Mannheim
Compact Memory

Die Gemeinschaft · 1928-08-18 · 13-14 (18.8.1928) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1928
Issue
13-14 (18.8.1928)
Date
1928-08-18
Page
Seite 19 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4889559-5436037-5436067--255-4889772
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gottesdienst derart aufgebaut war. daß auch das Sch'ma derart gebetet wurde. Das stille Gebet muß bis auf die Minute andachtsvollen Schweigens die so wirksam und ergreifend ist, möglichst verschwinden, es sollte kein Augenblick sein, in dem nicht in ständigem Wechsel Vorbeter und Gemeinde laut sprechen. Dieselbe Forderung ist tu stellen, wo der Gottes dienst überwiegend deutschen Charakter hat. amh da muß' durch Rcsponsorien und dunh gemeinsame Gesänge die Ge meinde in ständiger Anteilnahme sein. Auch beim deutschen Gebet entspric ht die Überlange Tätigkeit des Rabbiners oder Vorbeters und das untätige Schweigen und Zuhören der Ge meinde nicht dem. was nottut. IXt Chorgesang ist so weit wie möglich einzuschränken, und möglichst alles aut vollen Cemeindegesang abzustellen. Daneben muß jedes Mittel in Kratt bleiben, durch das der einzelne zur Mitwirkung kommt. Iis ist--darum ein Fehler, das Aufrufen zur Thora abzuschaffen. Ebenso wie das Aufrufen dient auc h die Sitte, an besonders feierlic hi n Stelle n des Gottesdienstes die heilige Lade durch da/u Gerufene öffnen zu lassen, der Förderung des Bewußtseins-! tatig am Gottesdienst teilzunehmen. Diesen Willen zu erwecken und wae h/u halten, ist das erstrebenswerte Ziel. In eleu Umkreis dieses Themas gehöri auch die- Frage der Laienpredigt. Ks könnte man« hes dafür sprechen, auch den -nicht rabbinise h Beamteten reden zu lassen. Vielleicht führt zuweilen der theologische llc-ruf dazu. Probleme des Lebens und der Zeit theologisch, man kann im Judentum kaum sagen dogmatisch, zu sehen und nic ht immer mit der Rcnü genden Frische und Unmittelbarkeit der bewegten Seele. Aller orten wendet man sich gegen Yerbeamtung; und man ist leicht geneigt, in dieser Frage den Gegensatz zwischen dem berufsmäßigen Kanzelredner und dem Laien zu betrat hten in Parallele zu dem zwischen Pricstcr.und Prophet von einst, insofern der Prophet eben religiös bewegter Laie war. Aber gerade hier ist besondere Vorsic ht geboten. Zum Predigtamt ist nicht nur die religiöse Bewegtheit und Ergriffenheil der Seele vonnöten, sondern auch ein starkes Verantwortungsgefühl. Zu ihm gehört eine vertiefte und sachliche Kenntnis des Cm fanges der Fragen, die Beherrschung der Besonderheil )ü discher Religiosität, Einblick in die Voraussetzungen und die Eigenart jüdisc her Seelenhaltung, V erständnis lür die \ er knüpfung einer Frage der Gegenwart mit der geschichtlichen Linie des Judentums, seiner Aufgabe in der Welt und mit dem Bedürfnis der jüdischen Gesamtheit Es ist sieher richtig, daß dem Theolögen nicht ohne Weiteres die religiöse Ite wegtheil zu eigen ist. die zur Kan/elrede befähigt, aber auch der nur religiös Bewegte ist um dieses Ergriffenseins willen, auch wenn i hm die äußere Fähigkeit des Redens gegeben ist, zu ihr berufen. All/u leicht käme aus der Laienpredtgl dann eine- Schwärm geistere j in das Judentum, die ihm fremd 14

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.