Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 15 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Dort der Hauch des Mittelalter-, der einlullt in eine geheimnisvolle Welt der Mystik, die nicht in der Wirklichkeh existiert und existieren kann, ein ausschließliches Hineinblicken und Hineindenken in die Vergangenheit, auder kein Weg hinführt mr lebendigen Gegenwart', /ur Hoffnung« erfüllten Ärbeii der Zukunft. Hierande r G rabsta11 e M e n'de 1 soh n s spricht der <ieist (f e s lebendigen immer neu werdenden Judentums. -Er, der mit -.einem religiösen Tun gänzlich im Banne demittelalterlichen Judentums weilte, zeigt mit seinen Ideen nicht zurück, sondern vorwärtin die Wirklichkeit der Gegenwart, in die fernste Zukunft. Sein Grab weist nicht in das Judentum der Vergangenheit, sondern predigt daneue Judentum der Zukunft. Wann wäre « ine solche Predigt in unserer Berliner Gemeinde.nötiger alin der Gegenwart, da die Schätzung Mendelsohns und seines Werkes vielfach als der Standpunkt einer überwundenen Zeil bezeichnet-wird, da in manchen, jetzthier stark in die Erscheinung tretenden Bewegungen Mendelsohn alder große „Verderber des wirklichen Judentums" gilt. Unsere Jugend besonders hat cnot, den Mick auf sein Grab zu richten. Aus der großen Vergangenheit, die in seiner Grabstätte verkörpert i-t. man ihnen die Stimme der .tiegenwart erklingen und dei Zukunft. Der alte Friedhof mit seinen grauen Gräbermalen liegt in idyllischer Rühe da, und doc h nicht abgeschieden von der \\<li. Sie klingt zu uns herein, und was wi;r um uns schauen, wird mm t llci< hni- : A n / w q i en Seil e n pulst u m M e n de 1 söhn s Grab das Wir tschaft-leben der Großstadt; Hammersc hlag und Räderst hnjurren aus den nahen Fabriken klingt von draußen herein und gedämpft der Lärm des Verkehrs. Da drüben, an der andern Seite i-t das Leben überwunden; im Altersheim wohnen -ie, die. müde und zermürbt vom Kampf, vom Leiten der Gegenwart, von-aller ZukuUftshoffnUng .Absc hied genommen und ein -ülle- Fleckchen zum Ausruhen gefunden haben. Von der letzten Seite her aber klingt an Mendelsohn- Grab freudiger Zukunftston, das Jauchzen und Singen der Jugend der benachbarten Knabenschule, deren Grund ja durch -einen Geist gelegt wurde. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft klingt um Mendelsohn'' Ruhestätte zusammen. Wenn die Jugend an seinem (trabe steht, dann lernt und fühlt sie, daß die Vergangenheit kein totes (iewesen ist, daß sie kein mystisches Versenken in leere Unwirklichkeiten fordert, sondern freudiges Vorwärtsschreiten in die Zukunft. in