Rosenzweigs, soweit mir davon berichtet wurde und ich selbst es habe fühlen und sehend erkennen können, auszu« sagen. Doch ich kann es nicht. Muß ich mich entschuldigen, wenn ich Ihnen sage, daß ich das Leben dieses Großen bis heute nur als Anklage für mich empfinden kann, als Anklane, 8