Die Gemeinschaft
- Journal
- Die Gemeinschaft
- Volume
- 1928
- Issue
- 12 (20.5.1928)
- Date
- 1928-05-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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sich liier auf: vermögen wir den Stoff und den Inhalt des Glaubens zu überliefern, und darf man das tun? Hat nicht die .Fugend ein volles Recht, sich ihre Auffassung, ihre Offenbarung selbst zu schaffen und dann eigene Wege zu gehen, oder sollen wir sie hierin bevormunden? Wenn das selbst gelänge, tun wir dann das Rechte, und erreichen wir das Gute? Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß hiermit eine Schicksalsfrage des Judentums und der Judenheit angeschnitten wird, Uber die die Meinungen außerordentlich geteilt sind. Lange genug vertrat man den Standpunkt, daß das junge Geschlecht in jeder Beziehung, bis ins Hinzeine genau in den Spuren der Voraus*- gegangenen zu wandeln habe. Aber es wurde doch ersichtlich, daß hiermit der Widerspruch, der ein Vorrecht der Jugend ist und ^anz natürlich aus ihr strömt, aufs stärkste geweckt wird. Ganz sicherlich haben wir viele und nicht nur Schlechte lediglich deshalb verloren, weil sie sich in keiner Weise zwingen lassen wollten und auf der ersten Stufe der Erkenntnis, wo der Drang zur Niederringung alles Gewesenen uns packt, vom Widerwillen er griffen wurden. Wie sollen wir uns nun jetzt verhalten, in unserer Gegenwart, wo auf allen Gebieten des Lebens die Jugend in ihrer eigenem Bahn vorwärtsstrebt und sich nicht mehr bevormunden läßt? Wir treten dafür ein. daß sie intensiv belehrt werden soll, daß aber die Methode untere Kindern ein uneingeschränkt freies Ge.staltungsrecht beläßt. Vergessen wir nicht, daß nur ganz überragende Naturen die Fähigkeit besitzen, überzeugend zu wirken. Dann allerdings glauben die Empfänger, in sich selbst das Gute und das Heil erzeugt zu haben. Ueberiragung der Gedanken und der Gefühle auf andere scheint nur wenigen zu gelingen. Und wir machen die Jugend bestimmt dem Glauben abgeneigter, wenn wir ihr zurufen: du mußt, weil ich mußte, und ich will, daß du mir gleich bist! Einst hat das Volk Israel am Sinai geantwortet: „Wir wollen tun. und wir wollen hören!" In diesem Satz liegt die Wahrheit, und er lehrt uns, daß dir Betätigungswillc des Menschen immer, also auch in religiösen Dingen, geachtet werden muß. Wir müssen durchaus unter den vielen Wegen, die sich dem erwachenden Menschen auftun. jedem freie Wahl. Richtung und Tempo gestatten. Dann war es sein Entschluß, dann bleibt es seine Verantwortung, und wenn er — das geschieht bestimmt — schon nach 2