Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 13-14 (18.8.1928)
- Date
- 1928-08-18
- Page
- Seite 16 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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düngen und Zirkel herstellen und würden so die an sich nicht allzu große Gemeinde vollends auflosen. Wenn man dagegen unsere Bibelstelle innerlic h überdenkt und beachtet, daß Samuels Kleidung stets eine Arbeit seiner Mutler war. dann deutet dies auf die Kunst, die große und so selten erreichte Kunst, für alle genannten Gruppen eine einigende IJasi> zu finden, und das vermag tatsächlich der Gottesdienst da, wo man ihn richtig versteht. Er ist nämlich nichts anderes wie die Fortsetzung der Familiengemeinschaft, und er keimt aus dem für die meisten entschwundenen Bewußtsein, daß die seit langer Zeit getrennten Glieder, die Kinder vom Hause Israel, einstmals alle zusammengehörten und von einem Stamm ihre physische und seelische Abkunft herleiten, daß sie sich in diesem Versammlungshausc wiederfinden und aufs Innigste verwandt sind, ihre Sorgen und Schmerzen, ihre Enttäuschungen und Hoffnungen gegenseitig hören und dem ewigen Gotte anvertrauen, und anheimgeben können, denn er schläft und schlummert nicht und bleibt unser Hüter. So wie die Synagoge auf diesem Fundament zum Zentrum der Gemeinde geworden ist, so muß auch xler Gotte-.dienst einheitlich und für alle gedacht und organisiert sein. Wenn nun — aber durch die Not der Umstände gezwungen zum Beispiel an den Herbstfeiertagen die Zahl der Andichtstätten nicht ausreicht und Behelfe gefunden werden müssen, dann ist es doch ein Trägheitsmoment, die Großen und Kleinen aufs Neue zu separieren. Was nämlich bei diesen Jugendandachtcn bisher geboten wird, das ist eine blutarme Kost, und in dem Bestreben, von allem eine Winzigkeit zu bringen, kommt den Kindern schließlich gar nichts mehr zu Bewußtsein. Die Andacht gleitet filmmäßig vorüber, ein Konnex tritt nicht ein. Sicherlich würde es das Beste sein, die Ausgestaltung des Gemeindegottesdienstes so zu vollziehen, daß stark erhöhter Wert auf seine Einfachheit und Verständlichkeit gelegt wird. Wenn sich der Mensc h mitten aus der Hast des Lebens Gott ergibt, dann ist auch seine Seele bereit, weich und kindlich ge stimmt, er atmet, ja er schwelgt in .den alten Erinnerungen und sehnt mit aller Kraft die verklungene Zeit herbei, wo er selbst im l ande der Jugend lebte. Darum wird es zweifellos richtig sein, daß unsere Andacht, sofern keine Beherrsc hung der hebräischen Sprac he bei der Gemeinde vorwaltet, auch in der Muttersprache geschieht. Unsere Alten sind in dieser Beziehung sehr weitherzig und verständnisvoll gewesen, und nicht nur das Targum, sondern auch die Frauengebetbücher vergangener Jahr* hunderte beweisen die-». Nur so wird ein intimes Milieuent stehen, das Hermann Falkenberg immer wieder als absolute Notwendigkeit des Gottesdienstes mit vollem Rec ht fordert, und nur hier kann die Gleichberechtigung der Jungen und der Alten, der Männer und Frauen. Knaben. und Mädc hen erwachen, weil jeder sich ah vollwertiges Glied fühlt und zu 1'»