Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 15 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ist ein kurzes Nachdenken über die eigentliche Bedeutung von Chanucka unumgänglich. Es ist schon wahr, daß die Erinnerung an die Taten der Makkabäer uns entflammt; Ihre Stammestreue, ihr Glaubensmut, ihr Heldentum und vor allem die schlichte Frömmigkeit und das felsenfeste Vertrauen auf Gottes Gegenwart und Hilfe sind Merkzeichen und können uns alle ein Vorbild der Gesinnung sein. Aber es ist nicht gut getan, die Augen gegen jene Wahrnehmungen zu verschließen, die damals wie heute das Gift der Feinde erst wirksam gemacht haben: Uneinigkeit im jüdischen Lager, wütender Kampf der Richtungen gegeneinander, Aberkennung der redlichen Gesinnung in der Glaubensüberzeugung und in der Auffassung von der jüdischen Pflicht — zehren damals wie heute an der wichtigsten Voraussetzung für den Bestand unseres Judentums. Das Ideal der Eintracht kann nur gefördert werden, wenn die gegenwärtige Zwietracht verringert wird und wenn die Zugehörigen der einen Partei der anderen den guten Willen zugestehen, also mit einem Worte Toleranz üben. Das Gegenteil davon hatten wir seitens der Umwelt zu allen Zeiten zu beklagen, und Mendelssohn hat in seinen Jahren das Manko des Duldungsvermögens schmerzlich empfunden. Ja, die Rabbiner des 18. Jahrhunderts haben es nicht gewußt, daß der Neuerer ein schöpferischer Erhalter war; sonst würden sie ihn nicht fanatisch bekämpft haben. Aber1 wenn auch das eine leise Entschuldigung bedeutet, so überhebt es uns nicht der Verantwortung zu bedenken, daß auch in unserer Zeit Fanatismus von Juden gegen Juden das schwerste- Uebel ist. Die Dinge liegen doch so, daß die Gegenwart nie entscheiden kann, welche Wege zum rechten Ziel führen. Heute nennen sich jene Kreise auch Erben Mendelssohns, deren Gesinnungsvorfahren sein Werk in den Bann getan haben, und so kann es auch später kommen. Darum ist es wohl das beste, "t, wenn die verschiedenen Richtungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, die sich historisch herausgebildet haben, in Friedlichkeit, in Harmonie, in Toleranz ihr Eigenleben weiterführen und darüber das große, gemeinsame, verbindende Einssein nicht vergessen. Wenn min irgend ein Fest uns in solchen VortoäUqni stark machen kann und sich als recht gegenwärtig, modern und lebendig erweist, dann ist es Chanucka. Wie bei jeder Feier, so sollte man nämlich auch bei ihm nicht nur den alten Ursprung rühmen, sondern suchen und fragen : Welche eigenen Gedanken und Notwendigkeiten le^en wir hinein? Gabenfest, Volksfest, Freudenzeit, Gegengewicht für nichtiUdische Weihetage — das alles ist gut, ist zweckmäßig, aber doch uv In ausreichend. Wir sollten Chanucka zu einem Liebesfest, zu einem Wahrzeichen der Toleranz erheben und uns im I unseren Kindern einprägen, daß jüdische Uneinigkeil und Un- 5