Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 12 (20.5.1928)
- Date
- 1928-05-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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w. Kmpfindung angemessen sind, und diese Mentalität dürfen wir weder verargen, noch können wir sie leugnen. Einen hohen Fortschritt hat unsere jüdische Betrachtungsweise durch das Verantwortungsgefühl gewonnen, das seine Urwurzeln wohl im sozialen Willen unserer Generation hat. Der frühere Jude war durchaus mit seiner eigenen Frömmigkeit zufrieden und hat für die (Haubensauffassung der andern entweder einigen Beifall oder bloßes Bedauern aufgebracht. Heute ist es so, daß wir uns um die Seelen kümmern, bekümmern und nicht eher rasten wollen, bis sie zu der Krkenntnis gelangt sind, die uns beseeligt, und ohne deren Innewerden sie verschmachten und uns verantwortlich machen könnten, weil wir lealt geblieben sind und geschwiegen haben. Darum braucht zum Schluß nur noch ein Wort Uber die Gemeinschaft gesagt zu werden, die das Produkt unserer LJebeneugang von Gott. Gebot und Verantwortung ist. Sie allein ist imstande, den Wert im Keim, das Gegenwartsleben der Judenheit zu befruchten und ohne die Beengtheit des alten Gemeindelebens Menschen von gleichem Sinn und Verlangen zusammenzuführen. Dieser Wille ist die Rückkehr zur älten und zur besten Tradition einstigen Judentums, und nur wenn diese Sprache Israels sich Gehör verschafft, werden auch die Völker die Wort« vom Sinai verstehen und glücklich werden. Die zehn Gebote. Von Rabbiner Dr. Max Wiener, Berlin Wohl scheint Dunkles, überaus Geheimnisvolles dem Geiste zugemutet, der sich einer göttlichen „Offenbarung" hingeben soll. Und *''c Vorbereitung und äußere Zurüstung. in welche die Gesetzgebung am Berge Sinai eingekleidet ist, will sichtbar den Eindruck starken, daü etwas Ungewöhnliches sich vollziehen, eine unerhörte Enthüllung den sterblichen Menschen dargeboten werden soll Aber da das Geheimnis sich entschleierte, da der unsichtbare Gott redete, was vernahm das Volk? Die Grundgesetze für das sittliche Leben, die der Glaube an den einen Gott, der der Heilige und Gute ist, in die Seele schreibt. Seit Jahrtausenden sind die ehrwürdigen Worte in dieser oder jener Gestalt zum Eigentum der ganzen Welt geworden. Halten wir uns wieder einmal ihren Gedankengang vor Augen, in dem nie verhallend das Göttliche im Menschen, das Gewissen, zu uns redet: In Aegypten waren die Kinder des Ahnherrn Jakob, einst frei 4