Mannheim
Compact Memory

Die Gemeinschaft · 1928-08-18 · 13-14 (18.8.1928) · p. Seite 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1928
Issue
13-14 (18.8.1928)
Date
1928-08-18
Page
Seite 23 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4889559-5436037-5436067--259-4889776
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

dürfen, und je schlichter und inniger er es tut, desto mehr wird er ergreifen. Welch' schöne Aufgabe für den sangesjreudtgen Teil der Gemeinde, jüdische Gesänge zu pflegen und die Feierstunden damit zu verschönen. 4. Gegenwartsfragen. Um uns braust das Lehen der Gegenwart, und hundert — ja tausendmal stoben Religion und Gegenwart zusammen. Und unsere .Versammlungen"? Wo sind die Aussprachen über das neue wertvolle Buch, das neue Drama, die neue Musik, das neue Bild, die neue Wirtschaft, die neue Gesellschaft, den neuen Staat, die neue Erziehung, die neue Philosophie, die neue Psychologie, die neue Ethik, - soforn religiöse Grundfragen dadurch und in ihnen berührt werden? Brauche ich zu betonen, daß solche Abende keine Kampfe im üblen Sinne entfesseln dürfen, sondern immer nur edles Ringen, auch wo es um Staatsfragen geht, wiederspiegeln müssen? Aber das ist erneut zu unterstreichen, daß wir nur auf diese Weise wirklich lebendig religiös sein werden, das wir nur so unser Leben zu einem religiösen Ganzen zu gestalten vermögen; uird es wird wirklich unsere die Religion der Gemeinde wird es sein die an diesem Abend der Gemeinde *n uns spricht und aus uns, spricht. — Aber auch äussere Vorgänge aus der jüdischen Welt wären an diesen Abenden zu behandeln. j. Mission und Apologetik. Ich denke hier an religiöse Fragen, und nicht an die bekannten antisemitischen. Und gerade der Liberalismus hat hier seine besondere» Aufgaben. Er soll versuchen und bestrebf sein, den freien Juden mit dem freien Ckrtsten zusammenzuführen. Denn eine Aussprache unter ihnen wird das Verständnis für unser Judentum, aber damit das Juden' tum überhaupt mächtig fördern müssen. Man wird als Christ und als Jude reden und doch dem Urreligiösen sehr nahe kommen. Man wird erstaunt sein, wie es eigentlich immer die „Theologie" und das „Gelehrtengezänk" und die „Wissenschaft" und das „Dogma" ist und der „Wunderglaube , die die Mauer zwischen den Religionen so hoch erscheinen läßt. Aber da, wo der „Mensch im Juden anhebt und der ..Mensch" im Christen ihn hört, da wird man sich verstehen, und finden müssen und einsehen, daß uns letzen Endes - die Weltgeschichte allein getrennt hat. Laden wir darum zu geeigneten Abenden und besonders zu „Feierstunden'1 den aufgeschlossenen Christen ein, und zeigen wir ihm ein mensch- und weltzugewandtes Judentum, lehren wir ihn, daß das .Gesetz nicht unser Wesen ist im sc: ^Glaube" sich nicht der Kultur verschliesst. Beten und lesen und singen wir vor ihm edelstes, unvergängliches jüdisches Gut, reden wir vor ihm von den Dingen der Welt, ringen wir vor ihm um Religion und Erde und Menschheit und wir treiben Uissi-»t xm^ edelsten Sinne. Fort mit dem starren, unfruchtbaren Vortragswtsen: Werdet aktiv, laßt das Leben herein! Schafft Gemeindeabende! 2\

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.