Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 15 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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mung der zum ersten Mal hier zu gemeinsamem Gebet Versammelten zeugte von dem Geist der Andacht, der über dieser Stunde schwebte. Es war ein Gottesdienst, der dem Gegenwartsmenschen Befriedigung und Erhebung zu bringen imstande ist, der, unter Wahrung der Tradition, so gestaltet ist, daß durch ihn der Gegensatz zwischen Lehre und Leben überbrückt, ein aktives Miterleben ermöglicht wird. Wie in der Liberalen Synagoge Norden und Wilmersdorf begann diesmal und beginnt in Zukunft der Gottesdienst, ohne Rücksicht auf den S'man, regelmäßig um 71/4 Uhr, zu einer Zeit, in der erwerbstätige Menschen ihr Tagewerk beendigt haben. Bei ihm ist in der Sitzordnung die Trennung der Geschlechter aufgehoben, so daß Männern und Frauen, Eltem und Kindern die Möglichkeit gegeben ist, den Eingang des Sabbats in gemeinsamer Andacht zu erleben. Zu Grunde liegt dem Gebet die Liturgie der Liberalen Synagoge Norden, die eine aktive Beteiligung der Gemeinde voraussetzt und erzielen will, die dein deutschen Gebet und Gesang, dv-n Psalmen und Propheten einen breiten Kaum gewährt, aber auch dem Stimmungsgehalt der hebräischen Gebete .und Gesänge weitgehend Rechnung trägt, und die für jeden Gottesdienst eine biblische Vorlesung und eine Kurzpredigt als integrierenden Bestandteil enthalt. Daß diese Liturgie, die Oberkantor Wilhelm Friedmann stimmungsvoll leitete, ihre Wirkung nicht verfehlte, bewies die aktive Beteiligung gleich im ersten Gottesdienste. Die Weihe wurde erhöht durch die Predigt des Rabbiners Dr. Salomonski, der etwa folgenden Gedanken ausführte: Ks ist luin Zufall, sondern eine Fügung, daß wir am Sabbat, der uns den Auszug de- Stammvaters Jakob aus dem Elternhause berichtet, unsern dritten Gottesdienst in Merlin wrilicn' Vor einem Jahre und vor fünf Jahren haben uns dieselben tiedanken in zwei anderen Bezirken der Stadt zur Andacht aufgerufen, und die Idee, die. vom Norden herstammend, s(. feste Winzeln geschlagen hat. wird nach unserer Hoffnung immer weitere Kreise ergreifen und zu religiösem Leben führen. Dir Wanderung Jakobs in die unbekannte Ferne und sein Ausruf nach jener ersten wundersamen Nacht in «ler Fremde: „'Fürwahr, Goti ist auch an diesem Orte, und ich habe es nicht gewußt", sind, auch der beste Text für unser lieginnen. Wie er. geloben wir ein Gotteshaus geloben wir, Wohltun im höchsten Sinne drs Begriffs, erleben wir Gottes Erhabenheit und bekennen uns zu ihm. Jakobs Wort „Fürwälir, Gott ist an diesem Ort. und ich habe es nicht gewußt", ist ein Gedanke auch aus unserer Zeit; denn die meisten Mens« hen wissen wirklich nichts vom Gotteshaus; in der Größe und Fremde der Riesenstadt ahnen sie nichts davon. Und viele andere wieder, die es kennen und bcsui hen, haben nichts davon; wenn es da wäre und sie dort — sie blieben unberührt. Weil sie leer hineingehen und nichts in ihm finden, gehen sie auch wieder leer von dannen. 16