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Die Gemeinschaft · 1928-08-18 · 13-14 (18.8.1928) · p. Seite 9

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1928
Issue
13-14 (18.8.1928)
Date
1928-08-18
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Ein Jahrfünft Liberale Synagoge Norden. von Direktor Jonas Plaut. Am Freitag den 30. November 1923, also noch in den Tagen des Billionentaumels, eröffneten einige beherzte und wagemutige Männer ohne alle Mittel, nur getrieben von dem Willen, dem religiösen Liberalismus zu dienen, mit einer ungewöhnlich eindrucksvollen Veranstaltung die neue Synagoge. Die Feier begann um 7'4 Uhr, und diese Zeit ist aus wohlüberlegten Gründen in allen Jahreszeiten bis zum heutigen Tage beibehalten worden. Herr Dr. Gottschalk, einer von den sehr wenigen liberalen Rabbinen, die sich in der Folgezeit dem jungen Unternehnen zur Verfügung stellten, hielt nach einem Vorspruch des Herrn Falkenberg, des liberalen Führers im Berliner Norden, die Weiherede. Wenn auch späterhin sich manches geändert hat: die Grundlinien sind im großen und ganzen dieselben geblieben. Vermeidung jeder unnötigen Wiederholung, der einmalige Kaddisch, die Gruppierung der Liturgie um Höhepunkte, die abendliche (deutsche) Vorlesung aus dem Wochenabschnitt, die regelmässige kurze, knappe Predigt, die stärkere Verwendung des deutschen Gebetes: im wesentlichen war das Gerüst gebaut, das sich bisher in fünf Jahren bewährt hat. Von besonderer Wichtigkeit war innerhalb des gespannten Rahmens das „unstarre System". Jeder Gottesdienst sollte Träger einer besonderen Idee sein, die mit wechselndem Einleitungs- und Schlußgebet, mit Ansprache und Vorlesung und durch die Kunst des Predigers immer neugeformten deutschen Gebetsübertragungen herausgearbeitet werden mußte. An den Rabbiner wurden so von Anfang an die höchsten Anforderungen gestellt. Diese Forderungen zu erfüllen war für den Laienprediger gewiß keine leichte Aufgabe. Denn für die Organisatoren des Gottesdienstes war die Einfügung dieser Kategorie von Rednern ein Herz- und Kernstück. Die Schöpfer der neuen Andacht gingen dabei von der zutreffenden Erwägung aus, daß die Niehtrabbiner"— Lehrer, Aerzte, Anwälte u. a. — nicht bloß zum Mithören, sondern auch zum aktiven Mitwirken berufen seien und innerhalb eines bestimmten Vorstellungskreises die geistigen und religiösen Nöte ihrer Gemeinschaft oft am eindringlichsten darzustellen vermochten. Bei aller Würdigung der Leistungen der selbstlos diesem schönen Ziele dienenden Mitglieder kann nicht verschwiegen werden, daß die Predigten nicht immer befriedigten und das Weiterbestehen dieser Einrichtung in der vorgesehenen Form zu einer schweren inneren Krise hätte führen müssen. Damit ist im Grunde nichts gegen die Verwendung des Laienelements überhaupt gesagt. Wir müssen aber erst die neue Generation besser durchbilden und ihre Aktivierung im Gottesdienst auf Wegen, wie wir sie beim selbstständigen Vorlesen aus der Thora, bei der neugeschaffenen Liturgie des Jugendgottesdienstes, bei den Mädcheneinsegnungen, in den verschiedenen Vor- und Fortbildungskursen verheißungsvoll beschritten haben, noch nachdrücklicher betreiben. Einstweilen jedoch sind wir noch unterwegs, und darum war die Gewinnung *

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