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Die Gemeinschaft · 1928-12-07 · 15 (7.12.1928) · p. Seite 2

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1928
Issue
15 (7.12.1928)
Date
1928-12-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Moses Mendelssohn als Reformator des Judentums. Von Rabbiner Dr. C. Seligmann — Frankfurt'Main. Im gewöhnlichen Sinn des Wortes war Mendelssohn kein Reformator Kr fühlte dazu weder Neigung, noch besaß er die heroische Kraft und die überwältigende Genialität, die die bekannten Reformatoren der Weltgeschichte auszeichnet. Niemals trat er als Kämpfer gegen die Vergangenheit hervor. Er stellte keine neuen Glaubenssätze auf. er wetterte nicht gegen alte Vorurteile, gegen abgestorbene Satzungen; er l)ekämpfe wider l.chrmeinulügen noch Zeremonien, weder Institutionen noch auch die Vertreter seiner Religion, die allen Rabbiner. Seine Lebensführung entsprach dem strengen Religionsgesetz, von dem er nicht um Haaresbreite abwich. Ja er proklamierte aticfa in der Theorie zu seiner Zeit schon das llauptdogma der Orthodoxie. Thora min hasch oma jim, als seinen Glauben, indem er in seinem Bekenntnisbuch Jerusalem schreibt: In der Tat sehe ich nicht, wie diejenigen, die in dem Hause Jakobs geboren sind, sich' auf irgend eine gewissenhafte Weise vom Gesetze entledigen können. Ms ist uns erlaubt, über das Gesetz nachzudenken, seinen Geist zu erforschen, hier und da, wo der Gesetzgeber keinen Grund angegeben, einen Grund zu vermuten, der vielleicht in Zeit und Ort und Umstände gebunden gewesen, vielleicht mit Zeit und Ort und Umständen verändert werden kann — wenn es dem allerhöchsten Gesetzgeber gefallen wird, uns seinen Willen darüber zu erkennen zu geben; so laut, so öffentlich, so über alle Zweifel und Bedenklichkeit hinweg zu erkennen zu geben, als Kr das Oesetz selbst gegeben hat. So lange dieses nicht geschieht, so lange wir keine so authentische Befreiung vom Gesetze aufzuweisen haben, kann uns unsere Vernünftele! nicht von dem strengen Gehorsam befreien, den wir dem Gesetze schuldig sind, und die Ehrfurcht vor Oott zieht eine Orenze zwischen Spekulation und Aus- Übung, die kein (Gewissenhafter überschreiten darf.... Pflichten, die dem Sohne Israels.... auferlegt worden sind, müssen, so viel wir einsehen können, strenge nach den Worten des Gesetzes beobachtet werden, bis es dem Allerhöchsten gefallen wird, unser (Gewissen zu beruhigen und die Abstellung derselben luu? und öffentlich bekannt zu machen." Gewiß finden sich in Mendelssohns Schriften an vereinzelten Stellen Aeußerungen. die wie eine Kritik des Gesetzes aussehen. So schreibt er in jenem bekannten Sendschreiben an Lavater: „Ich werde es nicht leugnen, daß ich bei meiner Religion menschliche Zusätze und Mißbräuche wahrgenommen, die leider! ihren (Glanz nur zu sehr verdunkeln. Welcher I reund der Wahrheit kann sich rühmen, .seine Religion von schädlichen Menschensatzungen frei gefunden zu haben? Wir erkennen ihn alle, diesen vergiftenden Hauch der Heuchelei und des Aberglaubens, so viel wir unserer sind, die wir die 2

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