Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 13-14 (18.8.1928)
- Date
- 1928-08-18
- Page
- Seite 20 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4889559-5436037-5436067--256-4889773- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und verhängnisvoll wäre, die aus seinem Gottesdienst ein Gegenstück zu gewissen sektiererischen Zirkeln, den ernsten Bibel forschem und dergl. machte, Garnicht zu reden von der Gefahr der Oberflächlichkeit. Audi in der klassischen Zeit des al:en jüdischen Gottesdienstes sprach nur der, der ohne bestallter Rabbi zu sein, mit Thora und Propheten innigst vertraut war und also nicht Laie war. So mag auch heute der eine oder andere in jüdischen Dingen gründlich durchgebildet, zur Verantwortung, Erzogene wohl einmal reden, aber auch nur ein solcher. Die ,,Laienpredigt" aber als gewollte ständige Einrichtung dürfte mehr Schaden als Nutzen bringen. Bach in die Synagogen! Zur Reform der Reform. Von Dr. Franz Roienzweig. Der nachstehend abgedruckte Brief war an einen jungen Frankfurter Musikstudenten gerichtet. Da mir der junge Mann in seiner Antwort bedeutete, daß ei an der Synagoge KönigsteineritraQe ja einen bezahlten Chordirigenten gebe, so flüchte ich nun mit meiner Anregung vor der jüdischen lugend in die jüdische Öffentlichkeit: Frankfurt a. M 31. 12. 26. ... Neulich beim Aufarbeiten alter Zeitungen fiel mir in der Jüdisch Liberalen Zeitung Ihr Name auf in Verbindung mit dem Vorschlag einer alten Lieblingsidee von mir, der Gewinnung Bachscher Vokalmusik für den jüdischen Gottesdienst. Machen Sic das doch! Vorschlagen hilft nichts. Aber wenn Sie einen kleinen Chor zusammenbringen und dann an Dr. Seligmann herantreten, ob er Ihnen nicht ermöglichen kann, ein oder das andere Mal im Gottesdienst neben dem ständigen Synagogenchor eine Bachsche Motette oder Kantate in ihren für die Synagoge geeigneten Partieen im Gottesdienst aufzuführen, wird er sicher nicht nein sagen. Ganz kann ja das meiste nicht genommen werden, weil mindestens irgend eine Arie gewöhnlich die christliche Moral von der alttestamentlichen Geschieht' zieht. Aber es gibt eine Fülle alttestamentlichcr Texte, und grade die schönsten, in Bachscher Vertonung. Natürlich müßte, damit die Sac he kein ..Synagogenkonzert'- wird, sondern wirklich im Rahmen, des Gottesdienstes bleibt, der Text einer sein, der sowieso an dem betreffenden Tag vorgelesen wird, entweder aus der jeweiligen Perikope des Pentateuch^ oder aus dein zuge hörigen Prophetenabschnitt, Es wäre ein rechtes Glück, wenn das was würde, für beide Beteiligten : für die Synagoge, die damit endlich statt braver Kapellmeistermusik Teil gewänne an der wirklichen großen deutschen Musik, aber auch ein Glück für Bach, denn diese Sachen schlafen ja größtenteils den Schlaf der Partitur, aus dem sie dann zu klingendem Leben erweckt würden. . . 20