Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 15 (7.12.1928)
- Date
- 1928-12-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wahrheit suchen, und wünschen, ihn ohne Nachteil des Wahren und Guten abwischen zu können. Oder an andrer Stelle : „Das Klima und die Zeiten machen die Beobachtung der Religionsgesetze, in mancher Betrachtung, lästiger als sie sind." Oder endlich an jener bedeutsamen Stelle, wo Mendelssohn den Ausdruck „de setz" inbezug auf Religion geradezu verwirft mit den Worten: ..Der Staat erteilt „Gesetze", die Religion „Gebote". Der Staat hat physische Gewalt und bedieni sich derselben, wo es nötig ist; die Macht der Religion ist „Liebe" und „Wohltun". Sein Freund und Schüler David Kriedländer sucht diesen Widerspruch damit zu erklären, daß Mendelssohn keinem seiner Glaubensgenossen ein Aergernis geben un;I alle Kollisionen vermeiden wollte. Kr erzählte: ,. Im vertraulichen Zirkel^ wenn die Rede auf Reformen kam. rief er dem Feurigen. Raschen oft zu, nicht übereilen!, viel öfterer noch dem Besorglichen oder Aufgebenden: nicht verzweifeln!, alles hat seine Zeit und Stunde unter der Sonne." Wir können dem. der heute unter uns wandelt, nicht in die Seele schauen und wissen die psychologischen Gründe seines Tuns und I.assens nicht zu ergründen, l'm wie viel weniger bei einer Persönlichkeit, von der wir nur durch bezeugte oder unbezeugte Aeußerungen wissen! In jedem Kalle aber liegt auf diesem Gebiete nicht die reformatorische Tätigkeil und Wirksamkeit Mendelssohns. Aber David Friedländer hat Recht, wenn er in demselben Aufsatz, dem das obige Zitat entnommen ist il'cbcr Mendelssohn, seinen Charakter, seinen Wirkungskreis und seine Verdienste um die Israeliten, ein Fragment von David Fried länder, abgedruckt im Lessing-MendelssohnGedenkbuch, Seile. 384—392) sagt : „Wir können nicht ohne den gerührtesien Dank gegen die Vorsehung die Krs< heinung dieses Mannes betrachten, der wie ein leuchtender Stern in den lagen des glorreichen Friedrich uns aufging. Die Umwälzung der Ideen bei den Beschützern, so wie bei den Beschützten, verdanken _wir ihm. und in dem ganzen kultivierten Kuropa ward er das Hauptwerkzeug des moralischen Erwachens der Israeliten aus dem tiefen Schlafe. Ein zweiter Moses, erlösetv er sie aus einer der ägyptischen ähnlichen Sklaverei, führte sie in das 1-and des Lichts und der Freiheit, und entnahm die Binde, ihren Augen, die Fesseln ihren Händen." „Alle Spenden seines Geistes wiegen das Verdienst nicht auf. das er sich um seine Mitbrüder mittelbar und unmittelbar erwart)." Unmittelbar durch seine Persönlichkeit. Kr erschien seinen Glaubensgenossen als lebendiger Zeuge dafür, daß Vertrautheit mit europäischer Kultur und gesellschaftlicher Anschluß an die nichtjüdische Welt, was bisher als gleichbedeutend mit Abfall angesehen war, keinen Bruch mit dem Judentum bedeute. So weckte er eine neue Bewegung der Geister, einen neuen Trieb der jüdischen Seele /um Anschluß an die europäische Kultur. Aus diesem neuen Bildungstrieb, der «las er- »