Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 13-14 (18.8.1928)
- Date
- 1928-08-18
- Page
- Seite 17 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4889559-5436037-5436067--253-4889770- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
allen Vorgingen des Kultus in unmittelbar aktiver Beziehung sieht. Wenn wir an die einleitend zitierten Worte Geigers denken, dann werden wir bei dieser N'euschöpfung auch die Kürzung nicht vergessen dürfen. In einer Zeit, wo starke Reiz; alle Altersklas-en aus de n Gebäude der Religion heraus locken, muß sehr viel versucht werden, um die schon oder bald Fernstehenden zu fesseln. Eine große Schwierigkeit hierbei ist freilich die Tragik unseres Sabbats, und es wird für die Gemeinden, welche eine Andacht an arbeitsfreien Tagen ablehnen. ni< hts anderem übrig bleiben, als zu schulfreien Stunden vom Vorabend bis zum Ausgang neue Gottesdienste einzulegen, die aber immer für die Gemeinde bestimmt sein müssen, und die die Familie gesc hlossen ins .Bethaus führen. Dann stellt sich auch jener höhere Erfolg ein, der das Geheimnis wahrer Andacht ist, und nur wenn Fitem und Kinder zeitlich gemeinsam und räumlich ungetrennt im Hause Gottes verweilen, kommen wir •zur Frbauung. Das schwerste Unheil des Judentums, von uns selbst heraufbeschworen und verewigt, beruht darin, daß wir die letzten zweitausend Jahre unserer Existenz als Provisorium aufgefaßt haben und uns von der irrtümlichen Auffassung des Golus-Begriffes nicht trennen können. Leben ist immer echt, und das Dasein jeder Zeit muß sich voll auswirken! Damit ist kein Wort gegen irgendwelche nationalen Strömungen oder Bestrebungen gesagt, und wir glauben hierin alle Riehtungen des Judentums einig und der Ueberzcugung. daß die Judenheit seit dem Altertum ein wachsendes und wertvoller gewordenes Eigenleben geführt hat. Leider fehlt uns aber der Mut der Konsequenz, die offenbaren Fehler abzustellen, mögen sie selbst von allen erkannt sein! So war es auch bisweilen zu biblischen Zeiten : „Das Wort von Gott war selten geworden in jenen Tagen, keine Prophezeihung drängte sich hervor" (1 Sam 3,1) Wer ein Freund der heiligen Sprache ist, weiß, daß das Verbum poraz schon im 38. I Tamar- 1 Kapitel der Genesis gebraucht wird, und sein eigentlic her Sinn ist die An strengung des kindlichen Körpers beim Geburtsakt. So qualvoll und lähmend wie der Zustand der Gebärenden, wenn die Wehen aussetzen, ist die Stellung eines großen Teils auch der liberalen Judenheit gegenüber der Erkenntnis des Gottesdienstes. Ihre Frucht ist reif, sie drängt ans Licht, aber man will sie zuru< k halten. Darum sollte alles von allen getan werden, um die g .tt suchende jüdische Seele zu retten und unseren Kindern und künftigen Geschlechtern eine echte religiöse Umwelt zu geben, die in unserer Sehnsucht und unserem Blut liegt, und ohne che sie nicht /um Lehen gelangen und ne ues prophetisc hes jüdisc hes Leben schaffen werden. 17