Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 15 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Darum muß unser Gelöbnis das des Stammvaters sein, und wie wir uns allein das eigene Haus des Lebens zimmern, so müssen wir — das ist die Aufgabe dieser Stunde — um das Gotteshaus bauen, wir müssen es auch innerlich bauen. Nicht auf Quadern ruht das Gotteshaus, nicht die starken Mauern und Säulen sind sein Wert; das jüdische Gotteshaus hat zwei Pfeiler: Die Ehrfurcht vor dem Alten und die Ehrfurcht vor dem Neuen! Das ist unser Weg: Das Gotteshaus soll unser Vaterhaus sein, das wir mit Sehnsucht aufsuchen, und in dem unsere Kindheit wiederkehrt. Es soll uns ein Zukunftshaus sein, in dem wir vereint mit denen, die nach uns kommen, unsere Gedanken und Herzen in Ehrfurcht und nach unserer Art mit dem Ewigen vereinend So soll es hier sein, so soll es immer sein! Möge das Werk, das so verheißungsvoll begonnen wurde, von Erfolg gekrönt, von Weihe gesegnet sein! Und wie viele Hunderte in unseren bisherigen Andachtsstätten Erhebung und Erbauung empfunden und empfangen haben, so gelte auch von diesem dritten Gotteshause das schöne Wort Moses, mit dem er die heilige Lade zu ihrer Ruhestätte gelehrte: „Kehre ein, o Herr, unter die Scharen der Tausende Israels!" — So soll und wird auch dieser Gottesdienst — gleich seinen Vorgängern und seinen hoffentlich zahlreichen Nachfolgern — dazu dienen, den Aufbau einer religiösen Gemeinschaft von modernen Menschen vorzubereiten, die sich nicht mehr in alle und vielfach überlebte Formen einkapseln können und wollen, die aber doch nicht bloß äußerlich, sondern auch innerlich für das lebendige Judentum geweckt werden müssen, wenn der Zustrom der Geschlechter nicht aufhören soll. Was im ersten Heft der „Gemeinschaft" als unsere Aufgabe hingestellt wurde, besteht auch heute noch und auch für die Liberale Synagoge Westend: „All die einzelnen wachen Stimmen in unserem Kreise zu sammeln und zu einen, alle hier, in denen das religio-*: Sehnen noch schlummert, zu wecken, Jugend und Alter für unsere Glaubensgemeinschaft zu erwärmen zur mitfühlenden und mitbauenden Teilnahme ' an unserem religiösen Leben, In die Herzen freudigen Zukunftsglauben hincinzusingen an ein starkes, lebendiges Judentum." H FtltwWig. Ober dt« Schwierigkeiten dar Vorbe'ei'ung ichreibt ein Vor.tendirnitplivd der Libcrelen Syntfjoge Weitend: Unter starker Beteiligung der Westender Jüdischen Bevölkerung wurde am Freitag, den 23 November, der erste Gottesdienst unseres neugegründeten Synagogen-Vereins abgehalten. Wenn wir rückwärts schauen, erscheint es uns fas wie ein Wunder, daß wir diese Tatsache heute schon in uns aufnehmen können Noch als im Oktober ds. J. Herr Dr. Alfred Caro zunächst wenige Getreue wie die Herren Ehrenreich, Silberstein, Blumenthal, Schönbach. Berenhaut, Jaulus, Dr. Nathanson, Frl. Ur Littmann, Frau Caro, Frau Heckscher und Frau Schönbach um sich versammelte, um 11