Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 13-14 (18.8.1928)
- Date
- 1928-08-18
- Page
- Seite 22 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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die natürlich auch Gefühlswerte scharfen können: Stolzgefühl Pietät, Bewunderung, kurz jüdische Gefühle, aber nicht Keime zu religiösem Leben gepflanzt. Was könnte nun, auf diesen Grundlagen fussend, den Gegenstand der Gemeindeabende bilden — wobei der gemuthafte und gesellige Zweck als selbstverständlich und garnicht unbeachtlich nicht besonders betont wird, auch Fragen des Gemeindelebens im engeren Sinne, der Verwaltung, — als selbstverständliche Themen angesehen werden. /. Predigt Gemeinde und Prediger sollten die Gelegenheit begrüßen, Fragen der Predigt, die immer nur skizzenhaft auf der Kanzel behandelt werden können, im Hörer oft Zweifel zurücklassen, neue Fragen anregen, Mißverständnisse hervorrufen — zu klären und weiter auszuspinnen. Der Prediger würde das Gefühl bekommen, nicht bloß für den Augenblick gesprochen und „gewirkt" zu haben und nur erbaut, und der Hörer würde sich daran gewöhnen, schärfer vielleicht als bisher den Gedankengängen des Predigers zu folgen und ihm nicht bloß die „Schönheit" und das „Herrliche" seiner Worte zu bezeugen. Der Prediger würde aber auch gern von den ihm nun vertrauten Hörern Wünsche für neue Predigten entgegennehmen. 2. Quellenschriften. Ueberblickt man die Programme unserer liberalen Vereine, auch der Iiis, so ist man erstaunt, wie viel und wie früh über die Dinge geredet wird, statt die Dinge selbst sprechen zu lassen. Oder jedenfalls auc'i die Dinge. Gewiß ist die Durchführung dieser Forderung erschwert, weil es an einem liberalen Quellenlesebuch noch fehlt. Die von mir angekündigte „Jüdisch religiöse Anthologie von der Bibel bis zur Gegenwart" will die Lücke auszufüllen versuchen. Hier muß alles zu finden sein, was von der Bibel bis zur Gegenwart an liberalen Stoffen — nur wirklich wertvollen natürlich — dargeboten worden ist. Das ergibt dann an solchen Abenden eine Möglichkeit zur Lektüre und Anlaß genug zu Besprechungen. Es muß dahin komineu, daß uns unsere liberalen Führer aller Zeiten mit Namen und mit Kerngedanken ganz vertraute Persönlichkeiten werden. 3. Feierstunden. Nicht auf große Synagogenkonzerte kommt es hier an, sondern auf schlichte religiöse Stunden, bei denen aus Wort und Ton rgöttliche" Klänge auf uns Uberströmen. Und die Ausführenden sollen in erster Reihe dem Kreis der Gemeinde angehören. Welche reiche Gelegenheiten im künstlerischen Rahmen jüdische Gedanken, jüdische Klassiker zu uns sprechen zu lassen! Gelegenheit weiterhin, das »Wort" aus dem Munde eines nicht berufsmäßigen Tempelsprechers zu vernehmen, das Wort der Schrift - aber auch das des Sprechers selbst. Hier mögen ergriffene jüdisch-religiöse Menschen uns begeistern, Mann oder Frau. Und hier sollte wirklich jeder „sein Herz ausschütten" können, aber nicht bloß „;<>r Gott", sondern vor allem n<on Gott*. Jeder sollte in der Sprache seines Herzens reden 12