Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 15 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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hunderte. Alle Kraft und Schaffensfreude, aus der die Gemeinde geboren, aller Erfolg und alles Leiden, das die Seelen erhob und bedrückte, sie haben hier ihren Abschluß gefunden. Die Denksteine über den Ruhestätten der Toten reden zu uns Lebendigen, wenn wir nur hören wollen. Sie halten uns Nachfahren die große Predigt der Vergangenheit. Sie fragen immer wieder: Was ist Dir Deine Vergangenheit? Wie viel von dem Gewesenen lebt noch in Dir an bewegender Kraft? An der Südwand des Friedhofs kündet dankbare Erinnerung von der Opferwilligkeit eines der ersten unter dem Großen Kurfürsten Eingewanderten, dem es als heilige Pflicht gegolten hatte, für die neue Gemeinde diese Stätte zu schaffen, das Bees aulom, das Haus der Ewigkeit. Hier hat auch der] Urenkel dem auf dem Friedhof Erstbestatteten eine Erinnerungstafel gestiftet: „Dem Andenken des auf diesem Friedhof 1672 Erstbestatteten Gumprccht Jechiel Asrlikenasi und seinem 1698 verstorbenen Schwiegersohn Itaruch Rausnitz, genannt Benedict Veit." Hier am Rande liegen sie alle, die damals, als sie aus ihrer alten Heimat Wien vertrieben waren, in ihrer neuen unter erdrückenden und erschwerenden Verhältnissen eine noch zu wenig gekannte Pionierarbeit geleistet haben für Aufbau und Leben der anwachsenden Gemeinde. Reihe auf Reihe schließt sich ah. aUS den1 Steinen mit den oft unleserlich gewordenen Inschriften sinken die wechselnden Geschlechter den Enkeln ihre Geschichte, obwohl diesen schon vielfach ihre Namen unbekannt geworden sind. Nicht bei allen aber ist der Faden abgerissen, no< Ii leben viele Namen in der Erinnerung und in der Gegenwart: Die Veit und Rieß, Frankel und Gebert, Magnus und .Markwald. Namen, die einen guten Klang hatten und haben, sind auf manchem Stein zu lesen. .Welche reiche Erinnerung wird wach, wenn uns der Name Jakob Herz Beer entge^enh-uchtet, des Komponisten Meyerbeer Vater, oder .Minna Jakobsohn, des Wohlbekannten Jsrael Jakobsohn Frau! Schon kündet sich auch die neue Zeit an mit dein Grab des „Hofbaurat" Itzig und mit dem des Sohnes des Jehuda Witzenhausen, der unter dein Namen Salomon Veit als „Stadtverordneter" auf dem Grabstein erscheint. Aber den besonderen Charakter, »eine Bedeutung erhält der Friedhof durch das Grab Mos^s Vf ende 1 söhn s, der hier 1786 zu Grabe getragen wurde. Schlicht und bescheiden wie sein Wesen, wie sein Leben, so sein Grab. Keinen besonderen Schmuck, kein geheimnisvolles Symbol zeigt Stein und Grabstätte, die nur von einem einfai hen Eisengitter eingefaßt ist. Welch ein Gegensatz zur Gräbstätte des Hohen Rabbi Loew, der dem alten Judenfriedhof in Präg sein eigenartiges Gepräge verleiht! 9