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Die Gemeinschaft · 1928-05-20 · 12 (20.5.1928) · p. Seite 3

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Journal
Die Gemeinschaft
Volume
1928
Issue
12 (20.5.1928)
Date
1928-05-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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kürzerer Strecke auf die harten Steine der Enttäuschung tritt, dann beginnt die. Offenbarung der Selbstbesinnung, dann erwacht das innere Ohr. und er kommt /u der Zwischenrast, wo er hercit ist, aufzumerken, sich zu bilden, umzuformen, auch der Meinung anderer zu lauschen und sich einzugliedern. Hier beginnt die Tradition, die Stunde der l'eberlieferung, der der üble Eindruck fehlt, dem Vergangenen ausgeliefert zu sein. Erst in diesem Augenblick kommt es zum Kmpfang, nicht mehr wie früher zum Diktat! Ist der junge Mensch so weit, dann können wir ihm das Judentum ohne den Druck anempfehlen, daß vs bloßes Gesetz sei. Es ist uns wohl bewußt, mit welchen Schmerzen die. Treuen der Gemeinschaft das durch die alte Form der Feberlieferung bedingte Abschwenken sehen, da es sich durch keine Gewalt hemmen läßt. Nur die Freiheit erzeugt bessere Kntschlüsse, durch die Tore, des Irrtums gelangt der Mensch zur Wahrheit. Doch würde diese Betrachtung ihre Absichten, auf die religiöse Praxis zu wirken, verfehlen, wenn ihr nicht noch einige Punkte von Wichtigkeit angefügt werden dürften, in denen der alte und der junge Mensch sich religiös wesentlich unterscheiden. Wir meinen hier die Vorstellungen von Gott. Gebot.'Verantwortuni: und Ge meinschaftsgefühl. Der Glaube an den persönlichen Gott ist in einer Wandlung begriffen, die uns alle mitnimmt und bewegt. Sah das frühere Geschlecht in ihm das große theokratischv Prinzip, so ist es jetzt so gekommen, daß wir in immer stärkerem und durch die Not unseres Daseins bedingtem Sehnen ihn fühlen und erleben wollen. Der chassidistische Gedanke, der schon einmal im Judentum gewaltige Triumphe gefeiert hat. erhebt »ich aufs neue und soll biet in der Formel seinen Ausdruck finden: Gott kann nur sein, wenn er mein Gott ist und persönlich zu meinem Leben gehört. Aehnlich steht es mit dem Gebot, das früher erfüllt wurde, weil es vorgeschrieben war. Man hat nicht nachgedacht, man hat gehorcht, und man war zufrieden damit. Das galt als ganz besonders löblich' Aber heute verlangt der Mensch, daß in jeder Sache geistigen Charakters Sinn und Zweck, Verstand und Bedeutuug enthalten sei. Er übt also folgerichtig nur diejenigen Vorschriften, die mögen sie andern viel oder wenig sagen — seiner Auffassung und 3

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