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Die Gemeinschaft · 1928-08-18 · 13-14 (18.8.1928) · p. Seite 14-15

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1928
Issue
13-14 (18.8.1928)
Date
1928-08-18
Page
Seite 14-15 (sequence 14)
Language
German
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V Das Problem des Jugendgottesdienstes. Von Rabbiner Dr. Martin Salomomki. In den nachgelassenen Schriften sagt Abraham Geiger von dem Gottesdienst seiner Zeit: „Unser Gottesdienst ist — legen wir das Geständnis ab. so traurig es auch klingen mag — zum groben Teil unwahr oder zu einem gedankenlosen Werkdien-t geworden Die Gedanken und Gefühle, welche in den Gebeten niedergelegt sind, finden bei den meisten nicht denjenigen Anklang, weh her allein die Weihe und den segenspendenden Einfluß des Gebets bedingt. Die Sprache, in welcher der Gottesdienst abgehalten wird, verstehen die meisten Besucher' de- Gotteshauses nicht mehr, eine oft zu lange Zeitdauer des selben ertötet die Andacht (lerer, welche ihm vollständig beiwohnen, während sie den größten Teil veranlaßt, das Gotteshaus früher zu verlassen." Dieses harte, aber wahre Urteil, auf das Julius Galliner in der Festschrift für Moritz Schaefer aufmerksam macht, gilt von unserer Zeit und ihrer religiösen Leistung in verstärktem Maße: nirgends aber ist es so berechtigt wie beim Problem des Jugendgottesdicn-tes. Ist er doch überhaupt au-> dem Kmpfinden heraus entstanden, daß die fortlaufende Kette der Gemeinschaft zwischen den Generationen schon xerrissen -e-i. und daß sehr schnell die Glieder neu gefügt werden müßten, wenn die verbindende Kraft nicht dauernd verloren sein -oll. Da- Erreichte i-t allerdings ein nickwerk geblieben, die Kenntnisse der religiösen Praxihaben weiter abgenommen, dei religiöse Unterriehl i-t zu einem großen Teil Leerlauf und Theorie, und die jüdische Volksschule, welche am ehesten noch im friedlich idyllischen Kreider Kleinstadtgemeinde jüdisches Leben verbreiten konnte, scheint zum Tode verurteilt zu sein. » So stellt sich der Jugendgottesdienst in seinem jetzigen Stande als ein Ersatzversuch dar. über den hinaus man zum guten Alten oder Neuen gelangen mix lue. Als er vor vierzig Jahren in Deutschland eingeführt wurde, da haben viele Hunderte jugendlicher Beter immer wieder die Synagogen gefüllt, aber jetzt i-t sogar in den Gotteshäusern mit konservativem Ritus von diesen Scharen nur ein geringer Rest geblieben. Man hat inzwischen verschiedene Mittel angewandt, um das Interesse für eine besondere Andacht bei den Jugendlichen zu heben. Die Knaben werden als Funktionäre herangezogen, und nicht nur das Vorbeten, nein, auch das Vorsteheramt un I selbst sogar das Predigen gehören zum System dieser wenig pädagogischen Reform. Es scheint nämlich, daß hierdurch nii hl viel mehr als der Nachahmungstrieb oder — bloß der Spiel sinn des Kindes geweckt werden kann, und die aufflammende doch schnell erlöschende Sympathie für solche Neuerungen wird den vermißten Zusammenhang nicht herstellen. Es ist viel richtiger, einzusehen, daß der Jugendgottesdienst nur bedingten Ueberleitungswert Iw-itzt, und daß das Ziel in der Gemeinschaft der ganzen Gemeinde besteht. So wie das Kind sich selbst in das Leben einführt und mit allmählich erwachendem Verständnis die Vorgänge seiner Im weit empfindet, so wird es auch zweifellos nach und nach dur. h einen Gottesdienst Verständnis, Freude und Andacht gewinnen, der ursprünglich für die Erwachsenen bestimmt i-t. Die Heilige Schrift gibt uns in der Einführung de¬ Knaben Samuel durch seine Mutter Hanna ein rührendes Beispiel der religiösen Erziehung. Er hat aljunges Kind im Stiftzelt zu Silo, im wahren Sinn de- Worte-, bereitvor Gott gedient, und sein Gewand, dadie Mutter eigenhändig, von Jahr zu Jahr für ihn neu anfertigte, umhüllte nicht nur einen gewachsenen Körper, sondern am Ii einen reger und einsichtiger gewordenen Geist. Wo sollten wir indessen hinkom inen, wenn dies lediglich wörtlich aufgefaßt würde, un I wir die Unterscheidung zwischen den Leben-altem und gar nach dei Veranlagung der Menschen kompliziert fortsetzen wollten? Wir müßten dann besondere Andachten für sec hs bi, zehnjährige, für elf- bis vierzehnjährige Kinder und wieder spezielle für dir eigentlich Jugendlichen einrichten, hinsic htlich der letzten Gruppe für eine Trennung der Geschlechter sein und uns womöglich dem auch von der Orthodoxie schweigend preisgegebenen Standpunkt wieder nähert!,' wonach in der Synagoge von der Frau überhaupt keine- Notiz genommen wird, sodaß sie dort gewißermaßen unsichtbar und nur geduldet erst heim. Wir müßten schließlich aUi h bei den Erw.n hsenen wieder zunächst gemäß dein Bildungsgradeneue l 'nter-c hei Lest die Jüdischjliberale Zeitung Ornon der Vereinigung für das liberale Ji Bestellungen nehmen alle Postämter entgegen. DIE Wochenzeitung .{liberale ,,d»*um e. V.. Berlin SW 48. Wllhalmi Bezu en liberaler Wilhelmstraße 147 gsprels vierteljahrlich Mk. 2.50. n Judentums. u

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