Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 12 (20.5.1928)
- Date
- 1928-05-20
- Page
- Seite 14 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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suchten wir diesem Uebelstand abzuhelfen durch Druckfegung und Herausgabe eines eigenen GebetbUchleins, das an unsere Mitglieder kostenlos abgegeben wird. t Wenn man zeitweilig die Behauptung hört, daß das religiöse Leben und Interesse unter den Berliner Juden noch immer im Schwinden begriffen ist, so reden die Tatsachen doch eine andere Sprache. Im Westen Berlins, in Wilmersdorf, ist ein Gottesdienst eingerichtet worden, derdem in der Liberalen Synagoge Norden entspricht, und auch im Süden und Osten Berlins sowie in Charlottenburg zeigen sich Bestrebungen, dem religiös-liberalen Bedürfnis in unserem Sinne gerecht zu werden. Die Zeiten dürften endgültig der Vergangenheit angehören, in denen man auch glaubte: Stellt eine Orgel in die Synagoge, richtet einen ge- > mischten Cnor ein und laßt mehr oder weniger Gebetstücke ausfallen, dann habt ihr einen liberalen Gottesdienst. So konnte es nicht weitergehen und so wird es nicht weitergehen. Glauben und religiöse Sehnsucht des liberalen Menschen lassen sich durch solche Aeußerlichkeiten nicht befriedigen. Sucht die Seelen, laßt sie nicht verkümmern, ringt mit ihnen, überbrückt den Gegensatz von Lehre und Leben, habt Bekennermut, bildet eine Gemeinschaft, die in der Vergangenheit wurzelt, der Gegenwart gerecht wird und für die Zukunft baut, dann wird die jüdische Gemeinde wieder lebendig, das Gotteshaus zum Mittelpunkt dieses Lebens. L. R. Bericht über die Liberale Synagoge Wilmersdorf. Die mangelnde Befriedigung, die der in den Berliner Orgelsynagogen seit mehr als 70 Jahren ohne jede Aenderung bestehende Gottesdienst den entschieden liberalen Juden gewährt hat, hat einen kleinen Kreis jüdischer Männer im Groß-Berliner Westen bestimmt, auch hier nach dem Muster der Liberalen Synagoge Norden einen liberalen Gottesdienst einzurichten. Bereits der erste Gottesdienst; der ohne große Vorbereitungen spontan veranstaltet wurde, brachte über 350 Männer und Frauen in das Gotteshaus. Die Sitzanordnung, die die Trennung der Geschlechter in der Synagoge aufgehoben und den Familien die Möglichkeit gemeinsamer Andacht gebracht hat, die Hervorhebung M